„Sicherheit und Gründlichkeit sind die obersten Leitlinien“ Interview erschienen in „immobilienmanager“

Das Gespräch mit Johannes Beermann führte André Eberhard.

Sie sind zuständig bei der Bundesbank unter anderem für den Bereich Bau. Was genau beinhaltet diese Aufgabe?

Diese Aufgabe beinhaltet einiges. Denn während die restlichen Bauvorhaben des Bundes weitgehend von der BIMA betreut werden, baut die Bundesbank selbst. Grund sind einfach die erhöhten Sicherheitsanforderungen, die unsere Bauten von traditionellen Bauten des öffentlichen Dienstes unterscheiden. Die Bundesbank baut bundesweit derzeit in etwa 160 Projekten unterschiedlicher Größenordnung. Das Projektportfolio beinhaltet umfangreiche Maßnahmen zur Revitalisierung einzelner technisch anspruchsvoller Dienstgebäude, aber auch Programme zur Implementierung bestimmter Infrastrukturkomponenten in allen Liegenschaften bis hin zu der Neugestaltung der Zentrale im Rahmen des Projekts Campus. Hinzu kommen besondere Aufgaben wie die Modernisierung von Rechenzentren, Schulungs- oder Konferenzeinrichtungen. Insgesamt zählt der Bereich Bau der Bundesbank rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Bestandssanierung ist eines der großen Themen der Immobilienbranche gerade vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele. Ganz pragmatisch gefragt: Wie kam es zur Entscheidung der Sanierung der Bundesbankzentrale?

Das Haupthaus der Bundesbank-Zentrale wurde 1972 fertiggestellt, es war also jetzt 50 Jahre lang ununterbrochen in Nutzung. Die Stahlbetonfertigteile und die Fensterelemente der Fassade des Hauptgebäudes müssen grundlegend erneuert werden. Auch die Heizungsanlage genügt nicht mehr den heutigen Ansprüchen an Energieeffizienz. Noch wichtiger: Das Haupthaus erfüllt in seinem jetzigen Zustand die heutigen Brandschutzerfordernisse nicht mehr. Hinzu kommt, dass die Ansprüche in Bezug auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung und IT-Sicherheit extrem gewachsen sind und komplett andere Anforderungen stellen als bei Inbetriebnahme des Haupthauses. Die Nord-Süd-Ausrichtung des Haupthauses führt zudem zu schwierigen klimatischen Bedingungen der Arbeitsplätze. Es war also klar, dass das Gebäude entweder kernsaniert oder rückgebaut werden musste. Nun hat dieses charakteristische Haupthaus der Bundesbank-Zentrale, das wie ein um 90 Grad zur Seite gekipptes Hochhaus anmutet, architekturgeschichtliche Bedeutung. Die Architektur des Bundesbank-Gebäudes steht in der Bautradition der Nachkriegsmoderne mit Anklängen an „béton brut“ und ist für viele ein wichtiger Bestandteil im Bild der Finanzmetropole Frankfurt. Deshalb entschloss sich der Vorstand Anfang 2016, das Haupthaus einer Kernsanierung zu unterziehen.

Und wie kam es zur Entscheidung bei den Erweiterungsbauten?

Nachdem klar war, dass wir kernsanieren wollen und dafür das gesamte Gelände räumen müssen, ergab sich daraus die Chance, eine Ein-Standort-Strategie umzusetzen, also alle Beschäftigten der Frankfurter Bundesbank-Zentrale auf dem Gelände zusammenzubringen und dafür zusätzliche Gebäude zu errichten. Bisher war knapp die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesbank-Zentrale in Frankfurt auf verschiedene Standorte in der Innenstadt verteilt.

Musste der Planungsprozess den aktuellen Gegebenheiten in Bezug auf ESG Entwicklungen abgepasst werden?  

Schon gleich nach dem Ende des Gestaltungswettbewerbs, als klar war, dass wir auf der Grundlage des städtebaulichen Konzepts von Ferdinand Heide Architekten bauen wollen, haben die RWTH Aachen und das Fraunhofer Institut im Auftrag der Bundesbank zwei Energiekonzepte erstellt. Wir haben uns also von Anfang an erfahrene Berater geholt. Deren Aufgabe war, auf der Grundlage des Konzepts von Ferdinand Heide sowie bestehender Verbrauchsdaten den Bedarf für Wärme, Kälte und Strom zu ermitteln und Szenarien für eine Energieversorgung mit modernster Technik zu erarbeiten. Nun steht fest, dass die Wärme- und Kälteversorgung auf dem Gesamtcampus klimaneutral wird, und zwar auf der Basis von Geothermie und Photovoltaik. Unsere Nachhaltigkeits- und Zertifizierungsstrategie wurde außerdem in engem Austausch mit dem Gestaltungsbeirat erstellt, in dem namhafte Fachleute für nachhaltiges Bauen sitzen.

