Die Erde in einer Glühbirne ©Deutsche Bundesbank (KI)

37 umsetzungsnahe Maßnahmen für digitale Souveränität in Deutschland und Europa

Digitale Souveränität ist eine zentrale Voraussetzung für Deutschlands und Europas Wettbewerbungs- und Handlungsfähigkeit, heißt es in einem Papier, das Bundesbankvorständin Fritzi Köhler-Geib mit Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, und Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitalisierung und Innovation, veröffentlicht hat. Digitale Souveränität werde demnach entscheiden, wo künftig Wertschöpfung entsteht und wer technologische Entwicklung gestalten kann. Digitale Souveränität bedeute dabei auch die Fähigkeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, digitale Schlüsseltechnologien und kritische Infrastrukturen selbst zu entwickeln und zu nutzen.

In dem Papier schlagen die Autorinnen 37 umsetzungsnahe Maßnahmen vor, um die digitale Souveränität hierzulande und in Europa zu stärken. Die Maßnahmen beziehen sich auf fünf konkrete Innovations- und Technologiefelder: Chips, Cloud Computing, Künstliche Intelligenz (KI), Robotik und Quantencomputing.

Innovation und Technologie

Europa muss die Entwicklung ausgewählter digitaler Zukunftstechnologien deutlich beschleunigen, heißt es in dem Papier. 

Für das Technologiefeld „Chips“ schlagen die Autorinnen etwa ein EU‑Programm für die Produktion von Chips vor. Vorbild könne hier das Programm zur Einrichtung von Gigafactories in Europa sein. Weiterhin nehmen sie die Finanzierung in den Blick, sowohl in Bezug auf die Massenproduktion von Photonic-Chips als auch für die Erforschung zukünftiger Chip-Technologien.

Im Bereich „Cloud Computing“ empfehlen sie beispielsweise, Rahmenverträge auf EU‑Ebene einzurichten, über die öffentliche Behörden Dienstleistungen bei drei bis fünf europäischen Cloud-Anbietern beziehen könnten. Solche Verträge könnten auch im Technologiefeld „Quantencomputing“ sinnvoll sein.

Mit Blick auf KI sei es notwendig, ein zweites Hochleistungs-KI‑Modell oder sogenanntes Frontier-Large-Language-Modell für Deutschland und Europa aufzubauen sowie spezialisierte Sprachmodelle in Europa für die Nutzung industrieller Anwendungsdaten zu entwickeln. Hier brauche es den Autorinnen zufolge ein politisch unterstütztes Konsortium von zwei bis vier Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern im KI‑Bereich. Ein Beispiel sei der Erfolg des Unternehmens Airbus. Gegründet 1970 als französisch-deutsches Konsortium, gelang es Airbus, sich bis in die 1980er und 1990er Jahre erfolgreich auf globaler Ebene zu etablieren und zu konkurrieren. 

Im Technologiefeld „Robotik“ schlagen die Autorinnen beispielsweise vor, Konzepte zur Förderung der Verbindung zwischen KI und humanoiden Robotern zu erstellen. Humanoide Roboter sind Roboter, die der menschlichen Gestalt nachempfunden sind. 

Wirtschaft und Finanzierung

Um digitale Innovation und strategische Schlüsseltechnologien in Deutschland und Europa zu stärken, müsste es – den Autorinnen zufolge – leichter werden, Innovationen in marktfähige Produkte zu übersetzen. In diesem Zusammenhang schlagen sie Maßnahmen vor, um den Venture Capital Markt vor allem mit Fokus auf Scale-up und Exit weiterzuentwickeln. Sie sprechen sich auch dafür aus, eine gesetzliche Grundlage für rechtssichere EU-native Vergaben zu schaffen. 

Kommunikation

Eine bundesweite KI‑Kompetenz-Kampagne könne zum Beispiel dazu beitragen, Bürgerinnen und Bürger an den Vorhaben zu beteiligen. Ebenso schlagen die Autorinnen vor, Gewerkschaften und Arbeitgeber in einen Dialog einzubinden und ein europäisches Zielbild für das Arbeiten im KI‑Zeitalter zu entwickeln. 

Mit dem Papier wollen die Autorinnen einen konkreten Impuls zur Koordinierung, Vernetzung und gesamtgesellschaftlichen Unterstützung setzen, die dem aktuellen Marktgeschehen echtes Gewicht entgegensetze. Das Papier wolle eine Plattform schaffen, auf der relevante Stakeholder ihre Aktivitäten koordinieren können.