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Preisstabilität

Preisstabilität

Beim vorrangigen Ziel des Eurosystems, Preisstabilität zu gewährleisten, geht es nicht um die Stabilität einzelner Preise. Denn in einer Marktwirtschaft sollen sich einzelne Preise ändern, um auf die Entwicklung von Angebot und Nachfrage am Markt reagieren zu können. Die Preissignale sind für Verbraucher und Produzenten wichtige Informationen, sie koordinieren ihr Verhalten und tragen dazu bei, Angebot und Nachfrage zum Ausgleich zu bringen.

Beim Ziel Preisstabilität steht vielmehr das Preisniveau im Mittelpunkt, d. h. der Durchschnitt aller Waren- und Dienstleistungspreise. Deshalb spricht man bisweilen auch von Preisniveaustabilität. Begriffe wie Inflation, Deflation, Inflationsrate, Preissteigerungsrate oder Teuerungsrate werden oft uneinheitlich und unpräzise verwendet. Was genau gemeint ist, ist aus dem Zusammenhang zu erschließen.

Ein Anstieg des Preisniveaus wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Inflation bezeichnet, den prozentualen Anstieg des Preisniveaus zwischen zwei Zeitpunkten nennt man Preissteigerungsrate, Teuerungsrate oder Inflationsrate. Wenn in der Zeitung steht, dass die Teuerungs- oder Inflationsrate im Juni 2016 0,2 % betragen habe, bedeutet dies, dass das Preisniveau im Juni 2016 um 0,2 % höher lag als im Juni 2015. Da der EZB-Rat von Preisstabilität spricht, wenn die jährliche Preissteigerungsrate „unter, aber nahe 2 %“ liegt, herrscht nach dieser Definition „Inflation“ im Sinne eines unerwünschten wirtschaftlichen Prozesses eigentlich erst dann, wenn die jährliche Preissteigerungsrate für einen längeren Zeitraum deutlich über 2 % liegt.

Einen Rückgang des Preisniveaus nennt man Deflation, den prozentualen Rückgang des Preisniveaus zwischen zwei Zeitpunkten bezeichnet man als Preissenkungs- oder Deflationsrate. Oft ist aber auch – eigentlich paradox – von einer „negativen Preissteigerungsrate“ oder einer „negativen Teuerungsrate“ die Rede. Im engeren Sinne herrscht Deflation nur dann, wenn das Preisniveau über einen längeren Zeitraum sinkt. 

Nimmt die Inflationsrate für einige Zeit kontinuierlich ab, bleibt aber positiv – zum Beispiel von 1,8 über 1,6 % auf 1,3 % – wird von sinkenden Inflationsraten, abnehmender Inflation oder „Disinflation“ gesprochen. Liegt die Teuerungsrate im Euroraum über längere Zeit näher bei 0% als bei dem Zielwert von knapp 2 %, ist bisweilen von „Lowflation“ die Rede.

Preisniveau und Kaufkraft

Steigt das Preisniveau, sinkt der Geldwert bzw. die Kaufkraft des Geldes, weil man für eine Geldeinheit weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor bekommt. Über einen längeren Zeitraum kann ein Kaufkraftverlust beträchtliche Ausmaße annehmen.

Grafik: Geldwertverlust bei Inflationsraten
Geldwertverlust bei Inflationsraten

Wie die Grafik zeigt, sind 100 Euro bei einer jährlichen Inflationsrate von 4 % in zehn Jahren real (das heißt in Gütereinheiten) nur noch so viel wert wie 66 Euro heute. Nach 50 Jahren erhält man nur noch Güter im heutigen Gegenwert von 13 Euro.

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