Preismast an der Tankstelle ©studio v-zwoelf / AdobeStock

Bundesbank-Monatsbericht: Energiekrisen 2021/22 und 2026 im Vergleich

Der Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus haben die globalen Energiemärkte erschüttert und Erinnerungen an das Jahr 2022 geweckt, als der russische Angriff gegen die Ukraine die Energiekrise der Jahre 2021/22 erheblich verschärfte. Im aktuellen Monatsbericht untersuchen Fachleute der Bundesbank die Unterschiede und Parallelen der beiden Energiekrisen. 

Gemeinsamkeiten: Energieversorgung als Druckmittel

In beiden Fällen wurde die Energieversorgung im Zuge militärischer Konflikte als wirtschaftliches Druckmittel eingesetzt, so die Fachleute. Russland hatte bereits 2021, also noch vor dem Angriff auf die Ukraine, seine Gaslieferungen nach Europa gedrosselt, um geopolitischen Einfluss zu gewinnen. In der aktuellen Krise wurde mit der Straße von Hormus eine zentrale Route des globalen Energiehandels zum geopolitischen Druckmittel. Infolgedessen stiegen in beiden Situationen die globalen Energiepreise sprunghaft an.

Trotz dieser Parallelen unterscheiden sich die Ausgangslagen, die betroffenen Energieträger und die Wirkungen der beiden Krisen deutlich.

Unterschiedliche Ausgangslagen an den Energiemärkten

Ein wesentlicher Unterschied ist in der Lage der Energiemärkte vor Ausbruch der Krisen und in den Ursachen zu sehen, schreiben die Fachleute. Vor Beginn des russischen Angriffskriegs waren die globalen Energiemärkte bereits angespannt. Die damalige kräftige Erholung der Weltwirtschaft nach der Pandemie ließ die Energienachfrage steigen. Damit zogen die Energiepreise bereits im Jahr 2021 deutlich an. Hinzu kam, dass Russland seine Gaslieferungen nach Europa schon vor Kriegsbeginn drosselte. Die russische Invasion im Februar 2022 verschärfte die Lage weiter, weil die Sorge vor weiteren Angebotsausfällen zunahm. 

Vor Beginn des Irankriegs hingegen waren die Öl- und Gasmärkte gut versorgt, und die Energiepreise lagen deutlich niedriger als zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Die Sperrung der Straße von Hormus und der damit einhergehende Angebotsschock trafen die Märkte somit in einer wesentlich günstigeren Ausgangslage, so die Expertinnen und Experten. 

Aktuelle Krise trifft vor allem den Ölmarkt 

Ein weiterer Unterschied liegt in den betroffenen Energieträgern. Während die Energiekrise 2021/22 insbesondere die Gas- und Strommärkte traf, liegt der Schwerpunkt 2026 auf dem Ölmarkt. Die Blockade der Straße von Hormus führte zu einem Rückgang des globalen Ölangebots um rund 11 Prozent, während das Gasangebot um gut 2 Prozent sank.

Die Rohölnotierungen der Sorte Brent übertrafen seit Beginn des Irankriegs ihren Vorkrisenstand im Mittel der Monate März und April um rund 60 Prozent, schreiben die Fachleute. Damit stiegen die Preise etwas stärker an als während der Krise 2021/22. Vor allem eine mögliche zeitnahe Deeskalation des Konflikts, die günstige Ausgangslage und die umfangreichen Puffer auf dem Ölmarkt verhinderten noch stärkere Preisausschläge. 

Die europäischen Gas-, Kohle- und Strompreise stiegen in der aktuellen Krise hingegen bislang weitaus weniger stark an als 2021/22. 

Asiatische Volkswirtschaften von der aktuellen Krise besonders betroffen

Auch die regionale Betroffenheit unterscheide sich, heißt es in dem Bericht. Die Energiekrise 2021/22 traf insbesondere Europa. Der Wegfall russischer Gaslieferungen war hier nur schwer und kostspielig zu ersetzen. Entsprechend stiegen die Energiepreise in Europa damals wesentlich stärker als in anderen Weltregionen. 

Die aktuelle Krise ist hingegen globaler geprägt. Öl wird in größerem Umfang weltweit gehandelt als Gas, das häufig über Pipelines transportiert wird und damit stärker regional gebunden ist. 

Die Blockade der Straße von Hormus hat daher Auswirkungen auf alle Regionen. Dennoch leiden unter der aktuellen Krise viele asiatische Volkswirtschaften, die einen hohen Anteil ihrer Energieimporte aus dem Nahen Osten beziehen, besonders stark, schreiben die Autorinnen und Autoren. Dort dürften die Anpassungskosten besonders hoch sein, zudem können sich Versorgungsengpässe früher bemerkbar machen als in anderen Regionen.

Energiepreisschock in Europa bislang kleiner als 2021/22 

Insgesamt erscheint der bisherige Energiepreisschock spürbar weniger breit angelegt und zumindest in Europa deutlich kleiner als in den Jahren 2021/22, schreiben die Fachleute weiter. Darauf deuten verschiedene globale Energiepreisindizes hin, welche die Preisentwicklung von Öl, Gas und Kohle zusammenfassen. Verglichen mit dem Vorkrisenzeitraum stiegen diese 2021/22 um 76 Prozent bis 145 Prozent. In der aktuellen Krise liegt der Anstieg bislang bei 43 Prozent bis 64 Prozent. Ein Grund für den geringeren Anstieg ist neben den unterschiedlichen Preisentwicklungen auch die Zusammensetzung des globalen Energieverbrauchs. Öl macht darin nur etwa 30 Prozent aus. Andere Energieträger, die in der Krise 2021/22 deutlich stärker betroffen waren, haben zusammen einen größeren Anteil.

Weitere Entwicklung bleibt unsicher

Für die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen werden aber letztlich Intensität und Dauer des Konflikts entscheidend sein, so der Bericht. Die Energiekrise 2021/22 wirkte über Jahre nach. Die aktuelle Krise könnte bei einer schnellen Deeskalation vergleichsweise kurzlebig bleiben. Sollte der Konflikt jedoch anhalten und die Straße von Hormus länger blockiert bleiben, könnte sich die Lage auf den globalen Energiemärkten noch deutlich verschärfen und die Energiepreise spürbar weiter steigen.