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Die Leistungsbilanz

Die Leistungsbilanz

Grafik: Leistungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland
Leistungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland

Die Leistungsbilanz als wesentlicher Teil der Zahlungsbilanz setzt sich aus dem Warenhandel (1.), den Dienstleistungen (2.), den Primäreinkommen (3.) sowie den Sekundäreinkommen (4.) zusammen.

Warenhandel

Der wichtigste Posten in der Leistungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland ist der Warenhandel. Er zeigt, dass Deutschland im Jahr 2016 Waren für 1.195 Milliarden Euro exportiert sowie für 923 Milliarden Euro importiert und somit einen Überschuss von 272 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Gemessen an den in Deutschland erzeugten Leistungen – dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), das 2016 rund 3,1 Billionen Euro betrug – machten der Export von Waren im Verhältnis zum BIP rund 38 % und der Import knapp 29 % aus. Ein Schwerpunkt des deutschen Warenhandels liegt im Euroraum, allerdings mit abnehmender Tendenz. So schlugen die Exporte in den Euroraum 2016 mit etwa 35 % aller deutschen Exporte zu Buche, nach gut 40 % im Jahre 2010. Bei den Importen betrug der entsprechende Anteil im Jahre 2016 rund 37 % und 2010 rund 38 %.

Für das Gesamtbild aller leistungsbezogenen Geschäfte mit dem Ausland ist jedoch der Warenaustausch allein nicht maßgeblich. Daneben sind die Dienstleistungen, die Primäreinkommen und die Sekundäreinkommen zu berücksichtigen. Sie werden oft auch als „unsichtbare Leistungstransaktionen“ bezeichnet.

Dienstleistungen

Dominiert wird der Saldo der Dienstleistungen von den vielen grenzüberschreitenden Reisen. Da viel weniger Ausländer Deutschland besuchen als Inländer das Ausland, übersteigen die Ausgaben die Einnahmen wesentlich. Daher weist der Saldo der deutschen Dienstleistungsbilanz regelmäßig ein Defizit auf. Im Jahr 2016 betrug dieses 22,4 Milliarden Euro.

Primäreinkommen

Die Teilbilanz der Primäreinkommen dokumentiert grenzüberschreitende Zahlungen aus Erwerbstätigkeit und Vermögensanlagen, u. a. Zins- und Dividendenzahlungen. Da die Deutschen aufgrund der langjährigen Außenhandelsüberschüsse Auslandsvermögen aufgebaut haben und daraus Einnahmen erzielen, weist diese Teilbilanz regelmäßig Überschüsse aus. Im Jahr 2016 betrug der Saldo rund 52,1 Milliarden Euro.

Sekundäreinkommen

Unter den Sekundäreinkommen werden – im Gegensatz zur  Vermögensänderungsbilanz (Posten II der Zahlungsbilanz) – regelmäßige Zahlungen verstanden, denen keine erkennbare Leistung der anderen Seite gegenübersteht. Beispiele hierfür sind die Überweisungen der in Deutschland beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer in ihre Heimatländer, Einkommens- und Vermögenssteuer, Sozialbeiträge und Sozialleistungen, aber auch Zahlungen des Staates an internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder Leistungen im Rahmen der deutschen Entwicklungshilfe. Bei den Sekundäreinkommen hat Deutschland traditionell ein umfangreiches Defizit. Es betrug im Jahr 2016  40,0 Milliarden Euro.

Entwicklung der deutschen Leistungsbilanz

Grafik: Deutsche Leistungs-und Handelsbilanz
Deutsche Leistungs-und Handelsbilanz

In den 1990er Jahren wies die deutsche Leistungsbilanz durchweg Defizite auf,  zu denen nach der Wiedervereinigung insbesondere der große Nachholbedarf an Waren und Dienstleistungen der neuen Bundesländer beitrug. Dies führte zu einem kräftigen Anstieg der Importe nach Deutschland. In jüngerer Vergangenheit kam es durch die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sowie einen Sparüberhang zu großen Überschüssen – was zum Teil heftige Kritik von Seiten des Auslands sowie internationaler Organisationen auslöste.

Bedeutung von Leistungsbilanzsalden

Ein Leistungsbilanzdefizit zeigt an,  dass das betreffende Land mehr verbraucht als produziert hat. Seine Importe übersteigen die Ausfuhren. Damit baut es Auslandsvermögen ab bzw. verschuldet sich im Ausland. Weist ein Land hingegen einen Leistungsbilanzüberschuss auf, so führt es mehr aus, als es selbst an fremden Waren und Dienstleistungen nachfragt. Dieses Land bildet damit Vermögen im Ausland.

Steht einem Leistungsbilanzdefizit eine Abnahme der Währungsreserven des Landes gegenüber, so wurde das Defizit von der Zentralbank durch Auflösung von Auslandsvermögen (Währungsreserven) finanziert. Wenn dagegen der Staat oder die Wirtschaft Kredite im Ausland aufnehmen, dann bezahlt dieser Kapitalimport das Leistungsbilanzdefizit. Ein Leistungsbilanzsaldo spiegelt sich daher immer in anderen Posten der Zahlungsbilanz wider, die Aufschluss darüber geben, auf welche Art und Weise Auslandsvermögen gebildet oder abgebaut wurde.

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