Frühling am Hamburger Hafen ©picture alliance/Westend61 | Kerstin Bittner

Deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs

Die deutsche Wirtschaft dürfte im dritten Quartal 2026 nur leicht wachsen, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Das reale Bruttoinlandsprodukt werde im laufenden Quartal saisonbereinigt nur leicht expandieren. In den beiden Vorquartalen war es noch deutlich gestiegen. 

Den eingeschlagenen Erholungskurs werde die deutsche Wirtschaft allerdings nicht grundsätzlich verlassen, schreiben die Autorinnen und Autoren. Denn die verlangsamte Erholung sei auf vorübergehende Faktoren zurückzuführen. Sobald sie sich auflösen, sollten Aufholeffekte einsetzen.

Niedrigwasser belastet Industrie

Verglichen mit dem Vormonat und Vorquartal sanken Produktion und Umsätze in der Industrie im Juli 2026 saisonbereinigt deutlich. Zum einen habe das Niedrigwasser am Rhein den Transport von Waren erschwert, und die Transportkosten seien kräftig gestiegen. Davon betroffen waren zum Beispiel die Chemiebranche, Metallerzeugung sowie die Kokerei und Mineralölverarbeitung. Auch die preisbereinigten Warenexporte seien im Juli merklich gesunken.

Zum anderen belastete eine mehrwöchige Produktionspause in einem Automobilwerk die Fertigung. Ab August dürfte sich die Produktion in der Automobilindustrie jedoch wieder normalisieren.

Die Auftragslage in der Industrie habe sich laut Bericht verbessert. Der Auftragseingang stieg im Juli erneut kräftig. Allerdings beruhte der Zuwachs vor allem auf Großaufträgen. Insgesamt zeige die Nachfrage nach wie vor eine aufwärtsgerichtete Grundtendenz. Damit bestehen die Voraussetzungen dafür, dass die Industrie zu ihrer zuletzt robusteren Konjunktur zurückfindet, sobald die belastenden Sondereffekte ausgelaufen sind, so der Bericht.

Bauwirtschaft erholt sich langsam

Die Bauproduktion ist dem Bericht zufolge zu Quartalsbeginn deutlich gestiegen. Im Juli habe die Produktion über alle Gewerbe hinweg zugenommen und damit wieder das durchschnittliche Niveau des zweiten Quartals erreicht. Der Auftragseingang habe sich günstig entwickelt, insbesondere im Tiefbau. 

Insgesamt gehen die Autorinnen und Autoren davon aus, dass sich die Erholung der Bauproduktion fortsetzen dürfte. So sei der Druck auf die Lieferketten in der Bauwirtschaft durch den Iran-Krieg und das Niedrigwasser wohl in den bisher verfügbaren Daten noch moderat. Der Tiefbau dürfte weiterhin von den Infrastrukturinvestitionen des Bundes profitieren. Im Hochbau und insbesondere im Wohnungsbau dürfte die Erholung aufgrund hoher Bauzinsen und steigender Baukosten dagegen nur langsam vorankommen.

Arbeitsmarkt zeigt erste Anzeichen für Stabilisierung

Die Zahl der Erwerbstätigen sank im Juli 2026 saisonbereinigt um 14.000 auf 45,66 Millionen. Der Rückgang betraf vor allem geringfügig Beschäftigte und Selbstständige. Gleichwohl setzte sich der Abbau von Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel fort. Neue Arbeitskräfte seien laut Bericht vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen gefragt.

Frühindikatoren für die Beschäftigung deuten darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten stabilisieren könnte. So sei das ifo Beschäftigungsbarometer im August erheblich gestiegen. Das Barometer bildet die Personalplanung der gewerblichen Wirtschaft für die nächsten drei Jahre ab. Auch bei der Bundesagentur für Arbeit gingen mehr neue Stellenangebote für sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ein – so viele wie seit Anfang 2024 nicht mehr.

Die Arbeitslosigkeit blieb weiter erhöht. Im August waren saisonbereinigt 2,996 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 6,4 Prozent.

Energiepreise treiben Inflation

Die Preise für Energierohstoffe stiegen im August und September wieder deutlich an. Grund dafür war laut Bericht vor allem die erneute Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, nachdem das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran gescheitert war. In der Folge verteuerten sich insbesondere die Ausfuhren von Erdgas und Mineralölprodukten. Auch die Großhandelspreise für Strom, Diesel und Benzin legten deutlich zu. Zusammengenommen liegen die europäischen Energierohstoffnotierungen damit inzwischen auf dem höchsten Stand seit Beginn des Iran-Konflikts, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Die höheren Energiepreise schlugen laut Monatsbericht bereits auf die Verbraucherpreise durch. Die Inflationsrate gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex stieg im August auf 2,9 Prozent, von 2,8 Prozent im Juli. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel lag weiterhin bei 2,6 Prozent.

Den Fachleuten zufolge dürfte die Inflationsrate vorerst erhöht bleiben: So deuten die aktuellen Terminnotierungen darauf hin, dass sich der gegenwärtig außergewöhnlich hohe Abstand zwischen den Preisen für Rohöl und für raffinierte Produkte, wie Benzin und Diesel, nur sehr langsam verringern sollte. Außerdem könnte die geplante Gesundheitsreform die Inflationsrate Anfang 2027 vorübergehend erhöhen. Länger anhaltend hohe Preise nicht nur für Rohöl, sondern auch für Gas und Strom könnten direkte und indirekte Effekte verstärken und die Rückkehr der Inflationsrate zu 2 Prozent verzögern, heißt es im Bericht.