Die deutsche Zahlungsbilanz im Juni 2026
Leistungsbilanzüberschuss kräftig gestiegen
Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im Juni 2026 einen Überschuss von 19,0 Mrd €. Das Ergebnis lag um 10,1 Mrd € über dem Niveau des Vormonats. Wesentlich dafür war der Umschwung ins Plus im Bereich der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen, die neben Dienstleistungen auch Primär- und Sekundäreinkommen umfassen. Hinzu kam ein höherer Aktivsaldo im Warenhandel.
Im Warenhandel weitete sich der positive Saldo im Berichtsmonat um 2,2 Mrd € auf 17,3 Mrd € aus, da die Einkünfte stärker zunahmen als die Aufwendungen. Bei den „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen kehrte sich das Defizit von 6,2 Mrd € im Vormonat in einen Überschuss von 1,7 Mrd €. Die ausschlaggebende Rolle spielten dabei die um 10,0 Mrd € auf 13,9 Mrd € gestiegenen Nettoeinkünfte bei den Primäreinkommen. Maßgeblich dafür war die Gegenbewegung bei den Dividendenzahlungen an Gebietsfremde für deren Wertpapierengagements; diese Zahlungen hatten sich im Vormonat, wie im Mai üblich, erheblich erhöht. Durch die gesunkenen Dividendenzahlungen nahm der Staat auch weniger Steuern von Gebietsfremden ein. Dies trug wesentlich dazu bei, dass sich das Defizit bei den Sekundäreinkommen um 2,0 Mrd € auf 5,0 Mrd € ausweitete. Der Passivsaldo bei den Dienstleistungen blieb mit 7,2 Mrd € praktisch unverändert. Die Einnahmen expandierten insbesondere wegen höherer Einkünfte aus Telekommunikations-, EDV- und Informationsdiensten, sonstigen unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie Transportleistungen. Die Ausgaben stiegen ebenfalls vor allem in diesen Positionen sowie im Reiseverkehr.
Netto-Kapitalexporte
Im Juni kam es zu deutschen Netto-Kapitalexporten von 31,5 Mrd € (nach 12,1 Mrd € im Mai).
Bei den Direktinvestitionen ergaben sich im Juni Netto-Kapitalexporte von 6,0 Mrd € (nach Netto-Kapitalimporten von 11,9 Mrd € im Mai). Hiesige Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionsbestände im Ausland durch Transaktionen um 9,8 Mrd €. Dabei stockten sie ihr Beteiligungskapital um 7,0 Mrd € auf und vergaben zusätzliche konzerninterne Kredite (2,8 Mrd €). Ausländische Unternehmen führten ihren Niederlassungen in Deutschland per saldo ebenfalls Direktinvestitionsmittel zu (3,8 Mrd €). Sie erhöhten sowohl das Beteiligungskapital (0,9 Mrd €) als auch das konzernintern vergebene Kreditvolumen (2,8 Mrd €).
Im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Deutschlands ergaben sich im Juni Netto-Kapitalexporte von 6,5 Mrd € (nach 2,6 Mrd € im Mai). Inländische Investoren erwarben per saldo ausländische Wertpapiere für 34,4 Mrd €. Dabei kauften sie Anleihen (24,3 Mrd €), Investmentzertifikate (14,0 Mrd €) und Geldmarktpapiere (0,7 Mrd €), trennten sich aber von Aktien (4,5 Mrd €). Ausländische Anleger nahmen im Ergebnis inländische Wertpapiere für 27,9 Mrd € in ihre Portfolios auf. Sie erwarben Anleihen (16,1 Mrd €), Geldmarktpapiere (10,8 Mrd €), Investmentzertifikate (0,6 Mrd €) und Aktien (0,4 Mrd €).
Die Transaktionen mit Finanzderivaten führten im Juni per saldo zu Mittelabflüssen von 9,1 Mrd € (nach 5,8 Mrd € im Mai).
Der übrige Kapitalverkehr umfasst Finanz- und Handelskredite, soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen, Bankguthaben und sonstige Anlagen. In diesem Bereich ergaben sich im Juni Netto-Kapitalexporte von 10,5 Mrd € (nach 14,7 Mrd € im Mai). Unternehmen und Privatpersonen (28,4 Mrd €) sowie die Monetären Finanzinstitute ohne Bundesbank (23,9 Mrd €) erhöhten ihre Netto-Auslandsposition in diesem Segment. Demgegenüber sanken die Netto-Auslandsforderungen der Bundesbank bei den übrigen Kapitalanlagen (41,3 Mrd €). Verantwortlich waren ein gesunkener TARGET‑Saldo (22,5 Mrd €) und höhere Einlagen von Ansässigen außerhalb des Euroraums. Auch der Staat verzeichnete per saldo Netto-Kapitalimporte (0,6 Mrd €).
Die Währungsreserven der Bundesbank verringerten sich im Juni – zu Transaktionswerten gerechnet – um 0,5 Mrd €.