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Frankfurt am Main | 11.03.2013

Klein, aber fein

In der Europäischen Währungsunion hat jeder Mitgliedstaat das Recht, eigene Euro-Münzen auszugeben. In Deutschland liegt dieses Recht beim Bundesfinanzministerium. Von ihm erhält die Bundesbank einmal pro Jahr den Auftrag, eine jährlich neu definierte Menge an Münzen in Umlauf zu bringen. Die Herstellung der Münzen erfolgt dabei in den fünf Münzprägeanstalten der Länder in Berlin, Hamburg, Karlsruhe, München und Stuttgart.

Münzmenge fast verdreifacht

Die Anzahl der sich in Deutschland im Umlauf befindlichen Münzen hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdreifacht und ist von 11 Milliarden Stück mit einem Wert von 3,8 Milliarden Euro im Januar 2002 auf 30 Milliarden Stück mit einem Wert von 6,8 Milliarden Euro im Jahr 2012 gestiegen. Rein rechnerisch verfügt heute jeder Einwohner in Deutschland über 345 Münzen im Wert von 79,85 Euro. Der Großteil entfällt dabei auf 1- und 2-Cent-Stücke – hiervon besitzt jeder Einwohner im Schnitt 175 Stück. Der Anteil an 1- und 2-Cent-Münzen ist damit in Deutschland um einiges höher als im restlichen Europa (Durchschnitt 119 1- und 2-Cent-Stücke), auch der Gesamtanteil an Münzen ist mit 277 im restlichen Euroraum deutlich niedriger als in Deutschland. Man kann Deutschland daher durchaus als besonders kleingeldaffin bezeichnen. 

Umfassende Analysen

Wie hoch der Bedarf an Münzen in Deutschland ist und wie viele Münzen jedes Jahr ausgegeben werden, darüber hat die Bundesbank umfassende Analysen erstellt. So hat sie im Jahr 2003 eine Studie über die Münzgeldentwicklung in Deutschland veröffentlicht. Darüber hinaus greift sie Fragen zum Thema Münzgeld in ihren regelmäßig erscheinenden Studien zum Zahlungsverhalten in Deutschland auf.

Ältere ziehen Bargeld vor

Euro-Münzen haben eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. Daher ist der Ersatzbedarf für aussortierte, nicht mehr verwendbare Münzen weniger groß als der Bedarf, der sich aus einer wachsenden Nachfrage ergibt. Jedes Jahr im Januar und im September prognostiziert die Bundesbank für jede Münz-Stückelung (1 Cent bis 2 Euro) den Prägebedarf. Die Januar-Prognose dient dazu, den Bedarf an noch zu prägenden Münzen für das laufende Jahr festzustellen, mit der September-Prognose ermittelt die Bundesbank den Prägebedarf für das Folgejahr. Faktoren, die die Nachfrage nach Münzgeld beeinflussen, sind unter anderem die Verbreitung und Nutzung bargeldloser Zahlungsmethoden (zum Beispiel Geldkarten) sowie der Anteil an Über-65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung. Der Grund hierfür: Ältere Menschen nutzen signifikant häufiger Bargeld als andere Altersgruppen, weshalb ein höherer Anteil an älteren Menschen den Bedarf an Münzgeld hochtreibt.

Euro, Euro, Du musst wandern …

Ein interessantes Phänomen bei der Betrachtung der Münzgeldentwicklung ist die sogenannte Münzmigration, also die grenzüberschreitende Verbreitung von Münzen. Da jedes Land des Währungsgebiets Münzen mit eigener nationaler Rückseite prägen darf, lässt sich leicht feststellen, wie unterschiedlich Euro- und Cent-Münzen in Europa verbreitet sind. Nach einer aktuellen Untersuchung von Franz Seitz, Dietrich Stoyan und Karl-Heinz Tödter fließen jährlich etwa 5 Prozent der deutschen Münzen ins Ausland, während aus dem Ausland lediglich 1,8 Prozent der Münzen nach Deutschland zurückkommen.[1] Ginge dieser Trend so weiter, würde dies langfristig zu einem Anteil von 47 Prozent ausländischer Münzen in Deutschland und 11 Prozent deutscher Münzen im übrigen Euroraum führen.

