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Niedrige Zinsen belasten Banken und Sparkassen

Niedrige Zinsen belasten Banken und Sparkassen

25.09.2019

Die nied­ri­gen Zin­sen ma­chen den Ban­ken und Spar­kas­sen in Deutsch­land wei­ter­hin zu schaf­fen. „Die Aussicht auf ein anhaltend historisch niedriges Zinsniveau macht einen weiteren Rückgang der Rentabilität sehr wahrscheinlich“, teilten Bun­des­bank­vor­stand Joachim Wuermeling und BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler mit. Wuermeling und Röseler stellten die Ergebnisse des LSI-Stresstests vor, der unter den rund 1.400 kleinen und mittelgroßen Instituten, die direkt von Bundesbank und BaFin beaufsichtigt werden, durchgeführt wurde. Diese Institute umfassen 89 Prozent der deutschen Kreditinstitute und machen rund 38 Prozent der Bilanzsumme des deutschen Bankensystems aus.

Niedrigzinsen so nicht erwartet

In der Umfrage, die von April bis Juni 2019 durchgeführt wurde, haben Bundesbank und BaFin zum einen die institutseigenen Plan- und Prognosedaten erhoben. Zum anderen haben die Kreditinstitute für fünf von der Aufsicht vorgegebene Zinsszenarien Ergebnissimulationen für den Zeitraum von 2019 bis 2023 durchgeführt. Dabei durften die Institute keine Anpassung ihrer Portfolien vorsehen.

Auf Grundlage ihrer eigenen Planungen gaben die befragten Kreditinstitute an, dass sie in fünf Jahren mit einem um 23 Prozent gestiegenen Jahresüberschuss vor Steuern rechnen. Dies entspricht – weil gleichzeitig ein Anstieg der Bilanzsummen geplant wird - einem Zuwachs ihrer Gesamtkapitalrentabilität von 10 Prozent (2017: -16 %). Diese sehr positive Prognose kommt zustande, weil rund die Hälfte der Institute mit steigenden Zinsen kalkuliert hat. „Vor dem Hintergrund der zwischenzeitlichen Zinsentwicklung dürften sich diese Planungen als deutlich zu optimistisch erweisen“, so Wuermeling. Selbst die Planungen, die eine konstante Zinsentwicklung als Grundlage hatten, dürften sich nach den aktuellen Entwicklungen als zu optimistisch herausgestellt haben. Die Simulationen der fünf vorgegebenen Zinsszenarien zeigen, dass sich die Ertragskraft der Banken und Sparkassen in Deutschland deutlich verschlechtern würde, wenn das Niedrigzinsumfeld andauert oder sich verschärft. Grund für die sinkende Gesamtkapitalrentabilität wäre vor allem, dass die Institute die rückläufigen Marktzinsen nur teilweise auf die Einlagenzinsen umlegen würden. Bei Zinsanstiegen wäre zunächst mit Gewinnrückgängen insbesondere aufgrund von Kursverlusten von Wertpapieren zu rechnen. Mittel- bis langfristig würden sich die Gewinne aber wegen steigender Margen erholen.

Weitergabe von Niedrigzinsen an die Privatkunden

Grundsätzlich erkennen die Institute die Herausforderung durch das Niedrigzinsumfeld und ergreifen Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Rentabilität. „Banken ziehen in ihren Planrechnungen vermehrt auch eine mögliche Weitergabe negativer Zinsen an Kunden in Betracht, bislang trifft dies allerdings vor allem Geschäftskunden und vermögende Privatkunden“, sagte Wuermeling. Der Anteil der Banken der Sparkassen, die in ihren Planungen eine Weitegabe negativer Zinsen vorsehen, erhöhte sich entsprechend in den letzten zwei Jahren von 24 Prozent auf etwas über 40 Prozent.

Banken und Sparkassen weiterhin gut kapitalisiert

Um abzuschätzen, wie sich eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf die Kapitalausstattung der Institute auswirken könnte, hat die Aufsicht den Instituten mehrere Stressszenarien vorgegeben. Ziel der Aufsicht war es festzustellen, ob die Eigenmittelausstattung der Kreditinstitute über einen dreijährigen Zeitraum ausreichend ist. Im Aggregat verfügen kleine und mittelgroße Institute in Deutschland nach einem Kapitalrückgang von 3,5 Prozentpunkten über den dreijährigen Stresshorizont noch immer über eine harte Kernkapitalquote von 13% und damit über eine solide Kapitalbasis.

Keine deutliche Verschlechterung von Kreditvergabestandards im Firmenkundengeschäft

Ergänzend zu dem Stresstest wurden über 100 Banken und Sparkasse zu ihren Kreditvergabestandards im Firmenkundengeschäft (ausgenommen waren Gewerbeimmobilienfinanzierungen) befragt. Der Großteil der Teilnehmer sieht zwar eine Intensivierung des Wettbewerbs in diesem Segment für den abgefragten Zeitraum. Trotzdem zeigt sich keine einheitliche Entwicklung bei den Kreditvergabestandards. Während es in einigen Bereichen Lockerungen gibt, sind in anderen Bereichen gegensätzliche Entwicklungen erkennbar. Eine deutliche Verschlechterung konnte nicht nachgewiesen werden. Die Gefahr der weiteren Aufweichung von Kreditvergabestandards ist aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung trotz allem nicht gebannt. Die deutsche Aufsicht wird dies weiterhin genau beobachten.

Moderate Lockerung der Standards bei Wohnimmobilienfinanzierungen

Die Institute machten zudem Angaben zu Volumina, Kreditvergabestandards und Konditionen im Bereich der Wohn- und Gewerbeimmobilienfinanzierungen. Während sich die Zinskonditionen im Betrachtungszeitraum kaum veränderten, stieg das Kreditvolumen an. Bei Krediten für Wohnimmobilien sind die Vergabestandards in den vergangenen drei Jahren „schrittweise weniger konservativ geworden“, erklärten BaFin und Bundesbank. „Der Grad der Lockerungen ist aber aktuell unkritisch, sollten die Vergabestandards nicht weiter gelockert werden.“ Bei der Finanzierung von Gewerbeimmobilien sei keine eindeutige Verschlechterung der Kreditvergabestandards zu erkennen gewesen.

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