Die Zertifizierungsstrategie des Projekts Campus sieht eine Gebäudezertifizierung Gold gemäß dem „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen“ (BNB) für Haupthaus und Büroneubauten vor, sowie eine campusübergreifende Quartierszertifizierung Platin gemäß der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ (DGNB). In beiden Fällen ist es die höchste erreichbare Zertifizierungsstufe.

Der Umbau ist nicht nur aufgrund seiner Größe eines der größten Sanierungsobjekte in Deutschland. Inwieweit unterscheidet die Sanierung der Bundesbank sich von der anderer Objekte vergleichbarer Größe?

Sicherheit und Gründlichkeit sind bei diesem Projekt die obersten Leitlinien der Bundesbank. Das Grundstück gehört uns. Wir kennen also den Nutzer und seinen Bedarf. Wir müssen nicht von einer Mietvertragsperiode zur nächsten planen. Bei uns geht es um Planungssicherheit und Prognosezuverlässigkeit. Ein Nutzungshorizont von 50 bis 70 Jahren erhöht auch die Anforderungen an die Bauqualität. Wir müssen damit aber in Hinsicht auf Bauqualität, Nachhaltigkeit und Digitalisierung neue Standards setzen.

Es soll im Multiprojekt „Campus Bundesbank“ übergreifend und beginnend bereits mit der Erfassung des Hauptgebäudes die Methode „Building Information Modelling“ (BIM) zum Einsatz kommen, was das Projekt von privatwirtschaftlichen und öffentlichen Vergleichsobjekten unterscheidet.

Und schließlich sorgt die Tatsache, dass sich auf dem Gelände mehr als die Hälfte der deutschen Goldreserven befindet, für sehr hohe Sicherheitsanforderungen.

Das hat natürlich Einfluss auf alle Phasen des Baus und stellt gerade auch die Digitalisierung und IT vor besondere Herausforderungen.

Welche Rolle spielen die aktuellen Entwicklungen beim Büroarbeitsplatz der Zukunft bei Ihnen?

Alle Unternehmen haben das Problem, dass künftige Raumkonzepte aktuell kaum antizipiert werden können. Keiner weiß so genau, wie sich die Bedeutung von Homeoffice oder die Flächenplanung bezüglich Abstandsregelungen oder Anforderungen an Gemeinschaftsflächen in den nächsten zehn Jahren entwickeln werden. Nur eine hohe Flexibilität des Innenraumausbaus ermöglicht es, Schlussfolgerungen aus der Corona-Pandemie in die Ausbauplanung einfließen zu lassen.

In welchen Bereichen spielt BIM bei der Sanierung der Bundesbankzentrale eine Rolle?

Wir wenden BIM an. Der neue Campus der Bundesbank wird nach seiner Fertigstellung durch die Bundesbank als Eigentümerin hinweg genutzt und betrieben. Im Sinne eines nachhaltigen Handelns wird die Methode BIM somit über den gesamten Lebenszyklus der Liegenschaft entwickelt und implementiert. Bereits die aktuelle Vorplanung der Sanierung des Haupthauses wird modellbasiert umgesetzt. Auf Grundlage der im Projekt Campus gewonnenen Erkenntnisse soll die Methode dann sukzessive in der Bundesbank implementiert werden.

Was sind die größten Herausforderungen?

Im öffentlichen Bereich sind wir auf openBIM festgelegt. Hier müssen wir noch Standards setzen. Das fängt jetzt mit der Aufnahme des Hauptgebäudes an und geht direkt bei den Ausschreibungsverfahren weiter. Für EU-Ausschreibungen gibt es ein formelles Gerüst, das aber nicht auf das heterogene Leistungsniveau des Marktes in Bezug auf BIM abgestimmt ist. Auch der interne Change Prozess ist eine Herausforderung. Sicherheit ist aber in jeder Hinsicht oberste Leitlinie.

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