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Frankfurt am Main | 08.03.2018

Dombret: Grüne Investments nicht regulatorisch begünstigen

Bundesbankvorstand Andreas Dombret hat sich gegen mögliche Sonderregelungen in der Bankenregulierung ausgesprochen, die sogenannte "grüne Finanzaktiva" fördern sollen. Aus der Sicht von Dombret ist es weder sinnvoll,  klimaschädliche Anlagen regulatorisch zu benachteiligen, noch grüne Finanzaktiva in den Bankbilanzen zu bevorzugen, etwa über weniger hohe Eigenkapitalanforderungen. "Nachhaltigkeit im Sinne der Umweltfreundlichkeit geht aber nicht automatisch mit verminderten Risiken einher", sagte Dombret vor Branchenvertretern beim Bundesbank-Symposium "Bankenaufsicht im Dialog" in Frankfurt am Main. 

Der stellvertretende EU-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis hatte im Dezember 2017 Vorschläge zur Förderung von grünen Investitionen vorgestellt. Der Vorstoß soll das Ziel der Europäischen Union unterstützen, den Treibhausausstoß bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Jüngst hat die EU-Kommission einen Aktionsplan zu diesem Thema veröffentlicht. Die Förderung des grünen Wandel dürfe nicht durch die Hintertür über Finanzmarktregulierung und Bankenaufsicht erfolgen, sagte Dombret dazu. Die Berechnung der Eigenkapitalanforderungen solle nur von einem Kriterium abhängen, nämlich vom Risikogehalt der entsprechenden Forderungen. Vorschläge für Sonderregelungen halte er für gefährlich, so Dombret.

Finanzmarktregulierung und Bankenaufsicht müssen sich Dombret zufolge auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und risikoorientiert bleiben. "Eine Verwässerung des aufsichtlichen Mandats würde zu Zielkonflikten und letztlich zu Risiken für die Finanzstabilität führen – das können wir nicht wirklich wollen", sagte er. Stattdessen sei es überlegenswert, für die Förderung grüner Wirtschaftszweige andere, klassische Instrumente zu nutzen, etwa steuerliche Anreize. "Dieser Ansatz ist effektiver und begrenzt unerwünschte Nebenwirkungen auf die Finanzstabilität", sagte Dombret. Dabei seien auch negative steuerliche Anreize für klimaschädliche Investitionen denkbar. 

Potenziell disruptive technische Fortschritte

Nach Auffassung des Bundesbank-Vorstandsmitglieds sind weitreichende Eingriffe in die bestehenden Wirtschaftssysteme notwendig, wenn die Weltgemeinschaft das ehrgeizige Ziel einer Zwei-Grad-Beschränkung konsequent verfolgen wolle. "Die Art, wie wir wirtschaften, und der Pfad, auf dem sich Wirtschaft und Gesellschaft weiterentwickeln, müssen sich verändern", betonte Dombret. Er verwies auf die Risiken für Banken und Sparkassen, etwa Schäden durch Naturkatastrophen für von ihnen finanzierte Vermögenswerte wie Immobilien, Produktionsanlagen oder Handelsgüter. Auch Übergangsrisiken auf dem Weg zu einer grüneren Wirtschaft seien nicht zu unterschätzen: Zur Realisierung seien potenziell disruptive technische Fortschritte und weitreichende klimapolitische Änderungen erforderlich, sagte Dombret. Zweifelsohne müssten Marktteilnehmer im Rahmen dieser Umwälzungen viele Vermögenswerte neu bewerten.

Deutsche Banken und Sparkassen seien durch ihre Kreditvergabe unmittelbar betroffen: So würden rund 60 Kreditinstitute mehr als 10 Prozent ihrer Millionenkredite an Energieversorger, Kohlebergbau-Konzerne oder solche Unternehmen vergeben, die im Bereich der Erdöl- und Erdgasgewinnung sowie der Verarbeitung von Kohle und Mineralölen tätig sind. Wie schwer dies wiege, sei heute noch kaum zu sagen: Denn noch herrsche große Unsicherheit, wie der grüne Wandel ausgestaltet werde. Es reichedeshalb nicht, das Thema "Greener Finance" nur durch die Brille der Corporate Social Responsibility zu betrachten. "Mögliche klimabezogene Risiken müssen im Rahmen des Risikomanagements berücksichtigt werden", sagte Dombret.

