Farmer schaut auf Industriegelände ©Ardi – stock.adobe.com (KI)

Auswirkungen des demografischen Wandels auf Arbeitsangebot und Wachstum – Herausforderungen und Perspektiven

Langfristig sind Produktivitätsfortschritte durch Innovationen und den erfolgreichen Einsatz neuer Technologien die entscheidenden Triebkräfte von Wachstum und Wohlstand. Die Bevölkerungsalterung trägt jedoch wesentlich zum schwachen Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland in den kommenden zehn Jahren bei, heißt es im aktuellen Monatsbericht. Analysen zeigen, dass die Alterung das Wirtschaftswachstum in Deutschland bereits seit längerem bremst. Dabei verringert sie nicht nur das Arbeitsangebot, sondern dämpft auch die Produktivitätsentwicklung. Mit dem Renteneintritt der Babyboomer werden sich die Belastungen in den kommenden Jahren verstärken, da besonders viele Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Hinzu kommt, dass die positiven Impulse der Vergangenheit wie die hohe Zuwanderung sowie eine steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Personen, zukünftig geringer ausfallen dürften.

Vor diesem Hintergrund gehen die Fachleute der Bundesbank in einer neuen Studie der Frage nach, welche Potenziale für eine höhere Erwerbsbeteiligung und Arbeitszeit verschiedener Bevölkerungsgruppen bestehen, um so die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels abzumildern. 

Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, allerdings vor allem durch Teilzeitbeschäftigung, schreiben die Fachleute. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen blieb im europäischen Vergleich entsprechend niedrig. Studien führen dies auf ein Zusammenspiel institutioneller, finanzieller und kultureller Faktoren zurück. Dazu gehören beispielsweise Kürzungen von staatlichen Leistungen bei zusätzlicher Erwerbstätigkeit von Teilzeitbeschäftigten, fehlende oder unzureichende Kinderbetreuung und ungünstige finanzielle Erwerbsanreize von Zweitverdienenden. 

Die Erwerbsbeteiligung älterer Personen sei in Deutschland in den vergangenen Jahren zwar ebenfalls deutlich gestiegen, ihre durchschnittliche Arbeitszeit jedoch zurückgegangen. Zudem würden die geltenden Rahmenbedingungen, wie die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, Anreize für einen frühzeitigen Renteneintritt setzen.

Potenzial für höheren Arbeitseinsatz

Ein höherer Arbeitseinsatz würde nicht nur das Wachstum, sondern auch die Finanzierungsbasis der Sozialversicherungen stärken. Dies ist in Deutschland besonders relevant, da die Steuer- und Abgabenbelastung im internationalen Vergleich bereits hoch ist, schreiben die Expertinnen und Experten. Simulationsrechnungen im Monatsbericht zeigen Potenziale auf, um die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels abzumildern. Dazu zählen insbesondere längere Arbeitszeiten von Teilzeitbeschäftigten. Aber auch bei der Erwerbsbeteiligung und arbeitsmarktorientierten Zuwanderung bestehen Spielräume. Würden diese Potenziale genutzt, könnte das Wachstum des Produktionspotenzials deutlich gesteigert werden.

Die Autorinnen und Autoren diskutieren verschiedene wirtschaftspolitische Maßnahmen, die die Erwerbsanreize verbessern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung stärken könnten.