Bundesbankpräsident Nagel besuchte das House of the Euro ©Fabian Huttner

Bundesbankpräsident Nagel besucht das House of the Euro ZiZ-Newsletter – Mai 2026

Bundesbankpräsident Joachim Nagel besuchte am 22. April 2026 das House of the Euro in Brüssel. Im Mittelpunkt standen der Austausch mit den dort ansässigen Zentralbankrepräsentanzen sowie eine Abendveranstaltung zum digitalen Euro und zur strategischen Autonomie Europas.

Bereits am Nachmittag traf Nagel die Vertreter der im House of the Euro vertretenen Zentralbanken. Nach einleitenden Worten des Bundesbankpräsidenten berichteten die Kolleginnen und Kollegen der Europäischen Zentralbank sowie der Zentralbanken von Irland, Malta, Slowenien, Frankreich und Italien über ihre Arbeit in Brüssel, ihre Erfahrungen vor Ort und die gemeinsame Zusammenarbeit. Das House of the Euro ermöglicht eine enge Kooperation der Zentralbanken unter einem gemeinsamen Dach in Brüssel, welche in dieser Form seit nun über zwei Jahren besteht. Der regelmäßige fachliche Austausch, die kurzen Wege zwischen den Repräsentanten und die Veranstaltungen im House of the Euro machten deutlich, welchen Mehrwert dieser Ort für den Dialog unter europäischen Zentralbanken und mit den Institutionen in Brüssel bietet. Das House of the Euro ist damit nicht nur ein Standort in unmittelbarer Nähe zur EU, sondern auch ein Forum für den kontinuierlichen Austausch zu aktueller Geld-, Finanz- und Europapolitik.

Diskussion: Nagel gemeinsam mit José Antonio Álvarez (Santander), Isabelle Buscke (Finance Watch), Stelios A. Georgakis (Zentralbank von Zypern) und Michael Hager (Europäische Kommission) ©Iris Haidau

Am Abend hielt Präsident Nagel im House of the Euro eine Grundsatzrede mit dem Titel: „Der digitale Euro: Anker für die strategische Autonomie Europas in einer digitalen Zukunft“. Nagel betonte die Notwendigkeit, die Zahlungsinfrastruktur Europas unabhängiger und widerstandsfähiger zu machen. Er hob hervor, dass der digitale Euro nicht dazu gedacht sei, Bargeld zu ersetzen, sondern es zu ergänzen. Mit dieser digitalen Ergänzung zum Bargeld werden wir die Rolle des Zentralbankgeldes in einer zunehmend digitalen Welt erneuern, sagte Nagel. Der digitale Euro könnte dazu beitragen, die Fragmentierung des europäischen Zahlungsmarktes zu überwinden und als Grundlage für Innovation und Effizienz zu dienen. Ein zentraler Aspekt des digitalen Euro ist die Sicherung der europäischen Souveränität im Zahlungsverkehr. Derzeit werden rund zwei Drittel der Kartenzahlungen in Europa über nicht-europäische Infrastrukturen abgewickelt – eine erhebliche Abhängigkeit. Der digitale Euro könnte diese Abhängigkeiten verringern und Europas Fähigkeit stärken, unabhängig zu handeln. Nagel zeigte sich optimistisch, dass der digitale Euro bald eingeführt werden könnte. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Gesetzgebungsprozess bis Ende des Jahres abgeschlossen werden kann, wodurch der Weg für einen digitalen Euro geebnet wird, der Europas Vision von Souveränität verkörpert, sagte er. Die erste Ausgabe des digitalen Euro könnte dann ab 2029 möglich sein.

Im Anschluss an die Rede diskutierte Nagel gemeinsam mit José Antonio Álvarez (Santander), Isabelle Buscke (Finance Watch), Stelios A. Georgakis (Zentralbank von Zypern) und Michael Hager (Europäische Kommission) wie der digitale Euro Europas strategische Autonomie in einer digitalisierten Zukunft stärken kann.

Die mit mehr als 90 Teilnehmenden voll besetzte Veranstaltung unterstrich das große Interesse an der Zukunft des europäischen Zahlungsverkehrs. Zugleich machte der Besuch deutlich, welche Bedeutung das House of the Euro als Ort des fachlichen Dialogs, der institutionellen Vernetzung und der europäischen Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken gewonnen hat.

Die Repräsentanz der Deutschen Bundesbank in Brüssel befindet sich seit Oktober 2023 im House of the Euro. Sie ist die Schnittstelle der Bundesbank zu den europäischen Institutionen und weiteren Akteuren vor Ort. Sie beobachtet die europäische Finanz- und Währungsagenda, pflegt den Austausch mit EU‑Organen, Verbänden und Think Tanks und bringt die Positionen der Bundesbank in die europäische Debatte ein. Daneben unterhält die Bundesbank Repräsentanzen in New York und Tokio, um in wichtigen Finanzzentren präsent zu sein und den internationalen Dialog zu stärken.