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Glanzstücke

Mehrere Münzen aus der numismatischen Sammlung

Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Im Zeichen der Lilie

Der Goldgulden von Florenz

Fiorino d'oro, Vorder- und Rückseite
Fiorino d'oro aus dem Jahre 1318/1319

Florenz gehörte zu dem Kreis selbständiger Stadtstaaten in Ober- und Mittelitalien, die durch ihre wirtschaftliche Bedeutung auch einen Machtfaktor im politischen Kräftespiel bildeten. Mit mehr als 60.000 Einwohnern war das mittelalterliche Florenz eines der größten Gemeinwesen in Europa. Die Basis für ihre wirtschaftliche Macht stellten neben der hochwertigen Tuchindustrie im zunehmenden Umfang der Geldhandel und das sich daraus entwickelnde Bankgeschäft dar.

Stadtansicht von Florenz (15. Jahrhundert)
Stadtansicht von Florenz (15. Jahr­hundert)

Das Geldsystem des Mittelalters erwies sich für die wirtschaftlich aufstrebenden Städte als hinderlich. Fast ein halbes Jahrtausend lang genügte das auf dem silbernen Denar (Pfennig) basierende Währungssystem den Ansprüchen von Wirtschaft und Handel im christlichen Europa. Dieses nahm mit seiner Silberwährung eine Sonderrolle ein, denn in den Geldsystemen der islamischen Staaten und des Byzantinischen Reiches waren Goldmünzen ein fixer Bestandteil. Sie waren in Europa nicht unbekannt, denn Goldmünzen der Mittelmeerländer kamen zum Beispiel als Geschenke aufgrund diplomatischer Beziehungen oder als Kriegsbeute ins Land. Der entscheidende Wandel in Europa geschah im 13. Jahrhundert, als Wert und Menge des umlaufenden Geldes zunahmen. Nachdem Florenz und Genua im Jahre 1252 begonnen hatten Goldmünzen zu prägen, begann sich Gold als zweites Währungsmetall neben dem Silber zu etablieren. Eine Goldmünze ersetzte nicht nur ein ganzes Pfund Pfennige (240 Ex.), sie zirkulierte auch großräumiger, praktisch europaweit. Dass die ersten Goldmünzen Anfang der 1250er Jahre geprägt wurden, hängt vermutlich auch mit dem Tod des Stauferkaisers Friedrich II. im Jahre 1250 zusammen. Die Goldprägung galt seit der Antike als kaiserliches Vorrecht, weshalb man es zu Lebzeiten des Kaisers nicht wagte, damit zu beginnen. Neben dem Wunsch nach einem hohen Nominal war auch die Möglichkeit, lukrative Geschäfte zu tätigen, ein Anreiz, Goldmünzen zu prägen. Im Handel mit Nordafrika konnte günstig afrikanisches Gold mit europäischem Silber erworben werden. Gold war in Europa mit 1:10 bis 1:12 gegenüber Silber erheblich besser bewertet als im Maghreb, wo der Kurs nur 1:6 bis 1:8 betrug.

Von den Goldmünzen erlangte die Florentiner Prägung, der Fiorino d'oro, der in Deutschland auch Floren genannt wurde, besondere Bedeutung. Dieser Goldgulden war eine Feingoldmünze im Gewicht von 3,53 g. Ein Floren entsprach dem Rechnungspfund (lira) zu 20 Schillingen (soldi) a 12 Pfennige (piccoli). Er fügte sich somit gut in das Rechnungaufs- und Gewichtssystem ein, was für ihre Aufnahme in den Zahlungsverkehr wesentlich war.

Auf der Vorderseite prägten die Florentiner eine Lilie mit drei Blütenblättern und zwei Staubgefäßen und die Legende "FLORENTIA", also das Wappen und den Namen der Stadt. Von diesem Münzbild der Lilie (lat. flos) leitet sich der deutsche Münzname Floren ab.

Die strahlende Sonne bezeichnet den Münzmeister Catellino Aldobrandi, der vom 1. November 1318 bis 30. April 1319 dem für die H
Die strahlende Sonnei, Detailausschnitt

Die Rückseite zeigt Johannes den Täufer, den Patron der Stadt. Der Heilige hält in seiner Linken ein Kreuzzepter, die Rechte ist segnend erhoben. Die lateinische Umschrift "S(anctus) IOHANNES B(abtista)" erläutert das Bild. Das Symbol links neben dem Kopf des Johannes ist das Zeichen des für die Ausprägung verantwortlichen Münzbeamten. Die strahlende Sonne bezeichnet den Münzmeister Catellino Aldobrandi, der vom 1. November 1318 bis 30. April 1319 dem für die Herstellung der Goldmünzen verantwortlichen Münzamt vorstand.

Florentiner Goldgulden wurden in größeren Mengen geschlagen – aus dem 14. Jahrhundert sind jährliche Auflagen von 350.000 – 400.000 Stück überliefert. Sie waren auch Vorbild für eine Reihe weiterer Goldmünzen, deren wichtigste der dem Floren wertgleiche Dukat von Venedig war. Im 14. Jahrhundert war es der Floren, der von Spanien über Frankreich, die Niederlande und Deutschland bis Ungarn von einer größeren Zahl von Münzherren nachgeprägt wurde und so eine der beliebtesten Handelsmünzen in Europa wurde. Im Alltag benutzte der "Mann auf der Straße" freilich die kleinen Silbermünzen, um seine täglichen Geschäfte abzuwickeln. Der Wert eines Goldguldens war dafür viel zu hoch. Er entsprach im 14. Jahrhundert etwa dem Monatslohn eines einfachen Arbeiters, eines Maurers oder eines Zimmermanns. Die Goldgulden waren das Zahlungsmittel der Wahl, um große Beträge zu begleichen.

Republik Florenz
Fiorino d'oro o.J. (1318/1319)

Münzstätte: Florenz
Münzmeister: Catellino Aldobrandi
Material: Gold
Gewicht: 3,49 g
Durchmesser: 19,9 mm

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