Containerschiff ein einem Hafen von oben ©aerial-drone / AdobeStock

Deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs

Laut aktuellem Monatsbericht der Bundesbank legte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal erneut merklich zu. Gemäß Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes stieg das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) saisonbereinigt um 0,2 Prozent, nach kräftigen 0,4 Prozent im Vorquartal. „Damit befindet sich die Wirtschaft nunmehr deutlich erkennbar auf einem Erholungskurs, den auch der Krieg im Nahen Osten nicht ausbremsen konnte“, schreiben die Fachleute. 

Die deutsche Industrie profitierte von einer anhaltend soliden Nachfrage aus dem Ausland. „Sie erwies sich damit als recht widerstandsfähig gegenüber erhöhten Energiepreisen und Lieferkettenproblemen“, heißt es im Monatsbericht weiter. Die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe verharrte weiterhin auf niedrigem Niveau. Die Bauwirtschaft dürfte aufgrund von Auf- und Nachholeffekten trotz schwacher Wohnungsnachfrage und hoher Baukosten noch positiv zum BIP‑Wachstum beigetragen haben. Der private Konsum dürfte angesichts der verschlechterten Lage am Arbeitsmarkt und deutlich erhöhte Verbraucherpreise lediglich verhalten gewachsen sein.

Zahl der Erwerbstätigen sank erneut 

„Der Arbeitsmarkt profitierte nicht vom Wirtschaftswachstum und verschlechterte sich auch im Frühjahr“, schreiben die Fachleute. Im Durchschnitt des zweiten Quartals waren saisonbereinigt 45,7 Millionen Personen erwerbstätig, 52.000 weniger als im Quartal zuvor. Das entspricht einem Rückgang von rund 0,1 Prozent, wie schon bereits in den vier Quartalen zuvor. 

Die registrierte Arbeitslosigkeit stieg im Frühjahr minimal an, die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag damit bei 6,4 Prozent. Bislang sehen die Fachleute mit Blick auf die Frühindikatoren kaum Signale für eine baldige Verbesserung der Situation am Arbeitsmarkt.

Hohe Energiepreise sorgen für steigende Inflationsrate

Die Verbraucherpreise zogen im Frühjahr kräftig an: Im Vorjahresvergleich stieg die Inflationsrate gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 2,3 Prozent im Winter auf 2,6 Prozent im Frühjahr. Der Energiepreisschock unterbrach damit den bis dahin weit vorangeschrittenen Disinflationsprozess. Im Januar und Februar 2026 hatte die Vorjahresrate nahe 2 % gelegen. Allerdings ist im Gegensatz zur letzten Hochinflationsphase der Teuerungsanstieg bislang nicht breit angelegt, sondern konzentriert sich stark auf Energieprodukte. Insbesondere Kraftstoffe und Heizöl verteuerten sich infolge des Krieges im Nahen Osten merklich. „Indirekte Effekte des Energiepreisschubs auf andere Komponenten des HVPI, insbesondere Nahrungsmittel und Industrieerzeugnisse ohne Energie, sind bisher begrenzt“, heißt es im Bericht. Üblicherweise treten diese mit einer deutlichen Verzögerung auf. 

Nach Einschätzung der Fachleute könnte die Inflationsrate in den nächsten Monaten vorübergehend noch weiter ansteigen. Entscheidend sei hierbei der Verlauf des Krieges im Nahen Osten und die Entwicklung der Energiepreise.

Dürreperiode führt zu neuen Belastungen

Die Fachleute der Bundesbank gehen davon aus, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal vorübergehend ausgebremst wird. Zwar dürften die robuste Auftragslage in der Industrie und die höheren Staatsausgaben – etwa bei der Verteidigung und im Bau – weiterhin positive Impulse liefern. Jedoch kommen zu den bestehenden Belastungsfaktoren die Einschränkungen der Transportwege infolge der niedrigen Pegelstände in wichtigen Wasserstraßen wie dem Rhein hinzu. Dadurch dürften die Transportkosten erhöht werden. Zusätzliche Lieferverzögerungen könnten die Materialknappheit weiter verschärfen und die Produktion verzögern. „Dies dürfte die sich gerade festigende Industriekonjunktur vorerst spürbar belasten“, prognostizieren die Fachleute. Zudem werde der private Konsum weiterhin durch hohe Energiepreise, den schwachen Arbeitsmarkt und pessimistische Einkommenserwartungen gebremst.