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Öl auf Leinwand
Ralf Dereich fällt durch eine feine und zugleich spontane Malerei auf. In hellen Farben werden zahlreiche Schichten rasch nass in nass übereinander aufgetragen, sodass sie sich vermischen, überlagern und eine schimmernde, lebendige Oberfläche bilden. Auf diesen farbig angelegten Hintergrund setzt er elegant geschwungene Linien, die bisweilen Assoziationen an organische Formen, Aktdarstellungen oder Landschaftsmotive wecken, sich jedoch nie konkret festlegen lassen. In Werken wie „NoT_019“ aus dem Jahr 2011 stellt Dereich seine subtilen Farbkompositionen einem rohen, kaum kontrollierbaren Element gegenüber. Er überträgt den rechteckigen Abdruck eines noch nassen Gemäldes wie einen Stempel direkt auf die Leinwand und nimmt die zufällig entstehenden Formen bewusst in Kauf. Die nasse Farbe haftet auf der hellen, glatten Bildfläche und fließt anschließend in eigenen Strukturen nach unten. Das „Bild im Bild“ erweitert den sorgfältig austarierten Bildraum um eine weitere Ebene. Später werden diese Stempel selbst zu eigenständigen Gemälden überarbeitet und erhalten wiederum neue Linien und Strukturen.
Solche kreativen Wechselprozesse zwischen den einzelnen Arbeiten sind typisch für Dereichs Vorgehen. Er arbeitet einerseits sehr klar und konzentriert in Serien, bezieht andererseits aber auch Zufälle ein, die sich während des Malens ereignen. Indem er seine Mittel lapidar und transparent einsetzt, lädt Dereich die Betrachtenden dazu ein, das Geschehen auf der Leinwand bewusst wahrzunehmen und nachzuvollziehen. Das Auge bleibt ständig in Bewegung, um die wechselnden Schwerpunkte und reizvollen Kontraste zu verfolgen.
Biografie
Ralf Dereich, geboren 1976, studierte von 2001 bis 2005 an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz bei Friedemann Hahn sowie an der Akademie der Bildenden Künste München bei Markus Oehlen. Dereichs Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, darunter 2011 in der Deutschen Bundesbank Frankfurt. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.
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Übermalte Fotografie, Diptychon
Bei der Herstellung von Gebrauchsgegenständen verbinden Menschen seit jeher das Nützliche mit dem Wunsch nach Schönem. Dies zeigen Töpferwaren und Geschirr aus verschiedenen Zeiten und Kulturen: Sie dienen nicht nur ihrem Zweck, sondern verweisen mit ihren geometrischen Mustern oder floralen Verzierungen auf die ästhetischen Vorstellungen der Herstellenden und auf das historische und geografische Umfeld.
In dieser traditionsreichen und vielfältigen Welt der Dinge gründet sich Helen Feifels künstlerische Arbeit. Ihre Plastiken entstehen aus „gefundenen“ Keramiken. Auch in ihren Fotoarbeiten spielen diese Objekte eine zentrale Rolle. Sie werden zerschlagen und von Helen Feifel neu komponiert und zusammengesetzt. Die Einzelteile bleiben dabei so erhalten, dass Spuren des Vergangenen deutlich sichtbar und ursprüngliche Formen noch erkennbar sind. Das Alte bleibt präsent und verbindet sich in den Kunstwerken mit neuen Assoziationen.
Arbeiten wie „Untitled 8“ verweisen auf die klassische holländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Damals wurden einfache Haushaltsgegenstände, wertvolles Geschirr, Früchte, Blumen und Wildbret zu prächtigen Stillleben arrangiert. Helen Feifel greift diese Motive auf. In ihrer Fotoarbeit sind die Scherben zerbrochener Krüge mit ihren abgerundeten Bruchkanten so angeordnet, dass sie sowohl an dekorativ präsentierte Jagdbeute als auch an das prächtige Tafelgeschirr barocker Stillleben erinnern.
Mit diesen vielfältigen Verweisen erzeugt Helen Feifel ein dichtes Netz zwischen Gebrauchsdingen und Kunstobjekten, das sich über verschiedene Kulturen und Epochen erstreckt. Dabei verwandelt sie die Eigenschaften ihrer Fundstücke in neue Bilder und bewahrt deren sinnliche Qualitäten.
