TARGET2/T2S-Konsolidierung – Jetzt wird’s ernst

Unter diesem Motto veranstaltete die Bundesbank im Februar dieses Jahres drei inhaltsgleiche Auftaktveranstaltungen für die Projektverantwortlichen der deutschen Kreditinstitute in Vorbereitung auf die TARGET2/T2S-Konsolidierung im November 2021. Insgesamt sind rund 170 Institute unserer Einladung gefolgt. Diese erfreuliche Resonanz zeigt, dass sich bereits viele Kreditinstitute der umfassenden Auswirkungen der anstehenden Konsolidierung bewusst sind. Allerdings hätten wir uns gewünscht, alle 320 eingeladenen  Institute begrüßen zu dürfen.

Das Ziel der Veranstaltungen war, die Bedeutung der anstehenden Konsolidierung für jedes teilnehmende Kreditinstitut aufgrund der umfassenden Veränderungen in der Ausgestaltung und dem Zugang zum zukünftigen Leistungsangebot des Eurosystems zu verdeutlichen. Es ist essentiell, dass die Institute der Migrationsvorbereitung hohe Priorität einräumen und die notwendigen internen Anpassungen nicht unterschätzen. Das bedeutet insbesondere, dass die Projektverantwortlichen das Management in ihren Instituten miteinbeziehen, um das erforderliche Bewusstsein für die Bedeutung des Projekts zu schaffen und die drohenden Konsequenzen aufzeigen. Denn wenn ein Institut im November 2021 nicht migrationsbereit ist, verliert es den Zugang zur Zentralbankliquidität, d.h. es kann der Pflicht zur Haltung der Mindestreserve nicht mehr nachkommen und auch an den Offenmarktgeschäften nicht mehr teilnehmen. Darüber hinaus stehen auch der Zugang zum Individualzahlungsverkehr in Zentralbankgeld sowie die Teilnahme an der Nebensystemverrechnung – z.B. dem SEPA-Clearer – auf dem Spiel.

Ein wesentlicher Bestandteil der Begleitung der nationalen Nutzergemeinschaften in ihrer Vorbereitung auf die Big-Bang-Migration im November 2021 ist das Community Readiness Monitoring. Die Grundlage dafür bilden mittlerweile 22 europaweit harmonisierte Meilensteine. Ziel des Community Readiness Monitoring ist die Vorbereitung aller nationalen Nutzergemeinschaften auf eine reibungslose Migration durch frühzeitiges Erkennen von Schwierigkeiten. Nur wenn die Zentralbanken einen Einblick in den Vorbereitungsstand ihrer TARGET2-Teilnehmer haben, können sie diese zielgerichtet unterstützen. Dafür wird der Vorbereitungsstand der deutschen Nutzergemeinschaft auf Basis eines Self Assessments jedes einzelnen Instituts durch die Bundesbank erhoben und anschließend ausgewertet. Zudem werden die Ergebnisse für alle Märkte auf europäischer Ebene zusammengetragen und schließlich durch die EZB der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Von den rund 1.200 Kreditinstituten im Community Readiness Monitoring der Bundesbank streben derzeit rund 320 eine direkte technische Anbindung an die zukünftigen TARGET Services an. Die anderen etwa 880 Institute planen eine indirekte Teilnahme über das so genannte "Co-Management" überwiegend in Zusammenarbeit mit ihren Spitzeninstituten aus dem Sparkassen- und Genossenschaftsbereich. Bedingt durch diese hohe Anzahl der Institute im Co-Management fällt den Co-Managern aus dem Sparkassen- und Genossenschaftsbereich eine zentrale Rolle für den Vorbereitungsstand des deutschen Marktes zu. Aus diesem Grund hat die Bundesbank bereits im letzten Jahr ein Co-Manager Forum etabliert. Darüber sollen die Co-Manager durch regelmäßige Treffen und eine enge Zusammenarbeit bei ihren Vorbereitungsarbeiten auf eine erfolgreiche Migration ihrer über sie angeschlossenen Sparkassen und Genossenschaftsbanken dediziert begleitet und unterstützt werden. Das Co-Manager Forum ist somit eine maßgeschneiderte Ergänzung zu unserem seit langem bestehenden Arbeitskreis Zahlungs- und Verrechnungssysteme (AK ZVS), in dem wir uns mit der deutschen Nutzergemeinschaft regelmäßig zu wichtigen Fragen des Zahlungsverkehrs austauschen. Das TARGET2/T2S-Konsolidierungsprojekt nimmt hier natürlich seit längerer Zeit einen zentralen Stellenwert ein.

Für die etwa 320 Institute, die eine direkte Anbindung an die TARGET Services planen, mussten wir die für das erste Halbjahr avisierten Schulungsveranstaltungen zur zukünftigen Ausgestaltung der TARGET Services wegen Corona leider absagen. Die vorbereiteten Unterlagen werden wir zu gegebener Zeit auf unserer Website zur Verfügung stellen. Weitere Schulungsveranstaltungen zu spezifischen Themen sind nach wie vor für das zweite Halbjahr vorgesehen. Zudem wird es den Instituten möglich sein, in individuellen Gesprächen mit den zuständigen Kundenbetreuungsservices konkrete Fragen zu klären und Unsicherheiten zu beseitigen. Voraussetzung für den Erfolg dieser Angebote ist, dass sich die Institute bereits im Vorfeld intensiv mit ihrer derzeitigen Kontenstruktur und ihren Geschäften mit der Bundesbank auseinandersetzen sowie ein solides Verständnis des Leistungsangebots der TARGET2/T2S-Konsolidierung mitbringen. Nur so können Sie von den von uns angebotenen Unterstützungsmöglichkeiten bestmöglich profitieren.

Wir als Bundesbank stehen den Instituten während der gesamten Vorbereitungen auf dem Weg zur erfolgreichen Migration unterstützend zur Seite. Hierfür ist es jedoch erforderlich, dass etwaige Fragen und Schwierigkeiten frühzeitig an uns herangetragen werden.

Von links: Stefanie Stadtmüller, Melanie Gulden-Jesse, Katharina Tobiasch, Christine Moser, Ralf Schmidt