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Europäisches Währungssystem

Europäisches Währungssystem

Seit dem Ende des Festkurssystems von Bretton Woods gab und gibt es in Europa wieder ein Wechselkurssystem mit festen Leitkursen. Im Jahr 1979 schlossen sich die meisten Länder der Europäischen Gemeinschaft im Europäischen Währungssystem (EWS) zusammen. Sie vereinbarten damals untereinander gegenseitig feste Leitkurse mit engen Schwankungsbreiten nach oben und unten (in der Regel ± 2,25 %). Zu den wesentlichen Elementen des EWS zählte der Europäische Wechselkursmechanismus (WKM). Wenn der Wechselkurs an die festgelegte Bandbreite stieß, waren die Zentralbanken prinzipiell verpflichtet, durch An- oder Verkauf von Devisen unbegrenzt zu intervenieren, um den Wechselkurs innerhalb der festgelegten Bandbreite zu halten. Als Rechen- und Bezugsgröße diente der ECU (= European Currency Unit), dessen Wert sich aus nationalen Währungen der damaligen EG-Staaten ergab. Das Ziel des EWS war es, ein Währungssystem zu schaffen, das mit grundsätzlich festen, aber anpassungsfähigen Wechselkursen zu einer größeren inneren und äußeren Stabilität in den Mitgliedstaaten führt. Außerdem sollte durch die Minimierung der Wechselkursrisiken der Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr zwischen diesen Ländern gefördert werden.

Wechselkursmechanismus II (WKM II)

Anfang 1999 wurde das EWS in den Ländern des Euro-Währungsgebiets durch die Gemeinschaftswährung Euro abgelöst. Gleichzeitig wurde der Wechselkursmechanismus II (WKM II) eingeführt. Er bindet die Währungen von EU-Staaten außerhalb des Euroraums an den Euro. Der Euro gilt im WKM II als Leitwährung, an deren Kurs sich die anderen Währungen orientieren.

Die  Teilnahme am WKM II ist eine Voraussetzung für die Einführung des Euro. Gemäß dem Konvergenzkriterium der Wechselkursstabilität muss jedes EU-Land, das dem Euroraum beitreten will, zwei Jahre lang „spannungsfrei“ am WKM II teilgenommen haben. Der Wechselkurs der Währung dieses Landes darf also zwei Jahre lang eine festgelegte Schwankungsbreite gegenüber dem Euro nicht überschreiten. Das Land soll so unter Beweis stellen, dass die eigene Wirtschaft nicht auf gelegentliche Abwertungen angewiesen ist, um im Wettbewerb zu bestehen.

Grafik: Teilnahme der EU-Staaten am WKM II
Teilnahme der EU-Staaten am WKM II

Inzwischen haben bereits mehrere Länder den WKM II erfolgreich durchlaufen und sind in den Euroraum eingetreten. Das gilt für Griechenland, Slowenien, Malta, Zypern, die Slowakei, Estland, Lettland und zuletzt Litauen. Dänemark nimmt bereits seit 1999 am WKM II teil, kann aber aufgrund einer Sondervereinbarung selbst entscheiden, ob es bei Erfüllung der Konvergenzkriterien in den Euroraum eintritt. Dies ist zurzeit nicht geplant, da sich die Bevölkerung in Dänemark in einer Volksabstimmung mehrheitlich dagegen ausgesprochen hat.

Ebenfalls aufgrund einer Sondervereinbarung stand es Großbritannien frei, den Euro bei Erfüllung der Konvergenzkriterien einzuführen. Großbritannien hat aber stets darauf verzichtet, am WKM II teilzunehmen. Durch die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, kommt eine Einführung des Euro nicht mehr in Frage. Obwohl Schweden keine Sondervereinbarung ausgehandelt hat, ist es dem WKM II bisher bewusst nicht beigetreten und erfüllt damit noch nicht alle Konvergenzkriterien. Die Mehrheit der Bevölkerung in Schweden hatte sich 2003 gegen die Einführung des Euro ausgesprochen. Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Tschechien und Ungarn sind als EU-Mitglieder gehalten, den Euro als Währung einzuführen. Eine Voraussetzung dafür ist die Teilnahme am WKM II.

Interventionen zur Wechselkursstabilisierung im WKM II 

Um den Wechselkurs des Euro gegenüber den übrigen Teilnehmerwährungen am WKM II in den vorgesehenen Schwankungsbreiten zu halten, müssen die betroffenen nationalen Zentralbanken und gegebenenfalls die Europäische Zentralbank mehr oder weniger stark an den Devisenmärkten intervenieren. Wird eine Grenze der festgelegten Schwankungsbreite erreicht, sind grundsätzlich Devisenmarktinterventionen in unbegrenzter Höhe vorgesehen. Allerdings können sowohl die EZB als auch die nationalen Zentralbanken die Interventionen verweigern, wenn dies im Widerspruch zu ihrem Auftrag steht, die Preisstabilität zu sichern. Die Interventionen sollen außerdem nur als unterstützende Maßnahme zur Stabilisierung der Wechselkurse eingesetzt werden, denn sie können eine konvergenzorientierte Geld- und Finanzpolitik keinesfalls ersetzen. Zudem haben die EZB und die sonstigen am WKM II teilnehmenden Parteien das Recht, jederzeit eine Überprüfung der Leitkurse in Gang zu setzen. Leitkursanpassungen (Realignments) sind ausdrücklich erlaubt und wurden schon mehrfach vorgenommen.

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