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Frankfurt am Main | 24.07.2018

Mehr Eigenkapital und weniger Kredite – Unternehmen ändern ihre Finanzierungsstrukturen

In den vergangenen Jahren haben nichtfinanzielle Unternehmen gemessen an der Bilanzsumme Eigenkapital aufgebaut und weniger neue Schulden gegenüber Banken aufgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Zu den nichtfinanziellen Unternehmen zählen Unternehmen außer Banken, Versicherungen und sonstige Finanzinstitute. Die Bundesbank beurteilt diese Entwicklung positiv, da dadurch die Krisenresistenz der Unternehmen steige.

Für die Analyse der Finanzierungsstrukturen haben die Bundesbank-Fachleute Einzeldaten der Jahresabschlussstatistik der Bundesbank verwendet. Die Untersuchung umfasste eine breite Datenbasis von Unternehmen aus wichtigen Wirtschaftszweigen, wie dem verarbeitendem Gewerbe, dem Baugewerbe, dem Handel und dem Dienstleistungssektor. Bereits seit Ende der 1990er-Jahre sei die Eigenkapitalbasis zunehmend gestärkt worden. So sei die Eigenmittelquote von Ende der 1990er-Jahre bis Ende 2015 von durchschnittlich 20 Prozent auf 30 Prozent der Bilanzsumme gestiegen, heißt es in der Analyse. Besonders stark hätten kleine Unternehmen ihren Eigenkapitalbestand erhöht. Allein zwischen 2010 und 2015 wuchs deren Eigenkapitalbestand auf Basis des Medians um über 6,5 Prozentpunkte auf 28,3 Prozent. Etwas weniger stark war der Anstieg der Eigenkapitalquote bei den mittelgroßen und großen Unternehmen. "Die zu beobachtende Schere in den Eigenkapitalquoten zwischen kleinen und größeren Unternehmen ist mittlerweile weitgehend verschwunden", schreiben die Expertinnen und Experten im jüngsten Monatsbericht. Ihrer Ansicht nach hat sich durch den höheren Eigenkapitalbestand die finanzielle Widerstandsfähigkeit und die Risikotragfähigkeit der Unternehmen verbessert.

Verflechtungsverbindlichkeiten nehmen an Bedeutung zu

Einen weiteren Zuwachs in der Finanzierung habe es vor allem bei den sogenannten Verflechtungsverbindlichkeiten gegeben. Gemeint sind damit Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen, welche vor allem bei Großunternehmen existieren. Diese stellen nach dem Eigenkapital mittlerweile die zweitwichtigste Finanzierungsquelle der nichtfinanziellen Unternehmen in Deutschland dar. Alleine zwischen 2010 und 2015 seien die Verflechtungsverbindlichkeiten von 16,8 Prozent auf 19,8 Prozent der Bilanzsumme gestiegen. Als Gründe sehen die Bundesbank-Fachleute die steigende Bedeutung von konzerninternen Finanzierungsangeboten, die zunehmende Internationalisierung sowie den verstärkten Aufbau arbeitsteiliger Wertschöpfungsprozesse.

Rückläufige Bankverschuldung

Neben dem Anstieg der Eigenkapitalquoten und Verflechtungsverbindlichkeiten beobachten die Bundesbank-Experten einen Rückgang der Bankverschuldung im Untersuchungszeitraum. So sei die Verschuldungsquote gegenüber Banken im Median von 9,1 Prozent im Jahr 2010 auf 7,6 Prozent im Jahr 2015 zurückgegangen. Die kurzfristige Bankverschuldung sei im selben Zeitraum von 1,9 Prozent auf 1,6 Prozent der Bilanzsumme gefallen. Dennoch zeigten die Untersuchungsergebnisse, dass Bankkredite für viele Unternehmen weiterhin eine wichtige Rolle bei der Finanzierung spielen. Insbesondere die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen sei noch relativ stark bankbasiert, heißt es im Monatsbericht. Zudem sei zu beobachten, dass vor allem kleine und mittlere sowie konzernungebundene Unternehmen eine höhere eigene Liquiditätsvorsorge betreiben würden und vermehrt Barmittel hielten, was für mehr Sicherheit und Entscheidungsflexibilität im Liquiditätsmanagement sorgen würde.

Insgesamt höhere Krisenresistenz

Die Bundesbank beurteilt die geänderten Finanzierungsverhältnisse wie auch die vermehrte Liquiditätshaltung positiv. "Die Anpassungen in den Finanzierungsstrukturen wie auch der Liquiditätshaltung bringen erhebliche Vorteile für die finanzielle Bestandsfähigkeit der Unternehmen mit und dürften zu einer höheren Krisenresistenz des deutschen Unternehmenssektors beigetragen haben", so die Expertinnen und Experten.

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