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Bundesbank-Monatsbericht: Bürokratiekosten in Deutschland messbar gestiegen

Die Bürokratiekosten für Unternehmen in Deutschland sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Eine neue Analyse der Bundesbank beziffert den Anstieg der Bürokratiekosten. Sie stiegen zwischen 2022 und 2024 von durchschnittlich 5 Prozent auf rund 7 Prozent des Jahresumsatzes, heißt es im aktuellen Bundesbank-Monatsbericht. Dies entspricht einer Zunahme um fast die Hälfte. Besonders hoch ist die Belastung im Verhältnis zum Umsatz bei kleinen Unternehmen, wo knappe Arbeitszeit für Bürokratie von produktiven Tätigkeiten abgezogen wird.

Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage im Rahmen der Bundesbank-Unternehmensstudie (Bundesbank Online Panel – Firmen, BOP-F), bei der rund 7.000 Unternehmen befragt wurden. Hochgerechnet von neuen ökonometrischen Schätzergebnissen könnte die gestiegene Bürokratie das gesamtwirtschaftliche Produktivitätswachstum in Deutschland zwischen 2022 und 2024 um etwa 0,5 Prozentpunkte gedrückt haben. Die Autorinnen und Autoren der Bundesbank-Studie betonen, dass die gestiegenen Bürokratiekosten auch Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit hemmen können.

In welchen Bereichen belastet Bürokratie die Unternehmen besonders?

Laut der BOP-F-Umfrage zieht sich Bürokratie durch viele Bereiche, Unternehmensklassen und Branchen. Die Analyse zeigt, dass die größten und am stärksten gestiegenen Bürokratielasten in den Bereichen Steuer- und Finanzberichterstattung, Arbeitsrecht und Beschäftigungsregulierung, Umweltschutz sowie Datenschutz und Privatsphäre bestehen. 

Bei kleinen Unternehmen sind die Bürokratiekosten relativ zum Umsatz besonders hoch. Zwar sind kleinere Unternehmen von manchen Vorschriften ausgenommen oder unterliegen vereinfachten Regelungen. Doch wenn sie betroffen sind, verursachen die für sie geltenden staatlichen Vorschriften oft vergleichsweise hohe Kosten. Eine Ursache dürfte sein, dass der Aufwand, den die Erfüllung und Dokumentation von Vorschriften verursachen, häufig nicht von der Unternehmensgröße abhängt, so die Fachleute. Kleinere Unternehmen sind dann überproportional von solchen Fixkosten betroffen.

Auch branchenübergreifend zeigt sich ein deutlicher Anstieg der Bürokratiekosten. In der Finanzindustrie, die traditionell hohe Berichtspflichten hat, stiegen die Kosten weiter stark. Im Verarbeitenden Gewerbe wuchs der Anteil der Bürokratiekosten am Umsatz um mehr als die Hälfte. Da Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes besonders stark im internationalen Wettbewerb stehen, könnte dies die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft belastet haben, heißt es im Bericht. 

Warum steigen die Bürokratiekosten?

Der deutliche und breit angelegte Anstieg der Bürokratiekosten über Branchen und Größenklassen könnte damit zusammenhängen, dass einige neue Vorschriften recht tief in grundsätzliche betriebliche Abläufe eingreifen, heißt es im Bericht. „Dadurch könnten auch einige wenige zusätzliche Vorschriften hohe Umsetzungskosten verursachen.“ Bürokratie belastet der Analyse zufolge diejenigen Unternehmen stärker, die hohen Produktions- und Arbeitskosten, starkem Wettbewerbsdruck und Fachkräftemangel besonders ausgesetzt sind. 

Ein weiterer Faktor ist der Rückstand Deutschlands bei der Digitalisierung. Deutschland hinkt anderen EU-Ländern bei der Digitalisierung in den Unternehmen und der Verwaltung hinterher, was den Erfüllungsaufwand im Vergleich zu anderen Ländern erhöhen kann, schreiben die Fachleute. 

Die Ergebnisse sprechen dafür, die Wechselwirkungen zwischen Bürokratie und anderen Standortfaktoren stärker zu berücksichtigen. Fortschritte bei der Digitalisierung oder der Verringerung struktureller Probleme könnten nicht nur das Wirtschaftswachstum direkt erhöhen, sondern auch die Belastungen bestehender Regulierung verringern. Ihre gesamtwirtschaftlichen Effekte dürften daher größer ausfallen als bei einer isolierten Betrachtung.

Regulatorische Belastungen in Deutschland besonders hoch 

Im europäischen Vergleich berichten Unternehmen in Deutschland besonders häufig von bürokratischen Belastungen. Internationale Umfragen zeigen übereinstimmend, dass die regulatorischen Belastungen in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen und im europäischen Vergleich hoch sind. Ein Grund könnte das sogenannte „Gold-Plating“ sein, bei dem Deutschland EU-Richtlinien strenger oder komplexer umsetzt, als es die EU-Vorgaben erfordern. 

Steigende Bürokratiekosten mindern Produktivität

Ökonometrische Schätzungen auf Basis der Unternehmensumfrage zeigen, dass steigende Bürokratiekosten zwischen 2022 und 2024 mit einem geringeren Produktivitätswachstum bei deutschen Unternehmen einhergingen. Demnach war ein Kostenanstieg um 1 Prozentpunkt  mit einem Rückgang des Umsatzes je Beschäftigten um rund 3 Prozent verbunden. Statistisch signifikant lässt sich dieser Zusammenhang jedoch nur für kleine Unternehmen nachweisen. 

Reformbedarf und Lösungsansätze

Die Fachleute der Studie betonen, dass in der Summe viele an sich sinnvolle einzelne Vorgaben etwa bei Digitalisierung, IT-Sicherheit oder Nachhaltigkeit die Wirtschaftsaktivität in Deutschland beeinträchtigen könnten. „Bund, Länder und Kommunen haben diesen Handlungsbedarf erkannt und zielen darauf, Bürokratiekosten zu verringern“, schreiben sie. Die laufenden Reformanstrengungen der Bundesregierung seien ein Schritt in die richtige Richtung. Entscheidend wird sein, dass die Maßnahmen zügig und zielführend umgesetzt werden.