Regulatorische Fachtagung mit Lutz Lienenkämper ©Andreas Reeg Photography

Wertpapierinstitute als Baustein der Spar- und Investitionsunion

Ein leistungsfähiges Finanzsystem braucht unterschiedliche Anbieter und Geschäftsmodelle, sagte Bundesbankvorstand Lutz Lienenkämper auf der 3. Fachtagung zur Regulierung von Wertpapierinstituten in der Kapitalmarktunion in Frankfurt. Es sei eine Stärke des deutschen Standorts, dass seine fast 700 Wertpapierinstitute sehr heterogen sind. Sie werden eine wesentliche Rolle in der Spar- und Investitionsunion spielen, indem sie etwa Anleger beraten, Vermögen verwalten und für liquide Wertpapiermärkte sorgen. 

Auf der diesjährigen Fachtagung sprachen Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Aufsicht unter anderem über das Risikomanagement von Wertpapierinstituten sowie ESG und Kryptowert-Dienstleistungen im Aufsichtsrecht. Dabei wurden die Themen sowohl aus deutscher als auch aus europäischer Perspektive beleuchtet.

Gemeinsame europäische Regeln und Praxis

Lienenkämper betonte, wie wichtig ein enger Austausch zwischen nationalen und europäischen Aufsichtsbehörden ist: Ein Institut, das grenzüberschreitend tätig wird, erlebt Europa zuerst im Kontakt mit Behörden. Es muss sich darauf verlassen können, dass gleiche Sachverhalte überall nach gleichen Maßstäben beurteilt werden. Neben einheitlichen Regeln brauche es vor allem auch eine gemeinsame Aufsichtspraxis und die entsteht im direkten Austausch, so der Bundesbankvorstand. Hier setze das Paket zur Marktintegration und Aufsicht der Europäischen Kommission an. Der Maßstab für seinen Erfolg sei einfach: Der Marktzugang für Institute und Anleger müsse im Alltag tatsächlich leichter werden, betonte er. 

Lienenkämper: Kapitalmarktzugang und Anlegerschutz gehören zusammen

Mehr Menschen werden den Kapitalmarkt nur nutzen, wenn sie ihm vertrauen, sagte Lienenkämper und sprach sich für einen besseren Anlegerschutz aus. Zudem sei eine bessere Finanzkompetenz der Bevölkerung notwendig: Bessere Anlagemöglichkeiten entfalten ihren Nutzen erst, wenn Menschen die Chancen, Risiken und Kosten einschätzen können. 

Die Bundesbank bringt sich mit ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich finanzielle Bildung unter anderem in die neue Finanzbildungsstrategie des Bundes ein. Lienenkämper betonte, dass ihm das Thema auch persönlich am Herzen liegt, denn finanzielle Bildung hilft Menschen, Anlage- und Vorsorgeentscheidungen selbstbestimmt zu treffen. Sie stärkt ihre Unabhängigkeit und ihre Teilhabe.

Kulturwandel im Risikomanagement

In seiner Rede begrüßte Lienenkämper die neuen Anforderungen beim Risikomanagement, insbesondere für Wertpapierinstitute, die ab 1. Januar 2027 gelten. Der Grundgedanke ist richtig: Ein Wertpapierinstitut ist keine kleine Bank. Es braucht einen Rahmen, der seinem eigenen Geschäft gerecht wird – nicht die verkleinerte Fassung eines fremden. Zuvor wurden die Regeln für Banken auf Wertpapierinstitute sinngemäß angewandt. Zugleich bleibe der Rahmen mit dem Regelwerk für Banken abgestimmt.

Die neuen Regeln sind stärker an Prinzipien orientiert. Dem Bundesbankvorstand zufolge kommt es jetzt auf eine einheitliche Aufsichtspraxis an. Hierfür werde die Bundesbank ihre Erkenntnisse aus der laufenden Aufsicht einbringen. Ziel sind nachvollziehbare Maßstäbe und ein verlässlicher Dialog mit den Instituten, so Lienenkämper. Prinzipienorientierung erfordere auf beiden Seiten Urteilsvermögen: Institute müssen begründen können, warum ihre Lösung angemessen ist. Die Aufsicht muss angemessene Lösungen anerkennen, auch wenn sie nicht überall gleich aussehen.

Austausch über Praxis und Trends

Vertreterinnen und Vertreter von Aufsichtsbehörden teilten Erfahrungen aus der Praxis. Sie sprachen unter anderem über die Herausforderungen bei der Aufsicht von Wertpapierinstituten in Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Im Fokus stand auch die Frage, was es aus europäischer Perspektive für eine effektive und proportionale Aufsicht braucht.

Ein Panel beschäftigte sich mit den neuen Anforderungen des Risikomanagements. Die Teilnehmenden beleuchteten dabei, welche Verbesserungen und Herausforderungen sich daraus für kleine und mittlere Institute ergeben könnten. 

Zudem beleuchteten die Teilnehmenden aus Sicht von Aufsicht und Unternehmen, welche Fragen sich bei der Verwahrung von Kryptowerte-Dienstleistungen durch Wertpapierinstitute stellen. 

Die Hochschule der Bundesbank und die Universität Basel haben bereits zum dritten Mal zur Fachtagung eingeladen. Sie bietet Expertinnen und Experten eine Plattform zum Austausch über aktuelle Aufsichtstrends zu Wertpapierinstituten.