Der digitale Euro macht Europa unabhängiger Gastbeitrag in der Handwerkszeitung
Seit rund einem Vierteljahrhundert zahlen wir mit der europäischen Gemeinschaftswährung, dem Euro. Noch immer sind Euro-Banknoten und -Münzen das einzige europäische Zahlungsmittel, mit dem wir überall im Euroraum bezahlen können. Bisher gibt es kein digitales Bezahlverfahren „made in Europe“, mit dem in allen Euroländern in allen Situationen bezahlt werden kann. Das muss sich ändern. Wir brauchen den digitalen Euro als Ergänzung zum Bargeld.
Heute profitieren vor allem Anbieter aus dem Ausland von der fortschreitenden Digitalisierung im Zahlungsverkehr. Rund zwei Drittel der digitalen Zahlungen in Europa werden über außereuropäische Zahlungsanbieter wie Visa, Mastercard oder Paypal abgewickelt. Nur wenige Euroländer haben eigene, nationale Zahlungslösungen. Diese eignen sich nicht für Zahlungen über Ländergrenzen hinweg. Mit der deutschen Girocard etwa können wir in Italien nur bezahlen, weil sie mit Mastercard kooperiert. Für Unternehmen mit direktem Kundenkontakt, die auf Bezahllösungen angewiesen sind, wirkt sich die Dominanz weniger globaler Zahlungsdienstleister negativ aus. Sie zahlen hohe Gebühren. Die Abhängigkeit macht sie zudem anfälliger bei technischen Störungen.
Mit dem digitalen Euro wird es eine zentrale, von europäischen Institutionen betriebene und kostengünstige Zahlungsinfrastruktur geben. Das wird die deutsche und europäische Wirtschaft stärken. Die europäische Infrastruktur ermöglicht zudem einen sicheren Umgang mit unseren Daten.
Für das deutsche Handwerk bedeutet der digitale Euro geringere Zahlungskosten und schnellere Zahlungseingänge durch einfaches Inkasso vor Ort. Ist der Auftrag erledigt, geht das Geld vom Kunden ein. Perspektivisch sind auch „smarte“ Zahlungen denkbar, etwa eine automatisch ausgelöste Abschlagszahlung nach Abnahme einer Handwerksleistung. Mit dem digitalen Euro werden die Verbraucherinnen und Verbraucher sogar offline zahlen können. Damit wird unser Zahlungssystem resilienter, weil es eine Zeit lang ohne Internetverbindung auskommt.
Als gesetzliches Zahlungsmittel benötigt der digitale Euro einen Rechtsrahmen, der derzeit auf europäischer Ebene verhandelt wird. Im Jahr 2029 könnten die Menschen im Euroraum erstmals mit dem digitalen Euro bezahlen. Es wird höchste Zeit, dass Europa in einem systemrelevanten Bereich wie dem Zahlungsverkehr unabhängiger wird.