Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main ©Robert Metsch / ECB

Zwischen Akzeptanz und Ambition: Der Euro und seine internationale Rolle

Die internationale Bedeutung einer Währung zeigt sich nicht nur in ihrer Nutzung als Reserve- oder Ankerwährung, sondern auch in ihrer Rolle als Rechnungswährung im grenzüberschreitenden Handel. Der Euro als global zweitwichtigste Währung befindet sich hierfür in einer günstigen Ausgangsposition, schreiben die Autorinnen und Autoren im aktuellen Monatsbericht. Es gebe dennoch noch Potenzial, die Rolle des Euro als Fakturierungswährung (Rechnungswährung) weiter auszubauen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat das Ziel formuliert, den Euro zu einer vollwertigen internationalen Währung mit all den damit verbundenen Vorteilen zu entwickeln. Eine stärkere internationale Rolle des Euro könnte die Anfälligkeit des Euroraums gegenüber externen ökonomischen Einflüssen reduzieren und die Finanzierungskosten im Euroraum für Staaten und Unternehmen senken.

Großteil der deutschen Warenexporte wird in Euro verrechnet 

Aktuell werden rund 75 Prozent der deutschen Warenexporte in Euro abgerechnet, bei Exporten in Länder außerhalb der EU liegt der Anteil bei knapp 60 Prozent. Insgesamt fakturieren die Länder der EU rund die Hälfte ihrer Warenexporte in das EU-Ausland in Euro. Im Vergleich dazu fakturieren die USA ihre Exporte nahezu vollständig in US-Dollar, während Japan häufiger den US-Dollar nutzt als die eigene Währung. Die Schweiz hingegen nutzt US-Dollar, Euro und Schweizer Franken in ähnlichem Umfang als Fakturierungswährung.

Interessant ist, dass der US-Dollar als Brückenwährung für deutsche Exporteure eine vergleichsweise geringe Rolle spielt. Während global etwa 30 Prozent der Exporte in US-Dollar als Brückenwährung fakturiert werden, liegt dieser Anteil bei deutschen Exporten nur bei rund 6 Prozent. Dies deutet auf eine vergleichsweise hohe Akzeptanz des Euro hin, insbesondere in Drittstaaten, so die Autorinnen und Autoren der Studie. 

Mögliche Gründe für eine Rechnungsstellung in ausländischer Währung

Ein Grund, warum einige europäische Unternehmen ihre Warenexporte nicht in Euro fakturieren, könnte eine begrenzte Akzeptanz des Euro bei ausländischen Abnehmern sein. Käufer und Abnehmerstaaten bevorzugen mitunter ihre eigene Währung oder den US-Dollar, da sie dadurch entweder Devisenmarkttransaktionen und Absicherungskosten vermeiden, Transaktionskosten verringern […] können, heißt es im Bericht. Ein anderer Grund könnte sein, dass einige Unternehmen auf die Strategie des „Pricing to Market“ setzen, bei der sie in der Währung des Zielmarkts fakturieren, um Endkundenpreise vor Wechselkursschwankungen zu schützen. 

Chancen und Herausforderungen für den Euro 

Die EZB und das Eurosystem arbeiten aktiv daran, die internationale Rolle des Euro zu stärken. Eine substanzielle Ausweitung der internationalen Rolle des Euro als Fakturierungswährung wäre möglich, wenn der Euro als internationale Leit- und Brückenwährung eine größere Bedeutung gewänne, schreiben die Autorinnen und Autoren. Der Euro befinde sich dabei in einer günstigen Ausgangsposition sich weiter zu etablieren: eine starke Wirtschaft, weltweite Handels- und Finanzverflechtungen und ein glaubwürdiges Mandat der EZB zur Gewährleistung von Preisstabilität sind dafür eine gute Grundlage. Ausgeprägte Netzwerkeffekte im internationalen Handel, eine etablierte auf US-Dollar lautende Zahlungsinfrastruktur sowie die oben dokumentierte historische Persistenz dominanter Leitwährungen erschweren jedoch schnelle Fortschritte, so die Fachleute.