Bundesbank-Vorständin Fritzi Köhler-Geib beim Kamingesprächs mit der Vizepräsidentin der Banca d’Italia Chiara Scotti in der Villa Vigoni im italienischen Menaggio ©Noah Goncalves

KI-Trading in Finanzmärkten – Podiumsdiskussion mit Itay Goldstein und Fritzi Köhler-Geib

Im Rahmen der „Bundesbank Invited Speaker Series“ diskutierten Bundesbankvorständin Fritzi Köhler-Geib und der Ökonomieprofessor Itay Goldstein über die Chancen und Risiken von KI-gestütztem Trading. Falko Fecht, Leiter des Forschungszentrums der Bundesbank, moderierte die Veranstaltung.

Risiken der Autonomie von KI-Systemen

In seinem Einführungsvortrag betonte Itay Goldstein die transformative Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Finanzmärkten. KI‑Agenten, die auf sogenanntem Reinforcement Learning basieren, lernen aus Erfahrungen und passen ihre Trading-Strategien dynamisch an. Diese Autonomie birgt jedoch Risiken: KI‑Systeme könnten unvorhersehbare Strategien entwickeln, die zu Marktmanipulationen, Preisblasen oder sogar Finanzkrisen führen. Besonders problematisch sei, dass die Interaktionen zwischen KI‑Agenten oft nicht direkt beobachtbar sind, was die Regulierung erschwere.

Kollusives Verhalten im Fokus

Goldstein präsentierte seine Forschungsergebnisse, die zeigen, dass KI‑Agenten kollusives Verhalten beim Trading entwickeln können, um ihre Gewinne zu maximieren. Kollusives Verhalten bezeichnet dabei ein Verhalten, bei dem zum Beispiel Unternehmen heimlich zusammenarbeiten, um den Wettbewerb zu beschränken oder zu verzerren. KI‑Agenten könnten Informationen zurückhalten oder Preise manipulieren, was die Marktliquidität und Preisfindung beeinträchtigt. Zudem könnten KI‑Agenten durch ihre Fähigkeit zur Planung gezielt Preisblasen erzeugen und ausnutzen.

Ein Vergleich zwischen KI und menschlichen Händlern zeige laut Goldstein, dass KI‑Systeme zwar durch ihre Rechenleistung oft überlegen sind, menschliche Akteure jedoch neue Informationen und Intuition in den Markt einbringen. Die Interaktion zwischen beiden Gruppen ist ein zentrales Forschungsfeld von Goldstein, da sie die Stabilität der Märkte maßgeblich beeinflusst.

Podiumsdiskussion mit Vorständin Köhler-Geib 

In der anschließenden Diskussion mit Bundesbankvorständin Fritzi Köhler-Geib und Moderator Falko Fecht wurden die Chancen und Risiken von KI-gestütztem Trading sowie die Rolle der Zentralbanken vertieft. Köhler-Geib betonte, dass KI zwar die Effizienz und Diversifikation von Portfolios steigern könne, aber auch Risiken berge. Sie unterstrich die Bedeutung eines tiefen Verständnisses der Funktionsweise von KI‑Systemen, um die Finanzstabilität zu sichern.

Goldstein schlug vor, dass Regulierungsbehörden selbst KI‑Agenten einsetzen könnten, um schädliches Verhalten zu erkennen. Köhler-Geib verwies auf die Zusammenarbeit der Bundesbank mit Institutionen wie der Bank of England und dem BIS Innovation Hub im „Logos“-Projekt, das die Auswirkungen von KI auf die Finanzmärkte simuliert. Zentralbanken sollten laut Köhler-Geib aktiv bleiben und moderne Technologien nutzen, um ihre Rolle als Hüter der Finanzstabilität auch in einer zunehmend KI-geprägten Welt zu erfüllen.

Im Rahmen der Reihe „Bundesbank Invited Speaker Series“ diskutieren Vorstände der Bundesbank regelmäßig mit führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über aktuelle Themen aus den Bereichen Forschung und Zentralbankwesen. Zuletzt sprach Bundesbankvorständin Köhler-Geib mit dem Ökonomieprofessor Darrel Duffie über das Zahlungssystem und die Bilanz der Fed.