Münzen aus den Nachbarländern

Grafik: Länderanteile am Umlauf ausländischer Münzen in Deutschland [+] Länderanteile am Umlauf ausländischer Münzen in Deutschland In Deutschland kommen die meisten ausländischen Münzen aus Italien, Frankreich und Spanien. Das liegt vor allem daran, dass diese Länder auch den größten Anteil am Münzgeldumlauf im Euro-Währungsgebiet haben und ihre Münzen entsprechend häufiger vorkommen. Aber auch Tourismus oder der Anteil an Grenzpendlern sind Faktoren, die die Verteilung von Münzen aus dem Ausland im Inland beeinflussen. So ist es nicht zufällig, dass die am häufigsten in Deutschland vorkommenden nationalen Münzvarianten aus Nachbarländern (zum Beispiel Belgien) und beliebten Urlaubsländern (zum Beispiel Österreich) stammen.




1- und 2-Cent-Stücke – die Deutschen wollen sie behalten

Was die Einstellung der Menschen zu Kleinmünzen betrifft, so ist diese europaweit sehr unterschiedlich ausgeprägt. Nach der oben erwähnten Studie zum Zahlungsverhalten haben die Menschen in Deutschland eine besondere Vorliebe für 1- und 2-Cent-Stücke und plädieren in ihrer Mehrheit nicht für eine Abschaffung dieser Kleinmünzen. Rundungsregeln, wie sie beispielsweise Finnland und die Niederlande eingeführt haben (dort werden Beträge an den Kassen auf 5 Cent auf- oder abgerundet, was den Bedarf an 1- und 2-Cent-Stücken minimiert), finden daher in Deutschland derzeit keine Mehrheit. Die Contra-Fraktion ist allerdings weniger groß, als es die Bekanntheit der Volksmundregel "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert" vermuten ließe. Denn der Anteil derjenigen, die sich nach der genannten Studie eine Rundungsregel "auf keinen Fall" vorstellen können oder ihr grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen, liegt bei lediglich 48 Prozent, während immerhin 42 Prozent der Befragten die Einführung einer Rundungsregel befürworten würden.

Inflation durch Rundung?

Grafik: Zustimmung zu einer Rundungsregel in Deutschland [+] Zustimmung zu einer Rundungsregel in Deutschland Die Einführung von Rundungsregeln und die damit einhergehende Abschaffung von Kleinmünzen werden unter Fachleuten kontrovers diskutiert. Für die Abschaffung von Kleinmünzen spricht unter anderem, dass bei steigenden Rohstoffpreisen der Materialwert von Kleinmünzen allmählich deren Nennwert übersteigen könnte, was deren Herstellung unwirtschaftlich machen würde – und zudem einen Anreiz schaffen könnte, Kleinmünzen einzuschmelzen und als Rohstoff weiterzuverkaufen. Darüber hinaus entstehen dem Handel und der Kreditwirtschaft erhebliche Kosten für die Zählung, Aufbereitung und den Transport von Münzen. Das EU-Parlament hat daher die EU-Kommission beauftragt, die Einführung einer Rundungsregel zu überprüfen.

Kritiker befürchten dagegen bei Einführung einer Rundungsregel inflatorische Effekte. Diese Befürchtung ist zumindest nach einer von der Bundesbank in Auftrag gegebenen Studie des EHI Retail Instituts unbegründet. Demnach scheint der inflatorische Effekt einer Rundungsregelung sehr gering zu sein. Auf- und Abrundungen gleichen sich nämlich weitgehend aus, und selbst wenn der Handel Beträge grundsätzlich auf 5 Cent aufrunden würde, läge der Einmaleffekt der Teuerung bei lediglich 0,1 Prozent.

Fußnoten:

  1. F. Seitz, D. Stoyan und K.-H. Tödter (2012), Coin Migration and Seigniorage within the Euro Area, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 232: 1, S. 84 – 92.