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Pressenotiz 29.10.2012

Geldvermögensbildung und Finanzierung in Deutschland im zweiten Quartal 2012

Ausgewählte sektorale Ergebnisse der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung 

Das Geldvermögen der privaten Haushalte ist im 2. Quartal 2012 auf 4 811 Mrd € am Quartalsende gestiegen. Mit 9 Mrdbzw. einem Zuwachs von 0,2% fiel der Anstieg gegenüber dem Vorquartal aber nur gering aus, weil erhebliche Kursverluste an den Kapitalmärkten in Höhe von rund 30 Mrd € zu Buche schlugen. Insgesamt setzte sich in einem Umfeld sehr niedriger Zinsen der Trend zu liquiden Einlagen fort. Bei den nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften überwog die Außenfinanzierung (um gut 27 Mrd €) die Geldvermögensbildung (rund 14 Mrd €). 

Private Haushalte: Hohe Geldvermögensbildung durch Kursverluste weitgehend kompensiert, Verschuldung steigt leicht
Die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte betrug im 2. Quartal 2012 rund 39 Mrd €. Sie fiel damit zwar – wie in den Jahren zuvor – geringer aus als im 1. Quartal (50 Mrd €), lag jedoch deutlich über dem langfristigen Mittel des 2. Quartals. Zuwächse gab es im Wesentlichen bei den Bankeinlagen und den Ansprüchen gegenüber Versicherungen. Vor allem die Bankeinlagen (einschließlich Bargeldhaltung) haben abermals spürbar zugenommen. Sie wurden im Berichtszeitraum mit rund 22 Mrd € (netto) vergleichsweise kräftig dotiert. Die diesbezüglichen Mittelzuflüsse konzentrierten sich dabei jedoch ausschließlich auf Sichteinlagen (einschließlich Bargeld), die per saldo um gut 25,5 Mrd € aufgebaut wurden. Alle anderen Einlagen wurden hingegen abgebaut; die Mittelabflüsse bei Termin- und Spareinlagen (einschließlich Sparbriefen) summierten sich netto auf ca. 3,5 Mrd €. Eine derart heterogene Entwicklung im Einlagenbereich ist ungewöhnlich. Vergleichbares war seit dem Ende des New Economy Booms, in dem private Haushalte Termin- und Spareinlagen zugunsten eines umfangreichen Kapitalmarktengagements reduzierten, nur in einem Quartal zu beobachten. Verantwortlich für die derzeitige hohe Liquiditätspräferenz dürfte zum einen das historisch niedrige Zinsumfeld sein, zum anderen könnte dies auch mit der allgemeinen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Europa zusammenhängen. 

Dies dürfte sich auch im schwachen Engagement an den Kapitalmärkten im 2. Quartal widerspiegeln. Festverzinsliche Wertpapiere (einschließlich Geldmarktpapiere) wurden im Umfang von netto 2,5 Mrd € und damit das vierte Quartal infolge verkauft, was unter anderem mit der weiterhin geringen, teils sogar negativen, nominalen Rendite inländischer Staatsanleihen zusammenhängen dürfte. Nettoverkäufe gab es ebenfalls bei den Investmentzertifikaten (2,5 Mrd €). Einzig Aktien (einschließlich Sonstige Beteiligungen) wurden in geringem Umfang von knapp 1,5 Mrd € netto gekauft. Kräftig zulegen um knapp 12,5 Mrd € konnten hingegen die – in den letzten Jahren stetig gestiegenen – Ansprüche gegenüber Versicherungen. 

Diesem transaktionsbedingten Anstieg des Geldvermögens standen im Berichtszeitraum erhebliche Bewertungsverluste im Umfang von rund 30 Mrd € gegenüber, wovon insbesondere Aktien betroffen waren. Im Ergebnis führte dies am Ende des 2. Quartals 2012 zu einem Geldvermögen der privaten Haushalte in Höhe von 4 811 Mrd € (184 % des annualisierten Bruttoinlandsprodukts) - etwas höher als am Ende des 1. Quartals (4 802 Mrd €). 

Die Verschuldung der privaten Haushalte nahm im 2. Quartal 2012 nur leicht zu. Per saldo wurden Kredite (einschließlich sonstiger Verbindlichkeiten) in Höhe von knapp 7 Mrd € aufgenommen, vor allem für den Wohnungsbau. Damit beliefen sich die gesamten Verbindlichkeiten am Quartalsende auf 1 555 Mrd €. Die Verschuldungsquote, definiert als Anteil der gesamten Verbindlichkeiten am annualisierten Bruttoinlandsprodukt, änderte sich kaum und betrug am Ende der Beobachtungsperiode 59,3 %. 

Nichtfinanzielle Unternehmen: Geldvermögensbildung schwach, Außenfinanzierung leicht gestiegen
Die Geldvermögensbildung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften belief sich im Berichtszeitraum auf insgesamt rund 14 Mrd €. Sie fiel damit – wie in den Jahren zuvor – deutlich schwächer aus als im Vorquartal (37 Mrd €). Mittelzuflüsse gab es vor allem bei der Kreditgewährung (8 Mrd €), unter anderem an verbundene Unternehmen, sowie bei Handelskrediten und Anzahlungen (16 Mrd €). Die kapitalmarktbasierte Geldvermögensbildung war hingegen negativ; insgesamt wurden Wertpapiere im Umfang von 6 Mrd € netto verkauft. 

Die Außenfinanzierung lag im Berichtszeitraum bei ca. 27,5 Mrd € und ist somit gegenüber dem Vorquartal  etwas kräftiger ausgefallen. Die Mittelaufnahme erfolgte primär über Kredite (10 Mrd €), die vor allem von ausländischen Banken gewährt wurden, sowie über Handels- und Lieferantenkredite (13,5 Mrd €). Von eher untergeordneter Bedeutung war demgegenüber – wie auch in den Quartalen zuvor – die kapitalmarktbasierte Finanzierung. Festverzinsliche Wertpapiere (einschließlich Geldmarktpapiere) wurden im Umfang von knapp 4 Mrd € emittiert, wozu die weiterhin günstigen Finanzierungskonditionen für Unternehmen im Umfeld niedriger Umlaufrenditen beigetragen haben dürften. Die Beteiligungsfinanzierung fiel mit 2 Mrd € hingegen noch geringer aus als im ohnehin schwachen Vorquartal. Dies dürfte unter anderem mit dem volatilen Umfeld an den Kapitalmärkten im Berichtszeitraum zusammenhängen. Die Verschuldungsquote der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften, definiert als die Summe der festverzinslichen Wertpapiere, Kredite und Pensionsrückstellungen gemessen am annualisierten Bruttoinlandsprodukt, ist im Vorquartalsvergleich nahezu unverändert bei 70,5 % geblieben. 

Aufgrund von Datenrevisionen sind die in dieser Pressenotiz veröffentlichten Ergebnisse nicht mit den Angaben in früheren Pressenotizen vergleichbar.

Die vollständigen Daten der Finanzierungsrechnung finden sich im Internet unter:

http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Gesamtwirtschaftliche_
Rechenwerke/Finanzierungsrechnung/finanzierungsrechnung.html

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