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Die geldpolitischen Instrumente des Eurosystems

Die geldpolitischen Instrumente des Eurosystems

Die geldpolitischen Instrumente des Eurosystems

Das Eurosystem greift nicht direkt in die Kreditpolitik der Banken ein. Es nimmt vielmehr indirekt Einfluss und nutzt dabei den Umstand, dass die Banken dauerhaft einen Bedarf an Zentralbankgeld haben. In normalen Zeiten beeinflusst das Eurosystem das Wirtschaftsgeschehen vor allem über die Veränderung der drei Zinssätze für Zentralbankgeld, die „Leitzinsen“. Im Einzelnen sind dies der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sowie die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität.

Das Eurosystem kann die Leitzinsen kurzfristig anheben oder senken und hierdurch die Marktzinsen beeinflussen. Im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise ist das Eurosystem dazu übergegangen, die Marktzinsen auch durch den Ankauf von Anleihen zu beeinflussen. Ein weiteres geldpolitisches Instrument ist die Mindestreserve.

Notenbankfähige Sicherheiten

Das Eurosystem gewährt einer Geschäftsbank nur dann einen Kredit, wenn diese ausreichend Sicherheiten als Pfand stellen kann.  Hierdurch soll das Eurosystem gegen Verluste aus seinen geldpolitischen Geschäften geschützt werden: Zahlt der Schuldner den Kredit nicht zurück, kann das Eurosystem durch den Verkauf der hinterlegten Pfänder einen möglichen Verlust ausgleichen. Das Eurosystem akzeptiert ein breites Spektrum von Sicherheiten. Dieser sogenannte Sicherheitenrahmen besteht aus am Markt handelbaren Sicherheiten, wie beispielsweise Anleihen bestimmter Bonitätsklassen, sowie aus nichtmarktfähigen Sicherheiten wie etwa Kreditforderungen. Das Eurosystem analysiert fortlaufend, welchen Wert die hinterlegten Sicherheiten haben. Ausschlaggebend ist dabei nicht der Nominalwert der Sicherheiten, sondern ihr Marktwert – abzüglich einer Sicherheitsmarge. Verliert eine Sicherheit während der Laufzeit des Kredits an Wert, muss der Schuldner zusätzliche Sicherheiten stellen.

Die nationalen Zentralbanken führen die Geldpolitik durch

Die geldpolitischen Entscheidungen werden im EZB-Rat getroffen, in dem die Mitglieder des EZB-Direktoriums sowie die Präsidenten bzw. Gouverneure der nationalen Zentralbanken Sitz und Stimmrecht haben. Die operative Durchführung der Geldpolitik liegt hingegen weitestgehend bei den nationalen Zentralbanken, in Deutschland also bei der Bundesbank. Bei ihnen unterhalten die Geschäftsbanken ihre Zentralbankkonten und die Mindestreserve. Die Offenmarktgeschäfte und das Management der Sicherheiten werden ebenso von den nationalen Zentralbanken durchgeführt wie die Geschäfte im Rahmen der ständigen Fazilitäten. Auf diese Weise können die operativen Erfahrungen der nationalen Zentralbanken sowie die bei ihnen bestehende technische und organisatorische Infrastruktur optimal genutzt werden. Lediglich in Ausnahmefällen darf die EZB Geldmarktgeschäfte mit ausgewählten Geschäftspartnern direkt abwickeln.

Der Geldmarkt

Auch wenn jede Geschäftsbank Zentralbankgeld benötigt, nehmen längst nicht alle Geschäftsbanken im Euroraum an den Refinanzierungsgeschäften der Zentralbank teil. Die meisten überlassen dies den größeren Instituten. Diese verleihen dann den anderen Banken einen Teil des ersteigerten Zentralbankgeldes weiter. Der Markt, auf dem Angebot und Nachfrage nach diesen Interbankenkrediten an Zentralbankgeld zusammentreffen, heißt Geldmarkt (kurz für „Markt für Zentralbankgeld“). Angebot und Nachfrage auf dem Geldmarkt sind eng mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr verknüpft: Geschäftsbanken, denen Zentralbankgeld abgeflossen ist, können ihren Zentralbankgeldbedarf über den Geldmarkt decken. Die Geschäfte am Geldmarkt werden über das Zahlungsverkehrssystem TARGET2 abgewickelt, das die Ausführung von Aufträgen binnen Sekunden ermöglicht. 

Am häufigsten wird am Geldmarkt „Tagesgeld“ gehandelt, d. h. Interbankenkredite mit einer Laufzeit über nur eine Nacht. Hintergrund ist, dass das Mindestreserveguthaben einer Bank an jedem Geschäftstag genau zu Geschäftsschluss aus der Höhe der Einlagen dieser Bank bei der Zentralbank berechnet wird. Die Einlagen bleiben dann über Nacht auf den Konten der Geschäftsbanken bei den Zentralbanken des Eurosystems liegen. Auf dem Geldmarkt werden aber neben „Tagesgeld“ auch Interbankenkredite mit Laufzeiten von einer Woche oder von einem oder mehreren Monaten gehandelt.

Bis zum Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 haben sich die Geschäftsbanken über den Geldmarkt meistens unbesicherte Kredite gewährt. Als plötzlich die Befürchtung aufkam, dass Banken über Nacht in Konkurs gehen könnten, versiegte dieser Kredithandel zeitweilig. Inzwischen ist der Geldmarkt differenziert: Als gesund geltende Banken können wieder unbesicherte Kredite erhalten, andere müssen bei ihrem Kreditgeber hochwertige Sicherheiten als Pfand hinterlegen.

 Das Eurosystem ist nach dem Ausbruch der Krise dazu übergegangen, dem Bankensystem über Refinanzierungsgeschäfte deutlich mehr Zentralbankgeld bereitzustellen als zuvor und dabei die entsprechenden Laufzeiten stark zu verlängern. Gleichzeitig werden seitdem auch Sicherheiten mit geringerer Güte als Pfand akzeptiert. Seit dem Beginn der großvolumigen Anleiheankäufe durch das Eurosystem herrscht am Euro-Geldmarkt ein Überfluss an Zentralbankgeld. Das Volumen der regulären Refinanzierungsgeschäfte hat deshalb abgenommen.

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