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Freiburg im Breisgau | 03.09.2018

Silvana Tenreyro mit Carl-Menger-Preis ausgezeichnet

Silvana Tenreyro bei der Verleihung des Carl-Menger-Preises [+] Der Carl-Menger-Preis für Wirtschaftswissenschaften ist in diesem Jahr an die Ökonomin Silvana Tenreyro verliehen worden. Achim Wambach, Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik, überreichte ihr den mit 20.000 Euro dotierten Preis bei der Jahrestagung des Vereins in Freiburg. Tenreyro ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der London School of Economics and Political Science und gehört zu den bekanntesten und einflussreichsten in Europa lehrenden Makroökonominnen.

In seiner Laudatio hob Wambach ihre besondere Expertise auf den Gebieten „Internationale Ökonomie“ und „Monetäre Makroökonomie“ hervor. Ihre Arbeiten zur Theorie und Empirie optimaler Währungsräume sowie ihre ökonometrischen Arbeiten fänden weltweit große Beachtung, so Wambach. Besonders betonte er auch ihre Arbeiten zum Häusermarkt.

Umfassende und vielfältige akademische Erfahrung

Seit Juli 2017 ist Tenreyro außerdem Mitglied des Monetary Policy Committees der Bank of England, das die Geldpolitik der britischen Zentralbank festlegt. Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, unterstrich anlässlich ihrer Berufung ihre umfassende und vielfältige akademische Erfahrung mit Themen wie dem monetären Transmissionsmechanismus, Produktivitäts- und Lohndynamiken, dem Handel oder Fragen des Wohnimmobilienmarktes. Carney zufolge werde dies für den Ausschuss von unschätzbarem Wert sein, da er versuche, das Wohl der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs durch Wahrung der monetären Stabilität zu fördern.

Kritisch äußerte sich Tenreyro wiederholt zum Thema Brexit. Im Vorfeld des Referendums über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union unterzeichnete sie gemeinsam mit weiteren 279 Ökonominnen und Ökonomen einen offenen Brief. Darin bezeichnete sie den Brexit als „schweren Fehler“.

Die Preisträgerin hat an der Universidad Nacional de Tucumán in Argentinien und an der Harvard University in den USA studiert und dort bei Alberto Alesina, Robert Barro und Kenneth Rogoff promoviert. Sie hat vielfältige Aufgaben in der Wissenschaft und in der Politikberatung wahrgenommen. So war Tenreyro unter anderem Mitherausgeberin der führenden Fachzeitschrift Review of Economic Studies, Associate Editor des Journal of Monetary Economics, Mitglied des Vorstands der Royal Economic Society und Mitglied im Council der European Economic Association.

Gemeinsamer Preis stärkt Forschung

Der Carl-Menger-Preis wird seit 2014 gemeinsam von der Deutschen Bundesbank, der Österreichischen Nationalbank und der Schweizerischen Nationalbank verliehen. Er zeichnet hervorragende Forschungsleistungen auf den Gebieten der monetären und internationalen Makroökonomik oder der Finanzmarktstabilität aus. Mit dem Preis wollen die drei Zentralbanken die Forschung über Geld und Währung stärken. In Kooperation mit dem Verein für Socialpolitik wird er alle zwei Jahre an junge Forscherinnen und Forscher vergeben, die in Europa lehren. Mögliche Preisträger und Preisträgerinnen können unter anderem von den Forschungsabteilungen der drei Zentralbanken vorgeschlagen werden. Voraussetzung ist, dass sie oder er in Europa lehrt und zum Zeitpunkt der Verleihung das 45. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Eine direkte Bewerbung ist nicht möglich.

Die erste Preisträgerin war Hélène Rey von der London Business School im Jahr 2014. Zwei Jahre später erhielt Klaus Adam von der Universität Mannheim den Carl-Menger-Preis.

Zusatzinformationen

 

Zur Person: Carl Menger

Foto zeigt ein Portrait von Carl Menger, wikimedia.org (public domain)

Der Österreicher Carl Menger wurde 1840 geboren und gilt als geistiger Vater der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. In seinem 1871 erschienenen Werk "Grundsätze der Volkswirtschaftslehre" stellte er die These auf, dass der Wert eines Gutes durch die subjektive Wertschätzung seiner jeweils letzten Einheit (Grenzeinheit) bestimmt wird (Grenznutzenbetrachtung).

Auf seine Thesen bauten später andere Ökonomen wie Eugen von Böhm-Bawerk, Friedrich von Wieser, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek auf.