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Basel | 25.06.2018

BIZ: Aufschwung eine nachhaltige Basis verleihen

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel [+] Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ruft in ihrem aktuellen Wirtschaftsbericht die politischen Entscheidungsträger dazu auf, dem gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwung eine nachhaltige Basis zu verleihen. Jetzt sei die Gelegenheit, um nötige Reformen durchzuführen und wirtschaftspolitische Maßnahmen neu auszurichten. "Wir müssen die Gunst der Stunde nutzen", betonte BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens bei der Vorstellung des jüngsten Wirtschaftsberichtes der auch als Zentralbank der Zentralbanken bekannten Institution.

Längster Aufschwung

2017 war für die Weltwirtschaft ein sehr erfolgreiches Jahr, heißt es im BIZ-Wirtschaftsbericht. Das Wirtschaftswachstum sei kräftig und die Inflation niedrig gewesen, was nach Einschätzung der Expertinnen und Experten ungewöhnlich in einer so späten Phase des Aufschwungs sei. Die globalen Wachstumsraten erreichten laut BIZ im großen Ganzen die langfristigen Durchschnittswerte, die vor der Großen Finanzkrise verzeichnet worden seien, und der Aufschwung verlief weltweit praktisch synchron. Dabei ging gemäß Bericht die Arbeitslosigkeit weiter zurück und war selbst in einigen der größten Volkswirtschaften teilweise so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Insgesamt näherten sich die Gesamtinflationsraten den Zielvorgaben der Zentralbanken an, heißt es im Bericht. Auch für die kommenden zwei Jahre rechnet die BIZ mit einem anhaltenden Wachstumstrend. Damit wäre der gegenwärtige Aufschwung einer der längsten der Nachkriegszeit, stellen die Autorinnen und Autoren fest.

Diese positive Entwicklung ist nach Einschätzung der BIZ zum großen Teil die Folge der außerordentlichen geldpolitischen Maßnahmen der letzten zehn Jahre. Die Ökonominnen und Ökonomen kritisieren in diesem Zusammenhang, dass es keine Unterstützung aus anderen Politikbereichen gegeben habe, um zur Erholung der Weltwirtschaft beizutragen. Die Maßnahmen der Zentralbanken hätten zwar den Grundstein für das wiedereinsetzende Wachstum gelegt. Sie waren allerdings auch ein Grund dafür, dass sich die privaten und öffentlichen Bilanzen weiter aufgebläht und die Schulden zugenommen hätten, so die Fachleute. "Jetzt, wo die Weltwirtschaft allmählich an die Grenzen ihres Potenzials stößt, oder sie sogar überschritten hat, ist es an der Zeit, die günstigen Bedingungen für einen ausgewogeneren Maßnahmen-Mix zu nutzen, um ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft zu ermöglichen", fordern sie.

Gefahr durch Protektionismus

In ihrem Bericht identifiziert die BIZ mehrere Risiken, die aus ihrer Sicht mittelfristig das Wachstum bedrohen könnten. Diese seien erheblich, auch wenn sich die Situation je nach Land unterschiedlich darstelle. So könnte nach Einschätzung der Fachleute eine Verschärfung protektionistischer Maßnahmen oder ein plötzlicher Anstieg der historisch niedrigen Renditen an den wichtigsten Staatsanleihemärkten einen neuerlichen Abschwung auslösen. Politische Unruhen oder enttäuschende Gewinnzahlen könnten die Risikobereitschaft der Anleger dämpfen und an den überbewerteten Finanzmärkten zu Turbulenzen führen, so die Fachleute.

Um diesen Risiken zu begegnen, müssten jetzt Maßnahmen in Angriff genommen werden. Der konkrete Maßnahmen-Mix werde je nach Land unterschiedlich ausfallen, doch insgesamt sei eine langfristige Perspektive wichtig, um für mehr Handlungsspielraum zu sorgen, schreibt die BIZ. Eine vorrangige Aufgabe sehen die Autorinnen und Autoren in der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen. Zudem fordern sie: "Die Zentralbanken müssen bei der geldpolitischen Normalisierung beharrlich auf Kurs bleiben und dabei mögliche Risiken im Auge behalten." Makroprudenzielle Instrumente, also Instrumente zur Überwachung der Stabilität des Finanzsystems als Ganzes, sollten gezielt gegen aufkommende Risiken eingesetzt werden. Weitere wichtige Voraussetzungen, um langfristig Wachstum zu ermöglichen, sind nach Ansicht der BIZ die Flexibilisierung der Arbeits- und Gütermärkte und die Umsetzung der nach der Krise beschlossenen Reformen zur Regulierung des Finanzsektors.

Banken: Sanierung noch nicht abgeschlossen

Im Wirtschaftsbericht untersuchen die Expertinnen und Experten auch die Verfassung der Finanzbranche. Ihrer Einschätzung nach haben die meisten Banken ihre Bilanzen gestärkt und sich an die jetzt finalisierten Basel-III-Regelungen angepasst. "Doch nicht überall wurden gleich große Fortschritte erzielt, und in einigen Ländern ist die Sanierung der Banken noch nicht abgeschlossen. Hier besteht noch Handlungsbedarf", warnt die BIZ. Zudem beschäftigt sich der Bericht mit der vermehrten Kreditvergabe durch Nichtbanken, beispielsweise Kapitalanlagegesellschaften. Als Folge davon seien Marktreaktionen möglich schwerer abzuschätzen.

Der Wirtschaftsbericht ist die wichtigste Analyse der BIZ zur Wirtschaftsentwicklung. Sie veröffentlicht ihn zusammen mit ihrem Geschäftsbericht. Beide Publikationen ersetzen erstmals den bisherigen BIZ-Jahresbericht.

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