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Holzschnitt auf Zerkall Papier
„Nachtfahrt“ ist eine neunteilige Serie, die von Mobilität handelt, ohne eine Geschichte oder Reise zu erzählen. Man sieht Fahrbahnen, Brücken, Laternen, jene beiläufigen, halb bewussten Eindrücke des Fahrens, die im nächsten Moment schon ersetzt sind. Man muss sich Christiane Baumgartners „Nachtfahrt“ zunächst wie ein Missverständnis vorstellen: Video, dieses ungeduldige Medium der Gegenwart, wird ausgerechnet zum Rohstoff für den Holzschnitt, jenes widerspenstig langsame Verfahren, das sich seit Dürer gegen das Verschwinden stemmt. Baumgartner nimmt dem bewegten Bild das, was es am wenigsten sein will: den Stillstand. Aus eigenen Videoaufnahmen isoliert sie einzelne Frames und überführt sie in ein streng horizontales Linienraster.
Dieses Raster entsteht zuerst am Computer: Die hochaufgelösten Bilddaten werden Schritt für Schritt reduziert, bis aus der Szene eine horizontale Linienstruktur wird, die wie eine Erinnerung an die Videoästhetik wirkt. Die Linien werden über Wochen in eine Holzplatte geschnitten und im klassischen Hochdruckverfahren auf Papier übertragen. Übrig bleibt ein Bild, das zwischen Gegenständlichkeit und abstrakter Struktur oszilliert: Aus der Nähe sind es vibrierende Linien, ein flimmerndes Gewebe, das wie ein Bildrauschen wirkt. Erst mit Abstand setzt sich eine Szenerie zusammen, als würde das Auge das Motiv regelrecht „berechnen“ müssen.
Baumgartner macht mit „Nachtfahrt“ sichtbar, dass jedes Bild, ob Video oder Druck, eine Übersetzung ist: aus Daten, aus Punkten, aus Linien. So entsteht aus neun Holzschnitten, die weder einen Startpunkt noch ein Ziel kennen, ein Kommentar zur Gegenwart, ganz ohne belehrenden Ton. Baumgartner moralisiert nicht über die Bilderflut. Sie zeigt vielmehr, was diese mit uns macht. Wer Nachtfahrt betrachtet, merkt, dass Wahrnehmung kein Automatismus ist, sondern eine Arbeit, die Zeit braucht. Und genau diese Zeit nimmt sie sich selbst mit ihren Werken.
Biografie
Christiane Baumgartner, geboren 1967 in Leipzig, studierte von 1988 bis 1994 an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst und am Royal College of Art in London. Sie erhielt bereits einige Förderpreise und Auszeichnungen. Ihre Werke waren in Ausstellungen im Städelmuseum in Frankfurt, im Kupferstichkabinett Berlin, im Museum of Modern Art in New York und der Albertina in Wien zu sehen. Baumgartner lebt und arbeitet in Leipzig und auf Hiddensee.
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Acryl und Kasein auf Leinwand
Zwei Kreisformen bestimmen das Bild. Leicht aus der Mitte versetzt und ohne durch eine geschlossene Linie begrenzt zu sein, scheinen sie zu schweben. Eine unregelmäßige Abfolge von Streifen konterkariert diese Formen, durchkreuzt und unterwandert sie. Eine klare Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund ist nicht erkennbar. Interferenzen durchlaufen den Bildraum. Sie sind das bestimmende Strukturprinzip. Orientierungslos ist das Auge gezwungen, hin- und herzuspringen, ohne je zur Ruhe oder zu einem sicheren Ergebnis zu kommen. Der ständige vergebliche Versuch, Zustände festzuhalten und Unterscheidungen zwischen den einzelnen Partien oder Strukturen zu treffen, lässt die Bewegung selbst zu einem zentralen Motiv werden. Der Farbklang mutet sachlich, wenn nicht gar technisch an: Maximale Kontraste von Schwarz und Weiß werden nur sparsam durchbrochen von einem Grün, wie man es vielleicht aus der Industrie oder von Barcodes kennt. Fragile blaue Linien sind so schmal angefügt, dass man beinahe geneigt ist, sie einer optischen Täuschung zuzuschreiben.
Günter Fruhtrunk war ein wichtiger Wegbereiter der konstruktiven und konkreten Kunst in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit seinem eigenständigen Stil, der sich klar von der informellen und gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus abgrenzte, prägte er die abstrakte Kunst maßgeblich. Fruhtrunk wandte sich bewusst gegen die subjektive, spontane Geste und bevorzugte stattdessen eine rationale, geometrische Bildsprache. Bemerkenswert ist, dass sein Einfluss weit über den Kunstbetrieb hinausreichte: Mit dem von ihm entworfenen Streifenmuster der berühmten Aldi Nord Tüte wurde seine konstruktive Ästhetik Teil des Alltags und ist bis heute ein ikonisches Beispiel für die Verbindung von Kunst und Design.
