Pressekonferenz zum IWF mit Bundesbankpräsident Joachim Nagel ©Selin Jasmin / photobyselin

Joachim Nagel: „Deutschland macht sich fit für die Herausforderungen der Zukunft“

Bei einer Pressekonferenz am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Bangkok äußerte sich Bundesbankpräsident Joachim Nagel zu den wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands und Europas. 

Mit Blick auf die aktuellen Prognosen zeigte er sich zuversichtlich: Die Prognosen gehen nach oben. Und das ist natürlich eine gute Nachricht. Es geht voran. Nagel hob hervor, dass der IWF seine Wachstumsprognose für Deutschland für 2026 auf 1,3 Prozent heraufgesetzt hat.

Deutschland müsse diese positive Entwicklung nutzen und sich für künftige Herausforderungen gut aufstellen. Nagel sprach von einem Fitnessprogramm für die deutsche Wirtschaft. Dafür gelte es, die Reformagenda konsequent umzusetzen und fortzuführen. 

Mit Blick auf die Geldpolitik bekräftigte Nagel das Ziel, die Inflation mittelfristig wieder auf 2 Prozent zurückzuführen. Die Europäische Zentralbank habe zuletzt zweimal die Leitzinsen angehoben, weitere Zinsschritte seien denkbar: Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, schließe ich nicht aus, dass wir möglicherweise noch mal nachlegen müssen. Es habe sich aber bewährt, dass der EZB‑Rat sich nicht vorab festlege, sondern abhängig von der Datenlange von Sitzung zu Sitzung entscheide. 

Energieversorgung langfristig aufstellen

Nagel betonte, auch Künstliche Intelligenz werde die wirtschaftliche Entwicklung zunehmend prägen. Sie könne Produktivität und Wachstum fördern, zugleich aber den Energiebedarf deutlich erhöhen. Deshalb müsse Europa seine Energieversorgung langfristig sicher, bezahlbar und nachhaltig aufstellen. Mit Blick auf bestehende Abhängigkeiten sagte Nagel: Deswegen gilt es auch hier auf erneuerbare Energien zu setzen.“

Darüber hinaus müsse Europa seine Finanzmärkte stärker integrieren und die vorhandenen Wachstumschancen besser nutzen. Vor allem innovative Unternehmen benötigten einen leichteren Zugang zu Finanzierung und Risikokapital. Wir müssen Risikokapital nach Europa einladen. Eine Spar- und Investitionsunion ist dabei unerlässlich, so Nagel.