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TARGET2/T2S-Konsolidierung

Die TARGET2/T2S-Konsolidierung ist neben TIPS und ECMS eines der drei Projekte, die das Eurosystem im Jahr 2017 zur Weiterentwicklung seiner Marktinfrastruktur auf den Weg gebracht hat. Ausgearbeitet wurden die Projektinitiativen unter dem Titel „Vision 2020“ mit der Motivation, die Marktinfrastruktur des Eurosystems weiter zu stärken, Potenziale zu heben und die Integration des europäischen Finanzmarkts weiter zu vertiefen.

Offiziell gestartet wurde das Projekt „TARGET2/T2S-Konsolidierung“ am 6. Dezember 2017 durch den EZB-Rat. Die Betriebsaufnahme war ursprünglich für November 2021 vorgesehen. Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie sowie der Verschiebung der SWIFT ISO 20022-Migration im Korrespondenzbankgeschäft hat der EZB-Rat jedoch im Juli 2020 beschlossen, dem Wunsch des Marktes nachzukommen und die Projektlaufzeit um 12 Monate zu verlängern. Die Betriebsaufnahme ist somit nun für November 2022 geplant. Mit der Entwicklung und dem späteren Betrieb der Plattform wurde das bereits bekannte Konsortium der so genannten 4ZB – Banca d’Italia, Banco de España, Banque de France und Deutsche Bundesbank – betraut. 

Ziel des Projekts ist, das Leistungsangebot des Eurosystems im Bereich des Individualzahlungsverkehrs und der Wertpapierabwicklung durch die noch stärkere Nutzung gemeinsamer Komponenten und die weitere Automatisierung von Prozessen zu verbessern und Synergien zu heben. Zudem stehen die Optimierung der IT-Sicherheit und der Cyber-Resilienz im Fokus. Beide Aspekte haben in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die gemeinsame Plattform wird – wie heute bereits T2S und TIPS – mehrwährungsfähig sein.

Kernelemente der TARGET2/T2S-Konsolidierung sind die Einführung eines zentralen Liquiditätsmanagements, die Trennung des klassischen Individualzahlungsverkehrs von den Zentralbankoperationen sowie die flächendeckende Einführung des ISO 20022-Standards. Während T2S und TIPS bereits heute ISO 20022-konforme Nachrichten nutzen, wird künftig auch sämtliche Kommunikation mit T2 – und somit auch die Bereiche des Individualzahlungsverkehrs, der Nebensystemverrechnung und der Abwicklung geldpolitischer Operationen – auf den ISO 20022-Standard umgestellt.

Unterstützt werden die TARGET-Services durch gemeinsam genutzte Komponenten. Dazu gehören unter anderem das einheitliche Zugangsportal ESMIG (Eurosystem Single Market Infrastructure Gateway) sowie ein gemeinsames Stammdatenmanagement.

Die TARGET2/T2S-Konsolidierung wird im November 2022 in Betrieb gehen. Die Migration erfolgt dabei als „Big Bang“ über alle heute an TARGET2 teilnehmenden Nutzergemeinschaften hinweg. Zuvor wird es umfangreiche Testaktivitäten geben. Zentraler Meilenstein ist hierbei der Beginn der Nutzertests im Dezember 2021. 

Mit Blick auf den deutschen Markt betrifft das Projekt rund 1.200 Institute. Die mit der Konsolidierung verbundenen Änderungen sind nicht zu unterschätzen. Sie umfassen u. a.

  • die flächendeckende Einführung ISO 20022-konformer Nachrichten anstelle der heute in TARGET2 verwendeten MT-Nachrichten;
  • die Etablierung einer netzwerkagnostischen Anbindung an die TARGET-Services über vom Eurosystem lizensierte Netzwerkdienstleister und die damit verbundene Änderung von Y-Shape auf V-Shape;
  • eine grundlegende Änderung der Kontenstruktur aufgrund der Trennung des klassischen Individualzahlungsverkehrs von den Zentralbankoperationen und der damit einhergehenden Aufspaltung von TARGET2 in das zentrale Liquiditätsmanagement und den RTGS-Abwicklungsservice.

Neben den Anpassungen zur Anbindung an die TARGET-Services wirkt sich die Konsolidierung zudem in erheblichem Maße auf interne Prozesse in den Instituten aus.

Die erfolgreiche Anpassung der Institute an die mit der Konsolidierung verbundenen Änderungen und somit die Sicherstellung der eigenen Migrationsbereitschaft sind Grundvoraussetzung, um auch weiterhin

  • am Individualzahlungsverkehr in Zentralbankgeld
  • sowie an der Abwicklung der geldpolitischen Geschäfte (Offenmarktgeschäfte und Ständige Fazilitäten) teilnehmen
  • und die Mindestreservepflicht erfüllen zu können.

Zudem ist eine erfolgreiche Migration Voraussetzung für die Teilnahme an der Nebensystemverrechnung und damit auch für die Abwicklung des Massenzahlungsverkehrs, sofern dafür ein an T2 angeschlossenes Nebensystem (z. B. der SEPA-Clearer) verwendet wird.

Um sicherzustellen, dass der deutsche Markt zum Migrationstermin für die Umstellung bereit ist, begleitet die Deutsche Bundesbank die Teilnehmer sehr eng im Rahmen des Community Readiness Monitorings. Dieses fußt auf den vom Eurosystem definierten und europaweit harmonisierten Meilensteinen.