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Frankfurt am Main | 19.02.2018

Deutsche Wirtschaft in Hochkonjunktur

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung der Bundesbank in einer Phase der Hochkonjunktur. Laut jüngstem Monatsbericht hat die gesamtwirtschaftliche Leistung in den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 beträchtlich stärker zugelegt als das Produktionspotenzial. Auch im vierten Quartal sei die Wirtschaftsleistung kräftig gestiegen, gleichwohl mit etwas weniger Schub als zuvor. Nach ersten Angaben des Statistischen Bundesamtes erhöhte sich das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Zeitraum saison- und kalenderbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber dem Sommerquartal. Im Gesamtjahr 2017 ergab sich kalenderbereinigt ein Wachstum des realen BIP von 2,5 Prozent.

Die Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten übersteigt dem Monatsbericht zufolge ihren langjährigen Durchschnitt inzwischen erheblich. Sowohl bei den Unternehmen als auch bei den privaten Haushalten sei die Stimmung außerordentlich gut, und die Lage am Arbeitsmarkt hat sich weiter verbessert, schreiben die Fachleute.

Industrie bleibt Haupttriebkraft

Die Industrie habe im letzten Quartal 2017 ihre Rolle als wichtigste Triebkraft des Aufschwungs beibehalten. In ihrem Gefolge dürften die unternehmensnahen Dienstleistungsbranchen ihre dynamische Aufwärtsbewegung ebenfalls fortgesetzt haben, schreiben die Expertinnen und Experten. Das Baugewerbe, das sich schon seit einiger Zeit erheblichen Kapazitätsengpässen gegenübersehe, habe hingegen seine Produktion nicht weiter steigern können. 

Kräftiges Wachstum setzt sich fort

Nach Einschätzung der Bundesbank-Fachleute dürfte die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2018 an das hohe mittlere Expansionstempo des Vorjahres anknüpfen. Die Industrie bleibe angesichts der ausgezeichneten Auftragslage wohl der wesentliche Treiber des Aufschwungs. In ihrer jüngsten Prognose vom Dezember 2017 hatte die Bundesbank für 2018 einen kalenderbereinigten Anstieg des BIP um abermals 2,5 Prozent in Aussicht gestellt. Für 2019 erwartet sie, dass die deutsche Wirtschaft um 1,9 Prozent wachsen wird, für 2020 rechnet sie mit einem Anstieg um 1,5 Prozent.

Die weiterhin sehr hohe Auslastung der Sachanlagen im Verarbeitenden Gewerbe dürfte nach Einschätzung der Ökonominnen und Ökonomen zur Folge haben, dass sich die Bereitschaft der Unternehmen, in neue Anlagen zu investieren, weiter erhöht. "Allerdings mehren sich die Anzeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft zunehmend mit Kapazitätsengpässen konfrontiert ist, die einer deutlich stärkeren Expansion im Wege stehen könnten", warnen sie. So würden dem Ifo-Institut zufolge eine wachsende Zahl an Betrieben Produktionsbehinderungen aufgrund des Fachkräftemangels melden. Der Produktionsausweitung könnten daher von dieser Seite nach und nach Grenzen gesetzt werden.

Arbeitsmarktlage außerordentlich günstig

Der Arbeitsmarkt in Deutschland präsentierte sich nach Einschätzung der Bundesbank auch in den Herbstmonaten des Jahres 2017 in hervorragender Verfassung. Die Erwerbstätigkeit sei wie in den Vorquartalen kräftig gestiegen. Das Angebot offener Stellen nahm auch im vierten Quartal weiter zu. Die Aussichten für die nächsten Monate seien auch angesichts anderer Frühindikatoren günstig. Als schwieriger schätzen die Autorinnen und Autoren jedoch in der derzeitigen Situation hoher Arbeitsnachfrage die Stellenbesetzung ein.

Breit abgestützter Aufschwung im Euroraum

Ein weiterhin lebhaftes Wachstum beobachtet die Bundesbank auch im Euroraum. Der ersten Schätzung von Eurostat zufolge erhöhte sich das reale BIP im letzten Jahresviertel 2017 saisonbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im Jahresdurchschnitt 2017 dürfte das reale BIP um 2,5 Prozent zugelegt haben. Ausschlaggebend für das erhöhte konjunkturelle Tempo war laut Bundesbank vor allem das verbesserte außenwirtschaftliche Umfeld, das mit einem merklichen Aufschwung der Ausfuhren einherging. Die anhaltend guten Stimmungsindikatoren versprechen nach Einschätzung der Bundesbank-Fachleute eine Fortsetzung der breit abgestützten konjunkturellen Aufwärtsbewegung im Euroraum.

Die globale Konjunktur blieb zum Jahresende 2017 nach Einschätzung der Bundesbank ebenfalls lebhaft. Nach dem hohen Tempo des Sommerhalbjahres verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern im Schlussquartal nur wenig. Die Indikatoren legten nahe, dass die internationale Konjunktur auch mit Schwung in das neue Jahr gestartet sei, heißt es im Bericht.

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