Podiumsdiskussion beim Zahlungsverkehrssymposium ©Frank Rumpenhorst

Zahlungsverkehrssymposium 2026: Innovationen und Vernetzung für die Zukunft

Die Digitalisierung und Vernetzung prägen zunehmend den europäischen und weltweiten Zahlungsverkehr. Beim Zahlungsverkehrssymposium der Bundesbank kamen rund 200 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und staatlichen Institutionen zusammen, um über die Herausforderungen und Chancen im modernen Zahlungsverkehr zu diskutieren. 

Lienenkämper: Zahlungen müssen einfach, schnell und nahtlos funktionieren 

Bundesbankvorstand Lutz Lienenkämper betonte in seiner Rede die zentrale Bedeutung der Vernetzung im Zahlungsverkehr. Der Zahlungsverkehr der Zukunft ist vor allem eines: vernetzt, sagte Lienenkämper. Zahlungen müssten nahtlos funktionieren – ob im Geschäft, online oder zwischen Maschinen. Dabei sei es entscheidend, Schnittstellen zu harmonisieren und Standards zu fördern.

Besonders hob Lienenkämper die europäische Perspektive hervor. Europa brauche starke und unabhängige Lösungen im Zahlungsverkehr, wie etwa das mobile Bezahlverfahren Wero und den digitalen Euro. Digitaler Euro und private Lösungen sind keine Alternativen, sondern zwei verschiedene Ebenen, erklärte Lienenkämper. Gerade im Zusammenspiel beider Ebenen liege der Beitrag zur europäischen Souveränität.

Digitaler Euro, Betrug im Zahlungsverkehr und Tokenisierung im Fokus

Im Anschluss fanden mehrere Diskussionsrunden statt, die die zentralen Themen des Symposiums vertieften.

Das Panel „Digitales Bezahlen in Europa“ widmete sich den Herausforderungen und Chancen des digitalen Bezahlens. Unter der Moderation von Esther Wandel (Bundesbank) diskutierten Tobias Frydl (Deutsche Bank), Friederike Lange (Bundesministerium der Finanzen), Christian M. Stiefmüller (Finance Watch) und Daniel Hellmann (BVR) über den digitalen Euro als zentraler Bestandteil europäischer Souveränität. Einheitliche Standards, Interoperabilität und flächendeckende Akzeptanz wurden als wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg des digitalen Euro genannt. 

Pierre du Bois (EURO Kartensysteme GmbH) sprach über Betrug im Zahlungsverkehr und wie man sich davor schützen kann. Du Bois zufolge wird Pishing zur zentralen Bedrohung im Zahlungsverkehr. Um Vertrauen im Zahlungsverkehr zu stärken, forderte er eine Weiterentwicklung der Technik, beschleunigte Meldewege und verstärkte Aufklärung, etwa durch auch die von Bundesbank unterstützte Initiative "Phishing Impossible".

Beim Panel „Künstliche Intelligenz im Zahlungsverkehr“ griffen Silke Finken (ISM München), Stephan Paxmann (LBBW), Karsten Meyer (d-fine) und Tobias Schweiger (Hawk) das Thema Betrug und Betrugsprävention im Zahlungsverkehr auf. Sie gaben einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten von KI im Zahlungsverkehr und auch was nötig wäre, um sie nicht nur einsetzen zu wollen, sondern auch zu können.

Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, betonte in seiner Rede die transformative Kraft der Tokenisierung und Distributed-Ledger-Technologie (DLT) für die Finanzmärkte, die Prozesse effizienter und automatisierter gestalten könnten. Er hob hervor, dass Europa jetzt handeln müsse, um Fragmentierung zu vermeiden und ein integriertes, wettbewerbsfähiges Ökosystem für digitale Vermögenswerte zu schaffen.

Die Rolle neuer Projekte wie Pontes und Appia 

Am Nachmittag lag der Schwerpunkt auf der Zukunft des Interbanken-Zahlungsverkehrs. Unter der Moderation von Julian Reischle (Bundesbank) diskutierten Holger Neuhaus (EZB), Jens Hachmeister (Deutsche Börse), Alexander Höptner (AllUnity), Ivica Aračić (SWIAT) und Tim Armbruster (KfW) über die Bedeutung von Projekten wie Pontes und Appia. Diese Initiativen zielen darauf ab, die Abwicklung von Transaktionen auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) in Zentralbankgeld zu ermöglichen und ein integriertes, zukunftsfähiges Finanzökosystem in Europa zu schaffen. Dieses Ziel wird auch mit den erweiterten Öffnungszeiten von T2 angestrebt, worauf Karen Birkel (EZB) einging.

Abschied von Bundesbankvorstand Balz 

Den Abschluss des Symposiums bildete die Rede von Burkhard Balz, der nach acht Jahren als Vorstandsmitglied der Bundesbank seinen Abschied nahm. Balz blickte auf die Entwicklungen im Zahlungsverkehr während seiner Amtszeit zurück und betonte die Bedeutung der Wahlfreiheit: Bargeld ist gelebte Freiheit […] aber Freiheit bedeutet auch, dass wir den Menschen digitale Möglichkeiten anbieten, die eine vernetzte Welt bietet.

Balz unterstrich, dass Fortschritt im Zahlungsverkehr nur durch Kooperation möglich sei. Zahlungsverkehr ist und bleibt eine Netzwerkindustrie. Neue Produkte und Lösungen setzen sich nur durch, wenn sie von allen relevanten Marktakteuren unterstützt werden. Mit einem Appell an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, den Dialog und die Zusammenarbeit fortzusetzen, verabschiedete sich Balz.