Joachim Nagel ©Oliver Rüther

Joachim Nagel: „Ich denke es ist wahrscheinlich, dass die Inflationsrate vorerst auf einem erhöhten Niveau bleibt“

Am Rande des EZB‑Forums im portugiesischen Sintra sprach Bundesbankpräsident Joachim Nagel mit Annette Weisbach von CNBC und Bloombergs Francine Lacqua über die Herausforderungen für die Wirtschaft des Euroraums und die Aussichten für die Geldpolitik. Im Interview sagte Nagel, dass die Inflation im laufenden Jahr wohl deutlich über dem Zielwert bleiben werde, da die Energiepreise weiterhin von den anhaltenden geopolitischen Spannungen betroffen seien. 

Er stellte im Gespräch mit der CNBC fest, dass die Lage nach wie vor „undurchsichtig“ sei und für eine Einschätzung, wann die Inflation wieder auf das Zielniveau zurückkehre, noch zu früh. Die Geldpolitik muss wachsam bleiben, so Nagel. Dabei betonte er, dass Vorsicht und datengestützte Entscheidungen geboten sind.

Mit Blick auf das Wirtschaftswachstum räumte Nagel ein, dass Europa hinterherhinke, und hob hervor, dass es wichtig sei, die Kapitalmärkte zu stärken und Strukturreformen umzusetzen. Er begrüßte die jüngsten Schritte zur Verbesserung des deutschen Rentensystems: Das war eine positive Nachricht für Deutschland und ein wichtiger Schritt nach vorn, um den Kapitalmarkt und die Kapitalmärkte in Europa zu stärken, sagte Nagel.

Bei Bloomberg sprach er außerdem zur Reform der Altersvorsorge durch einen öffentlichen Fonds. Die Bundesbank sehe sich gut aufgestellt, diese Aufgabe zu übernehmen: „Wir haben das Wissen, wir haben die Expertise, und deshalb stehen wir für diesen Job bereit.“ Nagel hob hervor, dass die Einbindung privaten Kapitals entscheidend sei.

Nagel: Ich hoffe, dass wir mehr Fortschritte bei den Friedensbemühungen sehen werden. Das gibt der Wirtschaft Sicherheit.

Nagel äußerte sich in den Interviews auch zu den Auswirkungen disruptiver Technologien wie KI und zeigte sich optimistisch, was die Anpassungs- und Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie betrifft.

Er unterstrich außerdem die Bedeutung stabiler Staatsfinanzen und geopolitischer Stabilität, um Investitionen und wirtschaftliche Sicherheit zu fördern: Ich hoffe, dass wir mehr Fortschritte bei den Friedensbemühungen sehen werden. Das gibt der Wirtschaft Sicherheit, so Nagel gegenüber der BBC.

Im Zuge der Vorbereitungen der EZB auf ihre nächsten geldpolitischen Sitzungen betonte er: Wir müssen abwarten, bis uns alle erforderlichen Informationen vorliegen, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Wir halten alle Optionen offen.

Nagel begrüßte in den Interviews außerdem die Teilnahme des neuen Vorsitzenden der Federal Reserve Kevin Warsh: Alle wissen zu schätzen, dass er der Tradition eines Besuchs in Sintra durch die Kolleginnen und Kollegen der Fed folgt. Er ist sehr willkommen.