Inflation, jahrelange Nullzinsen und Ukraine-Krise: Welche Möglichkeiten hat die Geldpolitik? Lehrerfortbildung in Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern

Referent: Sven Lilienthal

In den 2010er-Jahren stellten niedrige Inflationsraten die EZB vor neue Herausforderungen. Die europäischen Währungshüter reagierten u.a. mit negativen Einlagezinsen (seit 2014) und breit angelegten Anleihekäufen („Quantitative Easing“, seit 2015). Zudem legten sie den Schlüsselzins zur Refinanzierung der Geschäftsbanken („Hauptrefinanzierungszins“) im März 2016 auf 0 Prozent fest. Mit diesen und weiteren Maßnahmen nahmen sie weitreichende Risiken und Nebenwirkungen in Kauf. 

Doch binnen kürzester Zeit wendete sich das Blatt und die Teuerungsraten im Euroraum schossen über die 2-Prozent-Marke hinaus bis hoch auf 7,5 Prozent im März 2022. Dies ist der höchste Wert seit Einführung des Euros im Jahr 1999 und manche Ökonomen befürchten bereits zweistellige Inflationsraten. Welche Möglichkeiten haben die EZB und die nationalen Notenbanken im Euroraum auf diese Auswüchse zu reagieren? Stehen wir möglicherweise vor einer Dekade der Stagflation (also hohen Inflationsraten bei niedrigem Wirtschaftswachstum)?