Was bringt der digitale Euro? Interview mit Guter Rat

Das Gespräch mit Burkhard Balz führte Jörg Baumgarten

Was versteht man unter digitaler Euro? Was soll das sein?

Ein digitaler Euro könnte von der breiten Bevölkerung in ähnlicher Weise genutzt werden wie das Euro-Bargeld – nur eben in virtueller Form. Wie mit Bargeld könnte man mit ihm jederzeit bezahlen. Gespeichert werden könnte er dafür zum Beispiel in einem Wallet auf dem Smartphone. Neben Bargeld würde das Eurosystem – das heißt die Europäische Zentralbank gemeinsam mit der Bundesbank und den weiteren nationalen Zentralbanken des Euroraums – Privatpersonen somit eine zusätzliche Form von Zentralbankgeld zur Verfügung stellen. Der digitale Euro könnte schnell, einfach und sicher verwendet werden, zum Beispiel für das Bezahlen im Internet. Eine Entscheidung über die Einführung eines digitalen Euro wurde aber noch nicht getroffen. Im Oktober wird zunächst eine zweijährige Untersuchungsphase zum digitalen Euro starten.

Warum braucht man einen digitalen Euro überhaupt? Welchen Mehrwert würde das neue Geld gegenüber dem Euro bieten, wie wir ihn kennen?

Bürgerinnen und Bürger sollten auch in einer digitalen Welt weiterhin Zugang zu Zentralbankgeld haben. Derzeit ist es für sie ausschließlich in Form von Bargeld verfügbar. Mit einem digitalen Euro könnten Privatpersonen zum Beispiel ihre Zahlungen im zunehmenden Onlinehandel abwickeln, ohne ihre Daten mit dritten Anbietern zu teilen und ohne Abstriche bei Stabilität, Sicherheit und Vertrauen machen zu müssen.

Gibt es solche Pläne für digitales Geld auch in anderen Währungszonen?

Mit unseren Überlegungen im Eurosystem sind wir nicht allein. Derzeit beschäftigen sich weltweit rund 80 Zentralbanken intensiv mit digitalen Währungen.

Was ist der Unterschied zum elektronischen Giralgeld auf unseren Bankkonten?

Der digitale Euro wäre Zentralbankgeld und damit wie Bargeld absolut ausfallsicher. Guthaben auf Konten bei Geschäftsbanken, also Giralgeld, stellt hingegen eine Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kontoinhaber dar. Ob der digitale Euro – genau wie Bargeld – den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels erhalten kann und soll, wird derzeit übrigens noch untersucht.

Für den Laien ist es nicht ganz einfach, das Verhältnis von digitalem Euro und Bargeld zu verstehen. Wird es künftig kein Bargeld mehr geben?

Das Eurosystem hat deutlich gemacht, dass ein digitaler Euro, wenn er denn tatsächlich eingeführt wird, das Bargeld ergänzen, es aber keinesfalls ersetzen soll. Das Eurosystem wird weiterhin Bargeld zur Verfügung stellen. Die Bürgerinnen und Bürger haben die Freiheit zu entscheiden, wie sie zahlen möchten.

Worin besteht der Unterschied zu Kryptowährungen wie dem Bitcoin? Dabei handelt es sich schließlich auch um digitales Geld – oder?

Bitcoins und andere sogenannte „Krypto-Token“ sind keine Währung, sondern eher ein Spekulationsobjekt – noch dazu eines, das sehr stark im Wert schwankt und damit dem Risiko eines Totalverlusts ausgesetzt ist. Damit erfüllen Bitcoins nicht die Grundfunktion von Geld. Ein digitaler Euro wäre – wie Bargeld – Zentralbankgeld und genauso wertstabil und sicher, wie es der Euro heute ist.

Woher kommt das elektronische Geld überhaupt?

Ich gehe davon aus, dass Sie mit elektronischem Geld den digitalen Euro meinen. Für die Ausgabe eines digitalen Euro kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage, über die derzeit diskutiert wird. Wie ein digitaler Euro dann in der Praxis in Umlauf gebracht und zur Verfügung gestellt würde, ist derzeit aber noch offen.

Wird der digitale Euro aufgrund der Sicherheit, die er repräsentiert, einen anderen Wert haben als der Euro? Werden wir dann also zwei unterschiedliche Währungen haben?

Ein digitaler Euro hätte den gleichen Wert wie der herkömmliche Euro, sei es als Münze oder Geldschein. Es würde sich um die gleiche Währung handeln, nur in unterschiedlicher Form: einmal digital und einmal analog.

Oft wird von einer begrenzten Menge von etwa 3000 (digitalen) Euro gesprochen, über die private Haushalte verfügen können. Wozu diese Limitierung?

Für die Ausgestaltung eines digitalen Euro gibt es verschiedene Möglichkeiten, die in den kommenden zwei Jahren im Rahmen eines groß angelegten Projekts des Eurosystems untersucht werden. Ob, und wenn ja, in welcher Höhe, wir so eine Begrenzung je Haushalt einführen, ist noch nicht entschieden. Grundsätzlich sollte eine solche mögliche Obergrenze dafür sorgen, dass ein digitaler Euro nur als Zahlungsmittel und nicht für die Wertaufbewahrung genutzt wird. Denn andernfalls könnten in großem Stil Bankguthaben in digitale Euro umgeschichtet werden, was negative Auswirkungen auf die Stabilität des Finanzsystems haben könnte.

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