Biografie
Helen Feifel, geboren 1983 in Schwäbisch Gmünd, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Meuser und Daniel Roth. Ihre Arbeiten wurden in nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. 2015 waren sie in der Deutschen Bundesbank ausgestellt. Von 2022 bis 2023 lehrte die Künstlerin Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
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Farbholzschnitt
Helmut Andreas Paul (HAP) Grieshaber prägte mit seinen Holzschnitten das ästhetische Empfinden im Nachkriegsdeutschland. Ausgehend vom Expressionismus, stets an der Grenze zur Abstraktion, war es ihm ein Anliegen, die zentralen Themen seiner Zeit wie Verletzung, Gewalt, Schuld und Aussöhnung sichtbar zu machen. Grieshaber stand zu jener Zeit selbst an einem Wendepunkt, nahm eine Stelle als Dozent an der Bernsteinschule bei Sulz am Neckar an und traf dort auf viele junge, durch Krieg und Vertreibung schwer traumatisierte Menschen, darunter auch seine zukünftige Frau. Grieshaber glaubte an die befreiende, erlösende Kraft der Kunst, die jeden wieder ins Leben zurückholen kann, und eine Vielzahl seiner Holzschnitte, denen er die Wertigkeit eines Tafelbildes zuschrieb, erzählen davon.
Die Darstellung in Grieshabers druckgraphischem Blatt „Abend“ ist geprägt von einer radikalen Reduktion der Formen. Die Figuren sind auf klare Konturen und kontrastreiche Farbflächen zurückgeführt. Auf individuelle Züge wird verzichtet, Mann und Frau erscheinen als archetypische Gestalten, deren Beziehung zueinander durch Körperhaltung und Farbwahl angedeutet, aber nicht eindeutig festgelegt wird. Die kontrastreichen Farben Rot und Schwarz könnten die unterschiedlichen, den Geschlechtern zugeordneten Prinzipien von Aktivität und Passivität betonen. Was ist wohl das Thema zwischen den beiden? Wie entwickelt sich ihre Begegnung?
Biografie
HAP Grieshaber wurde 1909 geboren und absolvierte zunächst eine Schriftsetzerlehre. Ab 1930 studierte er an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart. Von 1955 bis 1960 war er Professor an der Kunstakademie Karlsruhe und wurde 1956 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Für sein Œuvre erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Er nahm an der Biennale in Venedig und mehrfach an der documenta teil. 1981 starb er in Eningen unter Achalm.
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Öl auf Leinwand
Per Kirkeby ist weit gereist. Als diplomierter Feldgeologe zog es ihn schon früh nach Grönland. Später folgten Reisen nach Mittelamerika und Südeuropa, nach Australien, Bali, Polynesien, Neuseeland und Marokko. Die Begegnung mit fremden Landschaften und die Nähe zur Natur wurden zu wichtigen Inspirationen für seine künstlerische Arbeit, die er im Anschluss an sein naturwissenschaftliches Studium begann. Auch wenn alles Gegenständliche im Diffusen bleibt, legt Kirkeby dennoch Wert darauf, dass seine Bilder Bezugspunkte in der Wirklichkeit, in der Welt, in der Natur haben. Atmosphärisch erinnert „Walden V.“ vielleicht an die erdige Feuchte eines Waldes, an Licht, das über Wasser flimmert. Doch Kirkeby legt sich nicht fest. Solche Anklänge bleiben in seinen Bildern immer vage, offen für eigene Deutungen.
Seine Gemälde entstehen in vielen Überarbeitungsphasen. Immer wieder trägt er Farbschichten auf, wischt sie stellenweise ab und setzt Linien, die er anschließend verreibt. Ein solcher Prozess des Wachsens, Revidierens und Überlagerns weist selbst eine Nähe zur Natur auf. Die Farbe setzt dabei den Impuls, auf den der Künstler mit Spontaneität und Dynamik reagiert.
Biografie
Per Kirkeby wurde 1938 in Kopenhagen geboren. Er lehrte an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und der Städelschule Frankfurt am Main. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und lebte und arbeitete in Kopenhagen, Læsø, Frankfurt und Arnasco. Er starb 2018 in seiner Geburtsstadt.
