April-Ergebnisse der Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland
Die deutschen Kreditinstitute haben ihre Kreditangebotspolitik in allen drei erfragten Geschäftsbereichen im ersten Quartal 2015 nur geringfügig angepasst. Das ergab die jüngste Umfrage im Rahmen des Bank Lending Survey.
So ließen die befragten Institute die Kreditvergabestandards für das Firmenkundengeschäft insgesamt nahezu unverändert. Gleichzeitig verengten sie in diesem Geschäftsfeld die Margen für durchschnittlich riskante Engagements per saldo leicht, während sie bei den Margen für risikoreichere Ausleihungen im Ergebnis keinen nennenswerten Anpassungsbedarf sahen. Bei den anderen erfragten Bedingungen – erfasst werden unter anderem Sicherheitenerfordernisse, Zusatzvereinbarungen und Kreditnebenkosten – nahmen die Banken in der Breite lediglich marginale oder leichte Lockerungen vor.
Im Ergebnis nahezu unverändert blieben auch die Vergabestandards für private Wohnungsbaukredite. In diesem Geschäftsfeld wurden nach Angaben der Umfrageteilnehmer einzig die Margen für durchschnittlich riskante Ausleihungen moderat verengt, während die Margen für risikoreichere Ausleihungen wie auch die übrigen erfragten Kreditbedingungen im Ergebnis nicht angepasst wurden.
Per saldo unverändert blieben ferner die Vergaberichtlinien im Konsumentenkreditgeschäft. Gleichzeitig kam es im Vergleich zum Firmenkunden- und privaten Wohnungsbaukreditgeschäft in diesem Bereich zu stärkeren Margenanpassungen. So verengten die Institute die Margen für durchschnittlich riskante Ausleihungen per saldo deutlich und für risikoreichere Engagements leicht. Die übrigen erfragten Bedingungen passten sie hingegen nicht an.
Während die Kreditnachfrage der Unternehmen sich per saldo unverändert zeigte, legte der Mittelbedarf privater Haushalte für Wohnungsbauzwecke kräftig zu und übertraf damit die im Vorquartal geäußerten Erwartungen der Bankmanager. Positive Impulse gingen zudem vom Konsumentenkreditgeschäft aus. Hier nahm der Kreditbedarf spürbar zu.
Die April-Umfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Refinanzierungsbedingungen der Banken, zu den Niveaus der Kreditstandards sowie zu den Auswirkungen des erweiterten Programms des Eurosystems zum Ankauf von Vermögenswerten. Erneut berichteten die deutschen Banken von einer im Vergleich zum Vorquartal leicht verbesserten Refinanzierungssituation vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten. Gemessen am Mittelpunkt der Bandbreite, die durch die seit dem zweiten Quartal 2010 implementierten Richtlinien aufgespannt wird, sind die Standards sowohl im Firmenkundengeschäft als auch im Geschäft mit privaten Haushalten nach Einschätzung der befragten Banken derzeit vergleichsweise straff. Die Einschätzung der Niveaus, die vor einem Jahr abgegeben wurde, war allerdings insgesamt noch restriktiver. Das erweiterte Ankaufprogramm verbessert laut Bankangaben zwar ihre Finanzierungsbedingungen, belastet aber auch stark ihre Ertragslage. Kaum eine deutsche Bank aus der Stichprobe beabsichtigt einen Verkauf marktfähiger Aktiva im Rahmen des Programms. Es wird aber mit höherer Liquidität aufgrund gestiegener Kundeneinlagen gerechnet, die unter anderem für die Kreditvergabe genutzt werden soll.Die Banken erwarten keinerlei Auswirkungen des Programms auf ihre Kreditstandards.
Die über den gesamten Euro-Raum aggregierten Ergebnisse des Bank Lending Survey zeigen, dass die Banken ihre Vergabestandards im Firmenkundengeschäft und im Bereich der privaten Konsumfinanzierung etwas gelockert haben. Nahezu unverändert blieben die Richtlinien für Wohnungsbaukredite. Die Nachfrage nach Krediten vonseiten der Unternehmen im Euro-Raum nahm im ersten Quartal 2015 nur leicht zu. Deutlich dynamischer entwickelte sich dagegen erneut der Kreditbedarf der privaten Haushalte. In diesem Segment stieg die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten deutlich, während die Zunahme des Mittelbedarfs zur Konsumfinanzierung im Vergleich hierzu etwas schwächer ausfiel.
Die Refinanzierungssituation verbesserte sich nach Angabe der Banken im Euro-Raum weiter. Das Niveau ihrer Kreditstandards in den verschiedenen Kreditsegmenten schätzen die Banken im Euro-Raum derzeit als relativ straff ein, aber ähnlich wie in Deutschland fiel auch im Währungsgebiet die Beurteilung der Niveaus vor einem Jahr noch restriktiver aus.
Das erweiterte Ankaufprogramm stieß bisher im Euro-Raum auf deutlich größeres Interesse als in Deutschland. Im Währungsgebiet wollen die teilnehmenden Banken die gewonnene Liquidität laut eigenen Angaben vor allem zur Kreditvergabe an Unternehmen verwenden. Zudem planen sie, im Zuge des Programms insbesondere die Kreditbedingungen zu lockern.