Expertenrunde in Mumbai: Westasien-Krise – Was sie für Indien bedeutet ©Urvashi Ashar

Expertenrunde in Mumbai: Westasien-Krise – Was sie für Indien bedeutet ZiZ-Newsletter – Mai 2026

The implications of the West Asia crisis on the Indian economy in the short, medium and long term” war das Thema einer Veranstaltung im deutschen Generalkonsulat in Mumbai am 6. Mai 2026, zu der die Repräsentantin der Bundesbank in Indien, Dr. Irmela von Schenck, eingeladen hatte. Die Keynote hielt der bekannte Chief Economist der National Stock Exchange in Mumbai, Dr. Tirthankar Patnaik. Zwanzig Teilnehmende, vor allem Ökonomen von Banken und Konsulaten, brachten ihre jeweiligen Perspektiven und Einblicke ein in die Diskussion, die unter Chatham House Rule geführt wurde.

Indien deckt fast 90 % seines Ölbedarfs durch Importe. So ist Indien besonders stark von der Sperrung der Straße von Hormus und von der Zerstörung der Infrastruktur zur Förderung von Öl betroffen. Vor allem angesichts der höheren Ölpreise hat die indische Zentralbank, die Reserve Bank of India (RBI), die Inflationsprognose für das laufende Fiskaljahr auf 4,6 % angehoben; im letzten Fiskaljahr betrug die Inflation 2,1 %. Die höheren Ölpreise und das strukturelle indische Leistungsbilanzdefizit bringen zudem die indische Rupie unter Druck. Am Tag vor der Veranstaltung hatte sie mit 95,43 INR / USD ihr bisheriges Allzeittief erreicht. Dennoch gibt es gute Gründe, die indische Wirtschaft für robuster einzuschätzen als sie in vergangenen kritischen Phasen war, z. B. beim Taper Tantrum 2013. Inflation und auch das Leistungsbilanzdefizit sind heute niedriger, die Währungsreserven mit rund 700 Mrd. USD deutlich höher. Sie decken Importe von 11 Monaten ab; im Jahr 2013 waren es sechs bis sieben Monate. Risiken für den weiteren Konsolidierungskurs für den Bundeshaushalt ergeben sich aus den steigenden Zinsen für Staatsanleihen und dem Mehr an fiskalischen Maßnahmen, die insbesondere angesichts der steigenden Preise für Düngemittel ergriffen wurden.

Expertenrunde in Mumbai: Westasien-Krise – Was sie für Indien bedeutet ©Ashumi Shroff

Indien gehört zu den am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften; für das laufende Fiskaljahr geht die RBI von 6,9 % Realwachstum aus. Dieses Wachstum wird vor allem binnenwirtschaftlich getragen, vom privaten Konsum und von öffentlichen Investitionen. So ist Indien weniger anfällig für globale Konjunkturabschwächungen als exportorientierte Volkswirtschaften.

Bei der Veranstaltung der Bundesbank kam ein offener und fruchtbarer Austausch zustande. Dies wurde allseits wertschätzend betont. Bisher gibt es in Mumbai kein solches Angebot für Ökonomen und Fachleute des Finanzmarkts für einen vertieften Austausch in einem kleineren Rahmen. So wurde mehrfach der Wunsch geäußert, dass vergleichbare Veranstaltungen folgen mögen – ein Wunsch, dem in einem halbjährigen Rhythmus entsprochen werden soll.