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Kohle auf Pergamentpapier
Die Bildwelt von Konrad Klapheck besteht aus Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Bügeleisen und Telefonen, aus Fahrradklingeln, Schrauben und Wasserhähnen. Seit 1955 hat sich der Künstler konsequent dieser Dinge des alltäglichen Lebens angenommen und ist ihnen als Objekte seiner Malerei, allen wechselnden Vorlieben des Kunstmarktes zum Trotz, treu geblieben. So galt Klapheck in den Zeiten von Informel und Tachismus als Außenseiter, im Kontext der Pop-Art hingegen plötzlich als Trendsetter. Beides war ihm gleichgültig: Seine Form der gegenständlichen Malerei ist weder Konsumkritik noch Warenästhetik, er versteht sie als Erzählmodus für die eigene Biografie.
Denn die auf den ersten Blick funktional wirkenden Gegenstände fungieren als Stellvertreter des Menschen. Eine Duscharmatur mit verschlungenem Brauseschlauch wird hier zur „schwierigen Gattin“. Solche verspielten und doppeldeutigen Titel sprechen den Dingen menschliche Eigenschaften zu und machen banale Alltagsobjekte zu Protagonisten surrealer Szenen, die mit feinem Spott und humorvoller Distanz gesellschaftliche Rollenbilder und die Beziehung des Menschen zur Technik hinterfragen.Biografie
Konrad Klapheck wurde 1935 in Düsseldorf geboren. Von 1954 bis 1958 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bruno Goller. Zwischen 1976 und 2002 hatte er dort eine Professur inne. Klapheck lebte und arbeitete in Düsseldorf und starb dort im Jahr 2023.
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Öl auf Leinwand
Mitte der 1980er Jahre wuchs in der DDR der gesellschaftliche Unmut. Im Zuge einer vorsichtigen Liberalisierung der Kulturpolitik wurden vermehrt Ausreiseanträge bewilligt und internationale Ausstellungen ermöglicht; zahlreiche Künstlerinnen und Künstler verließen das Land. Walter Libuda hingegen blieb. Die Themen Aufbruch, Grenze und existenzielle Entscheidung verarbeitete er bildlich, ohne sich explizit als politischen Maler zu positionieren. Seine Werke eröffnen jedoch Deutungsspielräume, die sich vor dem historischen Hintergrund durchaus politisch lesen lassen.
Charakteristisch für Libudas Malerei ist ein unruhiger, spannungsvoller Duktus. Seine Bilder entstehen häufig parallel und stehen motivisch wie formal in engem Bezug zueinander. Wiederholtes Übermalen und prozesshafte Veränderungen prägen seine Arbeitsweise. Auch die beengten gesellschaftlichen und räumlichen Verhältnisse der DDR prägten seine künstlerische Praxis nachhaltig. Bis etwa 1991 entstanden Gemälde, in denen farbige Konturen einen Ausgleich zu intensiven Farbflächen bilden. Farbe erscheint nicht als bloßes Gestaltungsmittel, sondern als Material von besonderer Gewichtung und Präsenz. Der Gestus wird zunehmend expressiver; die Malerei wirkt kraftvoll, die Figuren kompakt und verdichtet.
Besonders deutlich wird dies in den Gemälden „Bergsteiger I“ und „Mann im Berg“
Das Bergsteigen ist ein zentrales Motiv, das in der DDR als beliebtes Freizeitangebot galt und für Naturerfahrung sowie Selbstprüfung stand. Seit dem 19. Jahrhundert wird es zudem romantisch als Symbol für Aufstieg und Weltabkehr betrachtet. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Bergsteigen als Metapher für Grenzerfahrungen und die Möglichkeit der Überwindung persönlicher, gesellschaftlicher oder politischer Grenzen verstehen.
Biografie
Walter Libuda wurde 1950 in Zechau-Leesen geboren. Von 1973 bis 1979 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Bernhard Heisig und hatte dort bis 1985 einen Lehrauftrag. Seine Werke wurden unter anderem 1982 auf der XII. Biennale in Venedig, im Musée d’Art Moderne, Paris sowie in Oxford, London und Oslo gezeigt. Er war Mitglied im Deutschen Künstlerbund sowie in der Sächsischen Akademie der Künste. Libuda lebte und arbeitete in Schildow bei Berlin und starb dort 2021.
