Kunst im House of the Euro, Brüssel Kunstsammlung Deutsche Bundesbank
Willy Boers (1905-1978)
Ohne Titel, 1955
3 Gouachen
Die drei farbigen Gouachen von Willy Boers sind bereits in den 50er Jahren von der Bundes-bank angekauft wurden. Sie gehören damit zur Keimzelle der Kunstsammlung und spiegeln den Siegeszug der abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg wider. Willy Boers reiste nach 1945 regelmäßig nach Paris. Dort ließ er sich vom Kunstgeschehen anregen und nahm mehrfach an Ausstellungen teil. In seiner Heimat war er Mitglied einiger Künstlervereinigungen, die das Kunstschaffen in den Niederlanden durch Ausstellungen förderten. Stilistisch orientierte sich Willy Boers in seiner eigenen künstlerischen Arbeit am Expressionismus. Insbesondere Paul Klee, Wassily Kandinsky und Joan Miró waren wichtige Inspirationsquellen.
Biografie
Willy Boers (1905-1978) wurde in Amsterdam (Niederlande) geboren und absolvierte eine Ausbildung zum Restaurator. Als Maler war er Autodidakt. Er war Mitglied zahlreicher Künstlervereinigungen (unter anderem “Vrij Beelden” und "Creatie") und verfasste bedeutende Texte über abstrakte Malerei. Willy Boers gilt heute als eine der Schlüsselfiguren, die die Bildende Kunst in den Niederlanden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufleben ließen.
Seine Arbeiten sind in den Sammlungen des Rijksmuseums in Amsterdam und des Cobra-Museums in Amstelveen enthalten.
Piero Dorazio (1927-2005)
Joie de peindre, 1967
Öl auf Leinwand
Der Titel des großen Gemäldes drückt aus, was der Künstler Piero Dorazio empfunden hat: Joie de peindre (deutsch: Freude am Malen). Seine abstrakten Kunstwerke sind Systeme aus reinen Grundfarben, in denen er Linien, Streifen und Flächen übereinanderlegt. So besteht das Gemälde hier aus drei großen Farbflächen, von denen sich die aufgemalten, sich überlagernden Streifen deutlich abheben. Die Bildfläche wirkt lebendig, vibrierend und dreidimensional. Piero Dorazio war in den Vereinigten Staaten als Dozent tätig und verfasste kunsttheoretische Texte. Sein vom Konstruktivismus, der Farbfeldmalerei und der Lyrischen Abstraktion geprägter Stil war wegweisend für die abstrakte Malerei in Italien. Das Gemälde wurde schon 1973 für die Kunstsammlung der Bundesbank angekauft.
Biografie
Piero Dorazio (1927–2005) wurde in Rom (Italien) geboren und studierte dort zunächst Architektur. Durch ein Stipendium der französischen Regierung konnte er von 1947 bis 1948 an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris studieren. Piero Dorazio gilt als einer der bedeutendsten Künstler Italiens in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und als Wegbereiter der Abstraktion in Italien.
Der Künstler hat mehrfach an der Venedig Biennale (1952, 1958, 1960, 1964, 1966, 1968) und der documenta 2 und 3 (1959, 1964) teilgenommen. 1961 erhielt er den Prix Kandinsky.
Hartwig Ebersbach (*1940)
Sanddüne 1 + 2, 1988
Öl auf Hartfaser
Der Bildtitel des zweiteiligen Gemäldes „Sanddüne“ klingt idyllisch und kontemplativ. Doch genau das erfüllt sich beim Betrachten der Werke nicht. Die Gemälde sind ein wahrer Farb-sturm – starke Kontraste und wilde Pinselstriche treffen aufeinander. Sogar Farbtuben hat der Maler Hartwig Ebersbach direkt auf den Untergrund geklebt. Zwar haben alle seine Gemälde Titel, die auf den Inhalt hindeuten, aber das Dargestellte ist immer stark abstrahiert. Für Ebersbach, der seinen individuellen Malstil in der intensiven Auseinandersetzung mit dem belgischen Maler und Grafiker James Ensor (1860–1949) entwickelte, steht die Auseinandersetzung mit der Farbe selbst im Vordergrund. Die beiden Gemälde wurden 1991 für die Kunstsammlung der Bundesbank angekauft.
Biografie
Hartwig Eberbach wurde 1940 in Zwickau (Deutschland) geboren. Er studierte von 1959 bis 1964 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig Malerei bei Bernhard Heisig. Dort hatte er auch von 1979 bis 1985 einen Lehrauftrag. Ebersbach ist seit 1996 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin und der Sächsischen Akademie der Künste, Dresden.
Der Künstler erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Unter anderem 1985 den Kunstpreis der Stadt Düsseldorf, 2006 den Jerg-Ratgeb-Preis, Reutlingen und 2017 den Max-Pechstein-Ehrenpreis der Stadt Zwickau.
