Auslandsvermögensstatus

Deutsches Auslandsvermögen
Das Netto-Auslandsvermögens steigt wieder: Mit einem kleinen Plus von 22 Mrd € konnte das Netto-Auslandsvermögen im 2. Quartal zwar zulegen, jedoch nicht den Corona-bedingten Einbruch des Vorquartals in Höhe von 76 Mrd € aufholen. Mit nunmehr 2,4 Billionen € oder 71,6 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bleiben die Werte zur Jahresmitte 2020 damit unter denen zum Jahresende 2019. Die Bewertungseffekte (einschließlich Finanzderivate) ergeben im laufenden Quartal ein Plus von 5 Mrd €, während im Vorquartal pandemiebedingte Bewertungsverlusten in Höhe von fast 100 Mrd € zu verbuchen waren. 

Die Brutto-Forderungen klettern erstmals über der Schwelle von 10 Billionen €. Ungeachtet der schwachen Netto-Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf sind die Bruttogrößen auf beiden Bilanzseiten des AVS erneut kräftig gewachsen. Im Ergebnis übersteigen die deutschen Brutto-Forderungen gegenüber dem Ausland erstmals 10 Billionen €; die Passiva liegen bei 7,6 Billionen €. Somit addieren sich die Auslandsforderungen und –verbindlichkeiten aktuell auf über das Fünffache des deutschen BIP. Diese Kennziffer, die auch herangezogen wird, um den finanziellen Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft zu beschreiben, nähert sich damit einem neuen Höchstwert.

Auffällige Entwicklungen, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen könnten, sind der erneute Anstieg des TARGET2-Saldos, die um einen dreistelligen Milliardenbetrag gewachsenen Einlagen Gebietsfremder bei deutschen MFIs sowie das ungewöhnlich hohe Interesse ausländischer Käufer an kurzfristigen Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand.

Der Auslandsvermögensstatus (AVS) stellt die zu Marktpreisen bewerteten finanziellen Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Inländern und Ausländern am jeweiligen Quartalsultimo dar. Damit gibt der AVS sowohl Auskunft über die Höhe und Struktur des Finanzvermögens, das Inländer im Ausland halten, als auch über das Finanzvermögen, das von Ausländern in Deutschland gehalten wird. Das Netto-Auslandsvermögen im Verhältnis zum BIP ist ein Hauptindikator im EU-Verfahren bei einem makroökonomischen Ungleichgewicht (Marcoeconomic Imbalance Procedure: MIP).