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Öl auf Leinwand
Mitte der 1980er Jahre wuchs in der DDR der gesellschaftliche Unmut. Im Zuge einer vorsichtigen Liberalisierung der Kulturpolitik wurden vermehrt Ausreiseanträge bewilligt und internationale Ausstellungen ermöglicht; zahlreiche Künstlerinnen und Künstler verließen das Land. Walter Libuda hingegen blieb. Die Themen Aufbruch, Grenze und existenzielle Entscheidung verarbeitete er bildlich, ohne sich explizit als politischen Maler zu positionieren. Seine Werke eröffnen jedoch Deutungsspielräume, die sich vor dem historischen Hintergrund durchaus politisch lesen lassen.
Charakteristisch für Libudas Malerei ist ein unruhiger, spannungsvoller Duktus. Seine Bilder entstehen häufig parallel und stehen motivisch wie formal in engem Bezug zueinander. Wiederholtes Übermalen und prozesshafte Veränderungen prägen seine Arbeitsweise. Auch die beengten gesellschaftlichen und räumlichen Verhältnisse der DDR prägten seine künstlerische Praxis nachhaltig. Bis etwa 1991 entstanden Gemälde, in denen farbige Konturen einen Ausgleich zu intensiven Farbflächen bilden. Farbe erscheint nicht als bloßes Gestaltungsmittel, sondern als Material von besonderer Gewichtung und Präsenz. Der Gestus wird zunehmend expressiver; die Malerei wirkt kraftvoll, die Figuren kompakt und verdichtet.
Besonders deutlich wird dies in den Gemälden „Bergsteiger I“ und „Mann im Berg“.
Das Bergsteigen ist ein zentrales Motiv, das in der DDR als beliebtes Freizeitangebot galt und für Naturerfahrung sowie Selbstprüfung stand. Seit dem 19. Jahrhundert wird es zudem romantisch als Symbol für Aufstieg und Weltabkehr betrachtet. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Bergsteigen als Metapher für Grenzerfahrungen und die Möglichkeit der Überwindung persönlicher, gesellschaftlicher oder politischer Grenzen verstehen.„Mann im Berg“ zeigt eine sitzende Figur im Inneren eines Gebirgsmassivs. Das Motiv kann als Bild des Rückzugs verstanden werden. In der DDR bedeutete „Bleiben“ für viele eine Form innerer Emigration – ein Leben im System bei gleichzeitiger Distanz. Der Berg erscheint so ambivalent als Schutzraum und Gefängnis zugleich. Auch real war er präsent: Der Braunkohlebergbau bildete eine zentrale wirtschaftliche Grundlage, der Bergmann galt als sozialistischer „Held der Arbeit“. Libudas Figur entzieht sich jedoch dieser heroischen Zuschreibung und verharrt in stiller, existenzieller Verdichtung.
Biografie
Walter Libuda wurde 1950 in Zechau-Leesen geboren. Von 1973 bis 1979 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Bernhard Heisig und hatte dort bis 1985 einen Lehrauftrag. Seine Werke wurden unter anderem 1982 auf der XII. Biennale in Venedig, im Musée d’Art Moderne, Paris sowie in Oxford, London und Oslo gezeigt. Er war Mitglied im Deutschen Künstlerbund sowie in der Sächsischen Akademie der Künste. Libuda lebte und arbeitete in Schildow bei Berlin und starb dort 2021.
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Öl auf Leinwand
Als zentrale Figur der deutschen Nachkriegsabstraktion gewann Ernst Wilhelm Nay mit den ab 1955 in Köln entstandenen „Scheibenbildern“ internationale Anerkennung. Unterschiedlich große, verschiedenartige Kreise werden über die Bildfläche verteilt und in ein spannungsreiches Gleichgewicht gebracht. Die Scheibe ist dabei kein aufgesetztes Zeichen, sondern ergibt sich aus der Malerei selbst, aus der Weise, wie Farbe sich nach dem ersten Pinselstrich ausbreitet und rundet. Der Kreis steht für die vollkommene und nicht begrenzbare Urform schlechthin.
Das Gemälde „Firmament“ entstand 1963, in jenem Übergangsjahr zwischen den „Scheibenbildern“ und den sogenannten „Augenbildern“, in denen Nay begann, die Scheiben durchzustreichen. „Firmament“ ist dabei kaum als Illustration des Himmelsgewölbes zu lesen. Im Vordergrund stehen vielmehr Fragen der Bildgestaltung. Geformt wird der Flächenraum durch Rhythmus, Dynamik und Chromatik. Warme Gelbtöne werden gegen kalte sowie helle gegen dunkle Farben gesetzt, alles in ein sorgfältig austariertes Verhältnis gesetzt. Konkret erscheinen jeweils zwei rote, zwei blaue und zwei gelbe Kreise. Die übrigen Farben stehen in unmittelbarer Beziehung zu diesen Primärfarben, so das Grün, als Mischton aus Gelb und Blau. Weiß und Schwarz setzen starke Hell-Dunkel-Kontraste und stiften jene eigentümliche Spannung, die das Bild zusammenhält.
1964 erregten die „Augenbilder“ auf der documenta III durch ihre spektakuläre Hängung an der Decke großes Aufsehen und lösten eine heftige Debatte über die abstrakte Malerei aus. Nay stand damals auf dem Höhepunkt seines Erfolgs.
Biografie
Ernst Wilhelm Nay wurde im Jahr 1902 in Berlin geboren und studierte von 1925 bis 1928 bei Karl Hofer an der Kunstakademie Berlin. Im Jahr 1931 erhielt er den Kunstpreis der Preußischen Akademie der Künste und verbrachte einen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Kunstpreis der Stadt Köln im Jahr 1952. Ab 1953 hatte Nay einen Lehrauftrag an der Landeskunstschule Hamburg und wurde 1956 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er starb 1968 in Köln.
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Öl auf Leinwand, Diptychon
Die Arbeit „NO“ ist Teil einer Gemäldeserie, die auf einer von Tobias Rehberger entwickelten, typographischen Umsetzung des lateinischen Alphabets basiert. Die aus Einzeltafeln zusammengesetzten Werke bilden kurze, prägnante Wörter, wie beispielsweise „YES“ und „NO“. Indem Rehberger diese zeichenhaften Buchstaben zu Worten und Akronymen zusammenfügt, regt er nicht nur dazu an, diese „Buchstaben“ zu entziffern, sondern thematisiert auch auf spielerische Weise die Lesbarkeit von abstrakter Kunst. Die Gemälde changieren so zwischen ungegenständlicher Malerei und Typographie. Darüber wirken die Tafeln durch ihre Gestaltung extrem räumlich, obwohl sie tatsächlich zweidimensional sind. Mit ihrer geometrischen Formgebung und leuchtenden Farbigkeit erinnern sie an die Op-Art der 1970er Jahre.
Das Gemälde „NO“ ist repräsentativ für Rehbergers künstlerisches Schaffen. Der Künstler verbindet in seinen Arbeiten immer wieder auf innovative Weise die Felder Kunst, Design und Architektur. Er hat Skulpturen, Gemälde, Rauminstallationen und großflächige Kunst-am-Bau-Projekte geschaffen. 2009 wurde er auf der Venedig-Biennale mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Dort gestaltete er ein Café, dessen schwarz-weiße Ornamentik Boden, Wände und Möbel umfasste und die Grenzen des Raums optisch auflöste. Auch das Gemälde „NO“ greift diese Formensprache auf.
Biografie
Tobias Rehberger wurde 1966 in Esslingen geboren. Seit 2001 ist er Professor für Bildhauerei an der Städelschule in Frankfurt. Er zählt zu den einflussreichsten Künstlern seiner Generation. Seine Werke werden regelmäßig in großen Einzelausstellungen in internationalen Institutionen gezeigt und sind in bedeutenden Sammlungen vertreten. Rehberger hat zahlreiche Preise erhalten und realisierte mehrere große Projekte im öffentlichen Raum, darunter 2016 den Skulpturenpfad „24 Stops“ zwischen der Fondation Beyeler in Riehen und dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Der Künstler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
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Linolschnitt auf Papier
Kreise, die an Planeten erinnern, sind nur ein Element aus dem schier überbordenden Kosmos von Jens Schubert. In Werken wie „Himmelsmaschine“ nutzt er ein opulent farbiges Vokabular an Symbolen, Motiven und Ornamenten, die in den Linolschnitten immer neue Verbindungen eingehen. Die Architektur des Art déco findet hier ebenso ihren Platz wie Motive aus Fantasy- und Comic-Zeichnungen. Alles wird in starken Farben und Kontrasten miteinander verwoben.