Günther Förg (1952-2013)
Ohne Titel, 1995
3 Siebdrucke
Die Siebdrucke von Günther Förg fallen vor allem durch ihre intensiven Farben und starken Kontraste auf. Immer wieder werden die strahlenden Farbfelder von schwarzen Gittern und Balken radikal durchbrochen oder begrenzt. Doch Günther Förg war nicht nur Maler. Er arbeitete interdisziplinär und setzte sich als Fotograf mit moderner Architektur auseinander. Diese Sichtweise erkennt man auch in seiner Malerei wieder: er stellt die Farbflächen so einander gegenüber, dass ein dreidimensionaler Bildraum entsteht. So tritt das schwarze Gitter zum Beispiel deutlich nach vorn. Günther Förgs Malweise ist ein ständiges Changieren zwischen Flächen und Proportionen. Die Farbe ist so aufgetragen, dass sie durchlässig erscheint, aber trotzdem intensiv strahlt.
Biografie
Günther Förg (1952-2013) wurde in Füssen (Deutschland) geboren und studierte von 1973 bis 1979 unter anderem bei Karl Fred Dahmen an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1992 nahm er an der documenta IX teil und war von 1992 bis 2009 Professor für Gestaltung an der Hochschule in Karlsruhe. Ab 1999 hatte er eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste München inne.
1996 wurde Günther Förg der Wolfgang-Hahn-Preis verliehen. Er erhielt zu Lebzeiten große internationale Anerkennung und hatte zahlreiche Ausstellungen in renommierten Galerien und Museen weltweit. Seine Werke sind in zahlreichen, internationalen Sammlungen vertreten.
Tino Geiss (*1978)
Deutscher Tisch, 2011
Piano, 2011
2 Klebecollagen
Tino Geiss interessiert sich in seinem künstlerischen Werk für Innenräume. Immer wieder schafft er Abbilder meist menschenleerer Wohn- und Arbeitsräume. Dabei nutzt er eine besondere Technik: er reißt Papierstreifen, bemalt und klebt sie auf. So entstehen Klebecolla-gen, in denen sich das Bild aus einzelnen Stücke zusammensetzt – so wie sich auch unsere Realität aus Bruchstücken zusammenfügt. In den Collagen, die kunstgeschichtlich an holländische Interieurs des 17. Jahrhunderts anknüpfen, erkennt man Stühle, Tische und andere Gegenstände. Diese Hinterlassenschaften erzählen uns Geschichten über ihre Bewohner/innen. Die zwei Collagen wurden 2013 für die Kunstsammlung der Bundesbank angekauft.
Biografie
Tino Geiss wurde 1978 in Jena (Deutschland) geboren und studierte von 2001 bis 2008 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Arno Rink und Neo Rauch. Anschließend war er Meisterschüler bei Ingo Meller und Neo Rauch und verbrachte ein Jahr an der Royal Academy of Arts London.
Der Künstler erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. So zum Beispiel 2007 das Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes und 2012 das Aufenthaltsstipendium der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi. 2009 erhielt er den Preis der Jungen Akademie.
Emanuel Seitz (*1973)
Ohne Titel, 2006
Acryl auf Leinwand
Auf dem großen Gemälde von Emanuel Seitz nimmt man als erstes die schwarze Spirale war, die sich über die gesamte Bildfläche windet. Die Spirale teilt die Bildfläche in verschiedene farbige Felder und gibt dem Bild eine räumliche Tiefe. Neben dieser räumlichen Wirkung der Spirale spielt auch ihre symbolische Wirkung eine wichtige Rolle. Die Spirale steht für den Kreislauf des Lebens, der Natur, der Sonne und ist in vielen Kulturen ein Fruchtbarkeitssymbol. Emanuel Seitz selbst sagt über seine Malerei: „Früher war mein Konzept, Landschaft zu empfinden. Jetzt ist es eine eher abstrakte Auseinandersetzung mit Farbfeldern. Dadurch formt sich auch eine Art Landschaft. Oder Tiefe. Oder Räumlichkeit.“ Das Gemälde wurde anlässlich seiner Ausstellung „Perspektiven der Gegenwart“ in der Bundesbank 2016 angekauft.
Biografie
Emanuel Seitz wurde 1973 in Dingolfing (Deutschland) geboren und lebt und arbeitet heute in München. Er studierte von 1996 bis 2003 an der Akademie der Bildenden Künste in München und war Meisterschüler von Günther Förg.
