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Glanzstücke

Mehrere Münzen aus der numismatischen Sammlung

Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Schmuck und Schutz

Die 5 Guineas von Maria und Wilhelm

Die 5 Guineas von Maria und Wilhelm
Die 5 Guineas von Maria und Wilhelm

Die im Jahre 1663 eingeführten Guineas waren bis 1816 die Hauptgoldmünzen Englands. Entstanden sind sie in den Nachwehen des Englischen Bürgerkrieges (1642–1649). Während des Bürgerkrieges wurde England zu einem "freien Commonwealth" erklärt, doch währte die englische Republik keine 20 Jahre. Als 1660 mit Karl II. die Stuarts wieder auf den Thron zurückkehrten, stellten die Prägungen des Commonwealth einen Affront für die wiederhergestellte Monarchie dar. Sie wurden daher eingezogen und umgeprägt.

Die 5 Guineas von Maria und Wilhelm - Münzprägung
Die Münzprägung

Diese Gelegenheit nutzte Karl II., um die Münzprägung zu modernisieren. Im Mai 1661 ordnete er an, dass alle Münzen sobald wie möglich mit Maschinen hergestellt und mit einer Randgestaltung versehen werden sollen. Die maschinelle Prägung hatte bereits Königin Elisabeth I. hundert Jahre früher ohne Erfolg versucht einzuführen. Nun löste sie die Herstellung von Hand endgültig ab. Das Ergebnis waren gleichmäßig runde Münzen von deutlich besserer Prägequalität.

Die 5 Guineas von Maria und Wilhelm - Elefant, als Hinweis auf die Herkunft des Edelmetalls
Elefant, als Hinweis auf die Herkunft des Edelmetalls

Die neuen mit der Spindelpresse hergestellten Goldmünzen waren die Guineas. Ihren Namen erhielten sie von dem an der Westküste Afrikas gelegenen Guinea, dessen reiche Goldvorkommen die Afrikanische Gesellschaft nach England importierte. Bei vielen Ausgaben findet sich daher auf der Vorderseite ihr Zeichen, ein Elefant, als Hinweis auf die Herkunft des Edelmetalls.

Die Guineas waren eigentlich Goldmünzen im Wert von 20 Shillings, doch schwankte ihr tatsächlicher Wert stark. In der Regentschaft von Wilhelm und Maria stieg er sogar auf 30 Shillings. Im Jahre 1717 wurde der Wert der Guineas auf 21 Shillings festgelegt. Noch im 20. Jahrhundert wurde in Großbritannien mit einem Guinea eine Werteinheit von 21 Shillings (£ 1,05) bezeichnet und wurden Preise von Land, Pferden oder Kunstwerken oft in Guineas angegeben. Aber selbst nach Einführung des Dezimalsystems 1971 ist der Guinea nicht ganz verschwunden. Traditionell werden Rennpferde noch immer in Guineas bewertet. Bemerkenswert, denn die letzte Guinea-Münze wurde 1813 geschlagen. Die Ära der Guineas endete 1816, als England die Goldwährung einführte. Der Sovereign im Wert von 20 Shillings wurde die neue Goldkurantmünze.

Die Guinea-Prägung stellt einen wichtigen Abschnitt der englischen Münzgeschichte dar. Ein Detail, die Randgestaltung, verdeutlicht den Fortschritt. Jahrhundertelang bot der einfache, oft unregelmäßige Münzrand Betrügern die Möglichkeit, Edelmetall einfach abzuzweigen. Der einzige Schutz dagegen war, das Gewicht jeder Münze zu prüfen. Die einfache, aber technisch anspruchsvolle Lösung ist, den Rand der Münzen ebenfalls zu beprägen. Dank des technologischen Fortschritts, wurde dies damals möglich. Bei den großen fünffachen Guineas ist der Münzrand sogar mit einer Randschrift versehen.

Unser Glanzstück ist ein fünffacher Guinea, der in der Samtherrschaft von Wilhelm und Maria geprägt wurde. Maria war die protestantische Tochter von König Jakob II. Er hatte versucht, den Katholizismus wiederherzustellen, zu dem Jakob II. 1672 übergetreten war. 1688 riefen daher einflussreiche Mitglieder des Oberhauses Wilhelm Ill. von Oranien nach England, der mit Maria verheiratet war. Jakob II. blieb nur die Flucht nach Frankreich. Im Februar des darauffolgenden Jahres wurden Wilhelm III. und Maria gleichberechtigt auf den englischen Thron erhoben; sie regierten nur wenige Jahre gemeinsam, da die Königin bereits Anfang Januar 1695 starb.

Die 5 Guineas von Maria und Wilhelm - Profilbildnisse des Königs und der Königin
Profilbildnisse des Königs und der Königin

Deutlicher Ausdruck ihrer Samtherrschaft ist die Vorderseite unserer Münze. Dargestellt sind die hintereinander gestaffelten Profilbildnisse des Königs und der Königin. Der Kopf Wilhelms ist mit einem Lorbeerkranz geschmückt. Die lateinische Legende "GVLIELMVS ET MARIA DEI GRATlA MAG(nae) BR(itanniae) FR(anciae) ET HIB(erniae) REX ET REGINA" beginnt auf der Vorderseite und wird auf der Rückseite fortgesetzt. Sie bezeichnet Wilhelm und Maria als "von Gottes Gnaden König und Königin von Großbritannien, Frankreich und Irland". Abschließend wird das Prägejahr 1692 angegeben.

Die 5 Guineas von Maria und Wilhelm - Wappenschilde
Wappenschild

Auf der Rückseite ist ein klassischer Wappenschild abgebildet, der den Herrschaftsanspruch der Monarchen ausdrückt. Der gekrönte Schild enthält die Wappen von Frankreich, England, Schottland und Irland. Als Herzschild in der Mitte ist der nassauische Löwenschild aufgelegt. Es ist das Wappen des Hauses Nassau-Oranien, dem Wilhelm entstammte.

Die Randschrift unserer Münze lautet "DECVS ET TUTAMEN - ANNO REGNI QVARTO" (Schmuck und Schutz - im vierten Jahr der Herrschaft). Die der Aeneis Virgils entnommenen Worte "decvs et tutamen" nehmen direkten Bezug auf die Funktion der Randgestaltung.

Die Stempel für unser Glanzstück haben vermutlich die Brüder Jakob und Norbert aus der berühmten flämischen Münz- und Medailleurfamilie Roettiers geschnitten, die an der Münze London in mehreren Generationen tätig war.

Königreich England
Maria und Wilhelm (1689–1694)
5 Guineas, 1692

Münzstätte:London
Material: Gold
Gewicht: 41,67 g
Durchmesser: 37,5 mm

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