Der Übergang hin zu einer grüneren Wirtschaft würde aber auch beachtliche Chancen bieten, sagte Dombret.Im Rahmen der wirtschaftlichen Neuausrichtung würden sich neue Geschäftsfelder für Banken und Sparkassen eröffnen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf Schätzungen, wonach sich der globale Investitionsbedarf für die Erreichung der Klimaziele im zweistelligen Billionenbereich bewege. Allein für den europäischen Wirtschaftsraum rechne die EU-Kommission mit einem jährlichen Investitionsbedarf von 180 Milliarden Euro, um die Pariser Klimaziele bis 2030 umzusetzen. Auch das Interesse privater Investoren an Anlagen in grünen Vermögenswerten sei in den letzten Jahren stark gestiegen. Kreditinstitute müssten frühzeitig Expertise aufbauen, um nicht typischen Investitionsrisiken zum Opfer zu fallen.

Aufsicht und Zentralbanken sollen aus der Sicht von Dombret eine besondere Funktion als Vorbild und Katalysator anstreben. "Das heißt zum Beispiel, dass wir unseren Beitrag zu einem besseren Verständnis der Mechanismen hinter den Risiken leisten", sagte er und verwies auf das jüngst von einer Gruppe von Notenbanken und Bankaufsichtsbehörden zum Austausch gegründete "Network for Greening the Financial System".

"Eigenkapitalanforderungen sollten risikobasiert bleiben"

Ähnlich skeptisch wie Dombret zu möglichen Sonderregelungen für grüne Finanzaktiva äußerte sich der niederländische Notenbankpräsident Klaas Knot auf dem Symposium: "Eigenkapitalanforderungen sollten risikobasiert bleiben", sagte Knot. Grüne Wertanlagen könnten zwar durch solche Regelungen einen kurzfristigen Schub erhalten, doch damit würden auch die Risiken zunehmen. Klimaschädliche Investments seien derzeit zu attraktiv, weil ihre tatsächlichen Risiken nicht eingepreist würden. Für Banken sei entscheidend, dass die Gesetzgebung für den wirtschaftlichen Wandel klar und langfristig orientiert sei. Für viele Sektoren der Wirtschaft gebe es solche Regelungen aber noch nicht. Das erschwere es Kreditinstituten, ihre Geschäftsaktivitäten auf bestimmte Nachhaltigkeitsziele auszurichten. Aus der Sicht von Knot ist es deshalb ratsam, auf Szenarioanalysen und Stresstests zu setzen, um mögliche Verluste durch Gesetzesänderungen oder technologischen Wandel in bestimmten Geschäftsbereichen beziffern zu können. In jedem Fall müssten sich Banken und Aufsichtsbehörden mit Nachhaltigkeit und Klimathemen befassen, da diese die Solidität von Finanzakteuren beeinflussen könnten.

Bei einer Podiumsdiskussion sagte Eberhard Brandes vom WWF Deutschland, dass das Bankwesen in der Debatte um Nachhaltigkeit keine Vorreiterrolle spiele. Bei dem Thema sei noch eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Richard Böger von der Bank für Kirche und Caritas erklärte dagegen, dass die gesamte Aktivseite der Bilanz seines Institutes einem Nachhaltigkeitsscreening unterworfen werde. "Rendite ist dabei nicht alles, das sprengt natürlich das Denken traditioneller Banker", sagte Böger. Johannes-Jörg Riegler von der Bayerischen Landesbank gab zu Bedenken, dass junge, potenzielle Mitarbeiter Wert auf einen nachhaltig ausgerichteten Arbeitgeber legen würden. Unternehmen hätten hier die Chance, sich positiv herauszuheben. Günther Bräunig, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe, erklärte, dass Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda seiner Organisation stehe: "Jetzt müssen wir liefern", sagte Bräunig.

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Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank