Joachim Nagel beim G20-Treffen in Asheville © Bundesministerium der Finanzen / Photothek

G20-Treffen: Exporte und expansive Finanzpolitik stützen die deutsche Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft hat sich trotz des Krieges im Nahen Osten nicht ausbremsen lassen, sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil beim Treffen der G20 Finanzminister und Notenbankgouverneure in Asheville, USA. Im ersten Halbjahr 2026 sei laut Statistischem Bundesamt das deutsche Bruttoinlandsprodukt spürbar gewachsen: Vergangene Woche wurde das Wirtschaftswachstum des zweiten Quartals auf 0,3 Prozent nach oben revidiert. Vor allem Exporte und die expansive Finanzpolitik stützten die deutsche Konjunktur – Unternehmen hielten sich mit Investitionen weiterhin zurück. Die lange Hitzeperiode und das dadurch ausgelöste Niedrigwasser hätten die Konjunktur negativ beeinflusst, fügte Nagel hinzu. Trotzdem dürfe die Wirtschaft in diesem Jahr spürbar stärker expandieren als erwartet.

Die Weltwirtschaft zeige sich insgesamt durch den Handel mit Technologiegütern in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz robust und der Welthandel weiterhin dynamisch – trotz des immer wieder aufflackernden Konfliktes am Persischen Golf.

Nagel betonte aber, dass Deutschland bei Schuldenstand und Defizitquote nicht nachlassen dürfe, die Finanzmärkte bräuchten eine entsprechende Orientierung. Zwar sei die Verschuldung Deutschlands im Vergleich zum Beispiel zu den USA noch deutlich geringer. Kreditfinanzierte Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung lassen aber auch in Deutschland den Schuldenberg wachsen.

Energiepreisschock treibt weltweit die Inflationsraten

Der Konflikt im Nahen Osten wirke sich Nagel zufolge auch auf die Inflation aus. Seit März liegt die Inflationsrate in Deutschland und im Euroraum eher bei 3 Prozent als bei den angestrebten 2 Prozent. Beim Pressestatement betonte er: Der gute Teil der Nachricht hier ist, dass die Kerninflationsrate von 2,5 auf 2,4 Prozent zurückgegangen ist. Auch die Servicepreise sind zurückgegangen, von 3,3 auf 3,0.

Unsicherheit in der Geldpolitik bleibt

Unsichere Entwicklungen im Nahen Osten machen sehr deutlich, dass der EZB-Rat geldpolitisch flexibel bleiben muss, betonte Nagel, auch mit Blick auf die Auswärtige Sitzung des EZB-Rates, die in der nächsten Woche in Berlin stattfindet. Für die nächste Woche sei der Ausblick, was geldpolitisch möglicherweise passiert, zwar relativ absehbar. Insgesamt habe es sich aber bewährt, datenabhängig von Sitzung zu Sitzung vorzugehen und sich nicht im Voraus festzulegen. 

Über die G20 und die Arbeit der Bundesbank

Die G20 ist das wichtigste informelle Forum für die internationale wirtschaftliche Kooperation. Sie trägt maßgeblich dazu bei, die globale Architektur in allen wichtigen internationalen Wirtschaftsfragen zu gestalten und zu stärken. Die G20 besteht aus den 19 bedeutendsten Industrie- und Schwellenländern sowie der Europäischen Union. Damit repräsentiert sie etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung. Das Treffen findet jedes Jahr in einem anderen Gastgeberland statt. 

Die Bundesbank ist als Notenbank für Deutschland ein eigenständiges G20-Mitglied neben der Bundesregierung. Der Bundesbankpräsident und eine Stellvertreterin oder ein Stellvertreter nehmen an den regelmäßigen Treffen der Finanzminister und Zentralbankgouverneure teil. Diese Zusammenkünfte dienen dazu, die Währungs- und Finanzthemen des jährlich stattfindenden G20-Gipfels vorzubereiten. 

Beim Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure befasst sich die G20 damit, wie die Staatengemeinschaft Wirtschafts- und Finanzkrisen vorbeugen und diese bewältigen kann. Die Gruppe diskutiert zudem, wie sich ein robustes, nachhaltiges und inklusives Wirtschaftswachstum erreichen lässt und wie die internationale Finanzarchitektur weiterentwickelt werden kann.