Juli-Ergebnisse der Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland
Die deutschen Kreditinstitute haben ihre Kreditangebotspolitik im Firmenkundengeschäft im zweiten Quartal 2015 insgesamt geringfügig gelockert. Das zeigt die jüngste Umfrage im Rahmen des Bank Lending Survey. Zwar blieben die Kreditvergabestandards im Ergebnis nahezu unverändert. Hingegen verengten die befragten Banken die Margen für durchschnittlich riskante Ausleihungen per saldo deutlich und für risikoreichere Engagements spürbar. Zudem lockerten die Institute die anderen erfragten Kreditbedingungen in der Breite moderat. Wenig verändert zeigte sich die Kreditangebotspolitik der Banken im Geschäft mit den privaten Haushalten. So kam es im Ergebnis weder im Bereich der privaten Wohnungsbaufinanzierung noch im Konsumentenkreditgeschäft zu einer nennenswerten Änderung der Vergabestandards. Auch die in den jeweiligen Kreditsegmenten erfragten Kreditbedingungen blieben per saldo weitgehend unverändert. Lediglich bei den Margen nahmen die befragten Banken unterm Strich Verengungen vor.
Die Kreditnachfrage stieg gemäß den Angaben der deutschen Banken in allen erfragten Geschäftsfeldern an, wenngleich die Zuwächse in den jeweiligen Kreditsegmenten unterschiedlich groß ausfielen. So nahm die Nachfrage im Firmenkundengeschäft im Ergebnis leicht zu, während der Mittelbedarf privater Haushalte für Wohnungsbauzwecke kräftig zulegte. Im Bereich der Konsumfinanzierung verzeichneten die Institute unterm Strich einen deutlich Anstieg der Kreditnachfrage.
Die Juli-Umfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Refinanzierungsbedingungen der Banken, zu den Auswirkungen der neuen regulatorischen und aufsichtlichen Aktivitäten (hierzu zählen u. a. die in der CRR/CRD IV festgelegten Eigenkapitalanforderungen und die aus dem Comprehensive Assessment resultierenden Anforderungen) sowie zur Teilnahme der Banken an den gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (GLRGs) 2014 bis 2016. Erneut berichteten die deutschen Banken von einer im Vergleich zum Vorquartal leicht verbesserten Refinanzierungssituation vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten. Im Hinblick auf die neuen regulatorischen und aufsichtlichen Aktivitäten reduzierten die Banken in der ersten Jahreshälfte 2015 ihre risikogewichteten Aktiva per saldo nicht weiter, stärkten aber ihre Eigenkapitalposition erneut deutlich. Am GLRG im März 2015 zeigten die befragten deutschen Institute ein ähnlich mäßiges Interesse wie drei Monate zuvor. Diejenigen Banken, die teilnahmen, begründeten dies mit den attraktiven Konditionen der Geschäfte. Die bereitgestellten Mittel wollen sie in erster Linie zur Kreditvergabe verwenden. Die Banken rechnen damit, dass sich durch die Teilnahme ihre finanzielle Situation leicht verbessert, sie erwarten aber keinerlei Auswirkungen auf ihre Kreditstandards.
Laut den über den gesamten Euro-Raum aggregierten Ergebnissen des Bank Lending Survey blieben die Vergabestandards der europäischen Institute im Firmenkunden- und im Konsumentenkreditgeschäft weitgehend unverändert. Moderat gelockert wurden hingegen die Standards im Bereich der privaten Wohnungsbaufinanzierung. Die Nachfrage nach Krediten vonseiten der Unternehmen im Euro-Raum nahm im zweiten Quartal 2015 merklich zu. Zuwächse verzeichneten die Institute ebenfalls im Geschäft mit den privaten Haushalten. In diesem Geschäftsfeld zog die Nachfrage sowohl im Wohnungsbau- als auch Konsumentenkreditgeschäft kräftig an.
Die Refinanzierungssituation verbesserte sich nach Angabe der Banken im Euro-Raum insgesamt nicht weiter. Im Zuge der neuen regulatorischen und aufsichtlichen Aktivitäten stärkten die Banken in der ersten Jahreshälfte 2015 ihre Eigenkapitalposition weiter deutlich. Wie schon die GLRGs im Vorjahr stieß auch das Geschäft im März 2015 im Euro-Raum auf deutlich größeres Interesse als in Deutschland. Im Währungsgebiet wollen die teilnehmenden Banken die aufgenommenen Mittel laut eigenen Angaben vor allem zur Kreditvergabe an Unternehmen verwenden.