Für seine Werke nutzt Jens Schubert die Technik des Linolschnitts. Anders als üblich geht es ihm dabei jedoch nicht darum, mehrere identische Drucke von einer Platte herzustellen. Vielmehr fasziniert ihn das experimentelle Potenzial dieser Technik, deren Grenzen er in seinen Arbeiten immer wieder auslotet: Verschiedene Formen, wie etwa Kreise, werden ausgeschnitten und wie Stempel einzeln gedruckt: übereinander, nebeneinander, mehrfach an unterschiedlichen Stellen, erneut übereinander – so lange, bis die Komposition vollendet ist. So entstehen in aufwendigen Druckprozessen ausschließlich Unikate, in denen Arbeitsspuren, Kanten, Unregelmäßigkeiten, Fingerabdrücke und Korrekturen deutlich sichtbar bleiben.
Mit der eindringlichen, pastosen Vielfarbigkeit seiner Bilder erinnert Schuberts Formensprache mitunter an Volkskunst. Nicht das realitätsnahe Abbilden oder Erzählen von Geschichten steht für Jens Schubert im Vordergrund, vielmehr konzentriert er sich auf die emotionale Kraft seiner Werke. Sie laden den Betrachter ein, eigene Assoziationen zu entwickeln.
Biografie
Jens Schubert wurde 1983 in Schwarzenberg im Erzgebirge geboren. Er studierte Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo er 2011 sein Studium in der Meisterklasse bei Annette Schröter beendete. 2015 wurden seine Arbeiten in einer Einzelausstellung in der Deutschen Bundesbank Frankfurt präsentiert. Der Künstler lebt und arbeitet in Leipzig.
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Mischtechnik und Collage auf Leinwand
Wie ein glühender, zäh dahinfließender Lavastrom scheinen sich die Farben auf dem Gemälde „Rot 65“ von Fred Thieler ihren Weg gebahnt zu haben. Einmal erstarrt, haben sie die Gestalt rot-schwarzer Inseln und sich grau-weiß kräuselnder Pfützen angenommen. Schlieren und Schrunden strukturieren die Oberfläche und formen ein reliefartiges Gefüge von beinahe geologischer Anmutung.
Die Formen spiegeln den Entstehungsprozess unmittelbar wider. Thieler legte die Leinwand flach auf den Atelierboden und ließ die Farben aus Kanistern und Dosen auf den Malgrund laufen. Den Farbfluss lenkte er dabei intuitiv durch Anheben, Falten und Kippen der Leinwand oder durch schnelle Eingriffe mit dem Pinsel. So gab er dem Zufall, im unmittelbaren Prozess des Malens, Form und Richtung. Thieler selbst verstand dieses Malen als ein „forschendes Tun“, das ihn seit 1964, neben der Beschränkung auf wenige Grundfarben, auch mit Collage-Elementen experimentieren ließ.
Diese offene, dynamische Art des „Bildermachens“ rückt den Berliner Künstler aus heutiger Sicht in die Nähe des amerikanischen Action-Painting und der Drip Paintings von Jackson Pollock. In Deutschland zählte Fred Thieler zu den prägenden Malern des Informel. Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben sie der abstrakten Kunst entscheidende Impulse, indem sie die Malerei aus den herkömmlichen Gestaltungsprinzipien lösten. Maßgeblich war dabei jene produktive Spannung zwischen Zufall und Lenkung, in der sich das Bild nicht als Entwurf, sondern als Ergebnis eines offenen, prozesshaften Geschehens formt.
Biografie
Fred Thieler wurde 1916 in Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) geboren. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München war er 1949 Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49. Von 1959 bis 1981 lehrte er als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Thieler erhielt zahlreiche internationale Anerkennungen, darunter den Lovis-Corinth-Preis im Jahr 1985. Er starb 1999 in Berlin.