Der Künstler erhielt zahlreiche Preise, z. B. den bayrischen Kunstförderpreis 2011. Verschiedene Stipendien, wie 2010 der Cité International des Arts von Paris oder 2012 ein USA-Stipendium ließen ihn verschiedene Eindrücke sammeln. Emanuel Seitzs Werke werden regelmäßig ausgestellt, u. a. in der Galerie Jacky Strenz in Frankfurt, in der Galeria Heinrich Ehrhardt in Madrid, in der Galerie Christine Mayer in München oder 2021 im Oldenburger Kunstverein.
Jorinde Voigt (*1977)
Symphonic Parts / Rhythmus Berlin 1 bis 6, 2011
6 Farblithografien auf Bütten
In Jorinde Voigts künstlerischer Arbeit geht es darum, unsichtbare naturwissenschaftliche und kulturelle Phänomene auf dem Blatt sichtbar zu machen. Sie untersucht zum Beispiel Temperaturverläufe, Pulsschläge, Adlerflüge, Himmelsrichtungen oder Popsongs. Um diese auf dem Blatt zu visualisieren, hat die Künstlerin eine codierte Schreibweise entwickelt. Jede Linie, jedes zeichnerische Element hat eine Bedeutung und in der Gesamtheit ergibt sich – wie in dieser Serie – eine gezeichnete Melodie. Die einzelnen Melodien verdichten sich auf dem Blatt zu einer gemeinsamen Form, die den Bildcharakter der Zeichnung bestimmt und die die Künstlerin als „Sinfonie“ bezeichnet. Ergänzt werden die Zeichnungen durch einen breiten, roten Pinselstrich, der den gestischen Moment von Jorinde Voigts Arbeitsweise einfängt. Die Serie wurde 2013 für die Kunstsammlung angekauft.
Biografie
Jorinde Voigt wurde 1977 in Frankfurt am Main (Deutschland) geboren. Sie studierte zunächst Philosophie, Literaturwissenschaft und Soziologie an der Universität Göttingen und der Freien Universität Berlin. Von 1999 bis 2003 studierte sie Kunst an der Universität der Künste Berlin bei Christiane Möbus. 2001 war sie für einen Studienaufenthalt am Royal College of Art in London. Jorinde Voigt wechselte in die Klasse für Bildenden Kunst und Fotografie zu Katharina Sieverding, bei der sie 2004 als Meisterschülerin ihr Studium abschloss.
Sie war von 2014 bis 2019 Professorin an der Akademie der Bildenden Künste München. Seit 2019 ist sie Professorin an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Jorinde Voigt erhielt zahlreiche Preise und Stipendien für Auslandsaufenthalte. Unter anderem wurde sie 2008 mit dem Otto-Dix-Preis der Stadt Gera ausgezeichnet und 2012 mit dem Daniel & Florence Guerlain Contemporary Drawing Prize. Die Künstlerin ist in zahlreichen Museen sowie privaten und öffentlichen Sammlungen international vertreten.
Jonas Weichsel (*1982)
Untitled, 2012
Blau, 2012
Schrift, 2012
Hosk, 2012
Schwung, 2012
Wind of Change, 2012
6 Siebdrucke
Die sechsteilige Grafikserie von Jonas Weichsel hat die Bundesbank 2023 angekauft. Die Werkgruppe ist für das Schaffen des Künstlers von besonderer Bedeutung. In den Grafiken hat er verschiedene Techniken erprobt, die er später zu eigenständigen Werkgruppen entwickelte. So experimentierte Weichsel zum Beispiel mit der Druckerpresse. Er ließ Farbreste auf der Presse, die beim nächsten Druck wie eine Spur auf dem Blatt „Untitled, 2012“ erscheinen. Auch mit der Druckplatte selbst experimentiert der Künstler. Entweder nutzt er eine Druckplatte mehrfach und das Motiv erscheint spiegelbildlich, wie in „Blau, 2012“, oder er verwendet dieselbe Druckplatte für einen anderen Siebdruck, wie in „Wind of Change, 2012“. Außerdem beschäftigt sich Weichsel mit der Farbe, der Komposition mehrerer Farben zueinander („Hosk, 2012“) und der Linie als Grundelement. So entstand beispielsweise der Entwurf zu „Schwung, 2012“ während einer U-Bahnfahrt. An der Linie lässt sich die Strecke der Bahn nachempfinden: mit jeder Kurve verändert auch die Linie ihre Richtung.
Biografie
Jonas Weichsel wurde 1982 in Darmstadt (Deutschland) geboren. Er studierte von 2004 bis 2012 an der Akademie für Bildende Künste in Mainz und an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Tomma Abts. Von 2009 bis 2012 war er Meisterschüler von Judith Hopf an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste „Städelschule“ in Frankfurt am Main. Er lebt und arbeitet in der Nähe von Frankfurt am Main.
Jonas Weichsel erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Unter anderem 2008 das Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes, 2012 das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium und zuletzt den Preis der Villa Romana in Florenz.