Überschussreserven und das zweistufige System für deren Verzinsung

Als Überschussreserven werden die Einlagen von Kreditinstituten auf Zahlungsverkehrskonten bei der Zentralbank bezeichnet, die über das Mindestreservesoll hinausgehen. Diese Einlagen werden mit 0,00 % oder mit dem Zinssatz der Einlagefazilität, sofern dieser negativ ist, verzinst. Nach der Anhebung des Zinssatzes der Einlagefazilität mit Wirkung vom 27. Juli 2022 werden sämtliche Überschussreserven mit 0,00 % verzinst.

Im Zuge der expansiven geldpolitischen Operationen des Eurosystems ist der aggregierte Bestand an Überschussreserven im Bankensektor stark angestiegen. Um die bankbasierte Transmission der Geldpolitik zu unterstützen und um sicherzustellen, dass die negativen Zinssätze weiterhin zum akkommodierenden geldpolitischen Kurs beitrugen, beschloss der EZB-Rat am 12. September 2019 ein zweistufiges System (two-tier system) für die Verzinsung von gehaltenen Überschussreserven. Dieser Beschluss trat mit Beginn der Erfüllungsperiode am 30. Oktober 2019 in Kraft. Somit wird ein bestimmter Teil der Überschussreserven für die geldpolitischen Geschäftspartner zu 0,00% anstatt zu einem negativen Zins verzinst, falls der Zinssatz der Einlagefazilität negativ sein sollte. Der Betrag, der zu einem günstigeren Zinssatz als die negativ verzinste Einlagefazilität verzinst wird, ist an die Höhe des Mindestreservesolls des einzelnen Geschäftspartners gekoppelt und ergibt sich als ein vom EZB-Rat bestimmtes Vielfaches dieses Mindestreservesolls. Ebenso legt der EZB-Rat den Zinssatz fest, der auf diesen Betrag Anwendung findet.

Guthaben in der Einlagefazilität werden unabhängig davon immer zum Zinssatz für die Einlagefazilität verzinst.