Auslandsvermögensstatus: Dreidimensionales Darstellungskonzept der Netto-Veränderung

Dreidimensionales Darstellungskonzept für die Veränderung des Netto-Auslandsvermögens

Im 2. Quartal 2020 ist das deutsche Netto-Auslandvermögen um 22 Milliarden gewachsen. Das dreidimensionale Darstellungskonzept analysiert die Veränderung des Netto-Auslandsvermögens aus unterschiedlichen Perspektiven.

Auffällig in der Entstehungsrechnung ist der geringe Beitrag der Leistungsbilanz, der unter anderem den Lock-down und seine Folgen für den Außenhandel widerspiegelt. So fällt der Leistungsbilanzsaldo ohne Vermögenseinkommen auf 21 Mrd , nachdem er im Vorquartal noch bei 37 Mrd gelegen hat. Aber auch die Vermögenseinkommen fallen mit 16 Mrd € vergleichsweise gering aus, da das Frühjahrsquartal von hohen Dividendenzahlungen ins Ausland geprägt ist. Die unterschiedlichen Bewertungseffekte (einschließlich Finanzderivate) ergeben im laufenden Quartal in der Summe ein Plus von 5 Mrd €, während im Vorquartal pandemiebedingte Bewertungsverlusten in Höhe von fast 100 Mrd € zu verbuchen waren. Einen positiven Beitrag leistet im Berichtsquartal dabei die kräftige Erholung der weltweiten Aktien- und Anleihemärkte, die auf beiden Bilanzseiten zu einer deutlichen Höherbewertung der Bestände führt. Dem stehen allerdings negative Wechselkurseffekte durch die Euro-Aufwertung sowie negative Effekte bei den Finanzderivaten gegenüber. Die Verwendungsrechnung zeigt wenig Bewegung zwischen den Funktionalkategorien. Den höchsten Zuwachs verbuchen die Währungsreserven mit 12 Mrd €. Hier spiegelt sich der höhere Goldpreis wider, der – in Euro gerechnet – allein gegenüber dem Vorquartalsende um 7,6% höher notiert. Bei den Wertpapieranlagen saldieren sich die durchaus hohen Bewegungen der Aktiva und der Passiva auf ein einstelliges Milliarden-Plus in Höhe von 8 Mrd €. Demgegenüber dokumentiert die Verteilungsrechnung erhebliche Verschiebungen zwischen den Sektoren. Die Auslandspositionen des Staates und der Monetären Finanzinstitute (MFIs) sinken um 95 und 49 Mrd . Beim Staat macht sich die Höherbewertung der öffentlichen Anleihen bemerkbar, aber auch das wiedererwachte Kaufinteresse ausländischer Anleger, die in Krisenzeiten verstärkt Bundespapiere als vergleichsweise sichere Investments kaufen. Mit starken Zuwächsen beenden die finanziellen Kapitalgesellschaften (ohne MFIs) und die Bundesbank das Quartal. Erstere profitieren von den Kursgewinnen bei Aktien und Anleihen. Bei der Bundesbank schlagen die höhere Goldbewertung und der um 60 Mrd höhere TARGET2-Saldo zu Buche.

Das dreidimensionale Darstellungskonzept analysiert die Veränderung des Netto-Auslandsvermögens aus unterschiedlichen Perspektiven: Die Entstehungsrechnung stellt den Zusammenhang zu den Transaktionen der Zahlungsbilanz her und ergänzt die Bewertungseffekte und andere Anpassungen. Die Verwendungsrechnung zeigt wie sich die Netto-Veränderung in den unterschiedlichen Anlagekategorien niederschlägt, und die Verteilungsrechnung betrachtet die involvierten inländischen Sektoren.