Deutsche Zentralbankiers und der Nationalsozialismus ©Deutsche Bundesbank

Neue Buchreihe: Bundesbank arbeitet ihre Geschichte auf

Die Bundesbank hat in einem Forschungsprojekt die Geschichte der Reichsbank, der Bank deutscher Länder und der frühen Bundesbank wissenschaftlich aufarbeiten lassen. 

Unter der Leitung der Historiker Magnus Brechtken vom Institut für Zeitgeschichte München–Berlin und Albrecht Ritschl von der London School of Economics untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in acht Teilprojekten die deutsche Zentralbankgeschichte vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach Kontinuitäten und Brüchen: Welche Rolle spielte die Reichsbank bei der Unterstützung des NS-Regimes, bei der Eroberungs- und Ausbeutungspolitik im besetzten Europa und bei der Verwertung geraubten Vermögens? Und in welchem Maße wirkten Personen, Netzwerke und geldpolitische Vorstellungen aus der Zeit vor 1945 in der Bank deutscher Länder und der jungen Bundesbank fort? Die Forscherinnen und Forscher arbeiteten wissenschaftlich unabhängig und werteten dafür Quellen aus zahlreichen Archiven im In- und Ausland aus.

Sammelband liegt vor

2024 wurden die Forschungsergebnisse im Rahmen einer Pressekonferenz in der Hauptverwaltung in Hessen vorgestellt. Mittlerweile sind alle wissenschaftlichen Beiträge fertiggestellt. Damit beginnt nun sukzessive die Veröffentlichung der einzelnen Bände. Den Auftakt macht der soeben erschienene Sammelband „Deutsche Zentralbankiers und der Nationalsozialismus. Tradition, Täterschaft, Tabus“, herausgegeben von Magnus Brechtken und Albrecht Ritschl. Auf gut 300 Seiten fassen die Autorinnen und Autoren die Ergebnisse der einzelnen Teilstudien zusammen und geben damit einen Überblick über das gesamte Forschungsprojekt.

Weitere Teilbände folgen 

In den kommenden Monaten folgen die ausführlichen Einzelstudien. Bereits im September soll der Teilband „Hüter der Währung“ von Christian Marx erscheinen. Der Historiker untersucht darin die Sozialprofile und Karriereverläufe des Spitzenpersonals der Bank deutscher Länder und der Bundesbank nach 1945 und damit insbesondere das Verhältnis von institutionellem Neubeginn und personeller Kontinuität.

Für den 7. Oktober ist Ingo Looses Studie „Die Reichsbank im nationalsozialistischen Eroberungskrieg“ angekündigt. Sie befasst sich mit Ausbeutung, Kriegsfinanzierung und Raub im besetzten Polen zwischen 1939 und 1945 und zeichnet detailliert die Rolle der Reichsbank in dieser Zeit nach.

Die weiteren Bände der Reihe „Von der Reichsbank zur Bundesbank 1924–1970“ erscheinen im Laufe des Jahres 2027. 

Gesprächsrunde auf der Frankfurter Buchmesse

Auch auf der Frankfurter Buchmesse vom 7. bis 11. Oktober 2026 wird das Forschungsprojekt zur Geschichte von Reichsbank, Bank deutscher Länder und früher Bundesbank vorgestellt. Am Freitag, 9. Oktober, von 15:00 Uhr bis 15:45 Uhr, sprechen die Studienleiter Magnus Brechtken und Albrecht Ritschl am Bundesbank-Stand (Halle 3.0, G 11) über ihre Forschungsergebnisse. Am Samstag, 10. Oktober, von 13:30 Uhr bis 14:00 Uhr, ist Magnus Brechtken im Gespräch mit Patrick Bahners, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (auf der Inspiration Stage in Halle 3.0).