Skyline von Frankfurt am Main mit Altstadt

AFS-Jahresbericht: Deutsches Finanzsystem hat sich in der Krise bislang als stabil erwiesen

Das deutsche Finanzsystem hat sich während der Corona-Pandemie bislang als stabil erwiesen und seine Funktionen erfüllt. Das wird im achten Bericht zur Finanzstabilität deutlich, den der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) am 1. Juni veröffentlicht hat. Der AFS ist das zentrale Gremium der makroprudenziellen Überwachung in Deutschland. Er setzt sich aus hochrangigen Repräsentanten von Bundesfinanzministerium, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und Bundesbank zusammen. Die Bundesbank wird in diesem Gremium durch Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch, Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling und Benjamin Weigert, dem Leiter des Zentralbereichs Finanzstabilität, vertreten.

Das Finanzsystem sei bisher von größeren Verlusten abgeschirmt worden, sagte Buch bei der Vorstellung des Berichts. „Hierzu haben insbesondere die finanz- und geldpolitischen sowie aufsichtlichen Maßnahmen beigetragen“, so Buch. Sie betonte jedoch auch, dass es derzeit noch unsicher sei, ob durch die umfassenden Stabilisierungsmaßnahmen Verluste im deutschen Finanzsystem vermieden werden konnten oder diese lediglich aufgeschoben wurden.

Gefahr steigender Unternehmensinsolvenzen

Szenarioanalysen legten nahe, dass ein starker Anstieg der Insolvenzen im Unternehmenssektor und damit einhergehende Verluste und Wertberichtigungen für das deutsche Bankensystem verkraftbar sein dürften, heißt es in dem Bericht. Das liege auch daran, dass das Bankensystem widerstandsfähiger sei als vor der globalen Finanzkrise der Jahre 2007/2008. Es verfüge strukturell über mehr Eigenkapital und zusätzliche Kapitalpuffer. Die Bereitschaft der Banken, ihre makroprudenziellen Kapitalpuffer bei Bedarf zu nutzen, könne wesentlich dazu beitragen, die Kreditvergabe in einer Stressphase zu stabilisieren und damit die Finanzstabilität zu wahren. Zudem sei die Aufsicht verbessert worden und mit Banken in Schieflage könne zielgerichteter umgegangen werden.

Verwundbarkeiten bestehen fort

Mit Blick auf die gegenwärtige Risikolage weist der Bericht darauf hin, dass die bereits vor der Pandemie identifizierten Verwundbarkeiten im deutschen Finanzsystem fortbestünden. Das gelte zum Beispiel für die Risiken aus der Kreditvergabe am Wohnimmobilienmarkt. Die Preise am Wohnimmobilienmarkt stiegen unvermindert weiter. Neben der robusten Einkommensentwicklung im Haushaltssektor hatten die niedrigen Zinsen maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Dynamik am Wohnimmobilienmarkt im Berichtszeitraum fortgesetzt habe. Insgesamt gehe vom Wohnimmobilienmarkt derzeit aber keine akute Gefahr für die Finanzstabilität aus. Am Gewerbeimmobilienmarkt könne die Corona-Pandemie die Dynamik ändern, da sie sich die Segmente in unterschiedlicher Intensität erfasste. So fielen beispielsweise die Preise für Einzelhandelsobjekte.

Nach wie vor lägen die Faktoren vor, die zum Aufbau der Verwundbarkeiten beigetragen hätten. Aus Sicht von Vizepräsidentin Buch ist es auch deshalb wichtig, dass „die makroprudenzielle Politik rechtzeitig wieder vom Krisenmodus in den Präventionsmodus übergeht“

Aufgaben des AFS

Mit der Schaffung des AFS wurde eine zentrale Lehre aus der globalen Finanzkrise von 2007/08 gezogen: Die Stabilität einzelner Marktakteure gewährleistet nicht notwendigerweise die Stabilität des Finanzsystems; vielmehr können Gefahren für die Finanzstabilität nur erkannt werden, wenn das gesamte Finanzsystem in den Blick genommen wird. Deshalb überwacht der AFS seit seiner Einführung im Jahr 2013 die Risikolage im deutschen Finanzsystem. Zudem kann er bei Bedarf Warnungen und Empfehlungen aussprechen. Hiermit kann er auf Risiken aufmerksam machen oder beispielsweise den Einsatz von makroprudenziellen Instrumenten empfehlen. Mit der Veröffentlichung seines jährlichen Berichts informiert der AFS regelmäßig die politischen Entscheidungsträger über seine Tätigkeiten und Risiken für die Finanzstabilität in Deutschland.