Biografie
Günter Fruhtrunk wurde 1923 in München geboren. Von 1940 bis 1941 studierte er Architektur an der Technischen Universität München. 1954 erhielt er ein Stipendium des Landes Baden-Württemberg. Von 1967 bis zu seinem Tod im Jahr 1982 war Fruhtrunk Professor an der Akademie der Bildenden Künste München.
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Öl auf Leinwand
Welch ein Naturschauspiel! Aus großer Höhe blickt man vom Aussichtspunkt Cloef in Orscholz auf die sich tief im Tal in Form einer Schleife windende Saar. Umschlossen vom Flusslauf liegt eine bewaldete und begrünte Hügelkette. Dahinter erstreckt sich kilometerweit eine hügelige Landschaft mit Feldern und Wäldern, durch die sich die Saar mäandernd hindurchschlängelt. Dieser einmalige Fernblick im Dreiländereck zwischen Deutschland, Luxemburg und Frankreich zog bereits im 19. Jahrhundert viele Reisende an und wurde als romantisches Flussmotiv in zahlreichen Ölgemälden und Grafiken festgehalten. Erich Heckel, Mitbegründer der Dresdener Künstlergruppe „Brücke“ und einer der bekanntesten deutschen Expressionisten, malte die Landschaft aus der Vogelperspektive erstmals 1933. Dieses Gemälde wurde jedoch 1945 durch einen Atelierbrand zerstört. Die strenge, blockartige Komposition war ihm aber anscheinend so wichtig, dass er das Bild nach Kriegsende, vermutlich auf der Grundlage einer Fotografie, noch einmal malte.
Die Natur diente dem Künstler oft als Seismograf seiner persönlichen und der allgemeinen Befindlichkeiten. Menschenleer und unerreichbar breitet sich der Talgrund vor dem Betrachter aus. Die warmen und kalten Grüntöne der Vegetation kontrastieren mit den Rottönen der Erde und dem Orange des ersten verfärbten Herbstlaubs. Die dramatischen grauen Wolken, deren Grau im Wasserlauf aufgenommen wird, lassen einen plötzlichen Wetterwechsel erwarten. Sie bringen Spannung in die stille, friedliche Landschaft.
Biografie
Erich Heckel wurde 1883 in Döbeln, Sachsen, geboren. Von 1904 bis 1905 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Dresden. Bereits 1905 war er Mitbegründer und Mitglied der Künstlergemeinschaft „Brücke“, der er bis 1913 angehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Heckel von 1949 bis 1955 als Professor an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe tätig. Für sein künstlerisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und 1965 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität in Kiel verliehen. Er starb 1970 in Radolfzell am Bodensee.
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Öl auf Leinwand
Der österreichische Maler Kurt „Kappa“ Kocherscheidt war ein Suchender. Nach einer mehrmonatigen Reise durch Südamerika fand er zu einer Malerei, die sich nicht mehr an Gegenständen festhielt, sondern in erdigen, gebrochenen Farben und kraftvollen Pinselspuren eine eigene Welt entwarf. Als Einzelgänger innerhalb der österreichischen Kunstszene entwickelte Kocherscheidt eine unverwechselbare Bildsprache, die sich bewusst von zeitgenössischen Strömungen absetzte. Seine Werke kreisen um existenzielle Fragen nach dem Sein, der Vergänglichkeit und der Beziehung des Menschen zur Natur.
Das große Ölbild, entstanden kurz vor seinem Tod, zeigt auf dunklem Grund eine gelb-braune Fläche, daneben ein angeschnittenes braunes Oval. Es ist kein Stillleben, keine Landschaft, und doch wird die Natur darin spürbar. Die Farben wirken wie aus der Erde gehoben, die Formen scheinen einander Halt zu geben und treten in einen stillen Dialog.
Man sieht, wie die Farbschichten aufgetragen wurden, wie der Pinsel geführt wurde und meint fast, die Geräusche des Malprozesses zu hören. In den archaisch anmutenden Formen und der betonten Materialität der Malerei spiegelt sich Kocherscheidts tiefe Auseinandersetzung mit den Grundbedingungen menschlicher Existenz wider.
Biografie
Kurt Kocherscheidt wurde 1943 in Klagenfurt geboren. Von 1961 bis 1965 studierte er an den Akademien der bildenden Künste in Wien und Zagreb. 1968 gründete er die Künstlergruppe „Wirklichkeiten“, die mit einer Ausstellung in der Wiener Secession an die Öffentlichkeit trat. Seine Werke wurden in renommierten Museen und Ausstellungen präsentiert, darunter im Essl Museum in Klosterneuburg, im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien sowie auf der documenta IX in Kassel. Kocherscheidt starb 1992 in Wels, Oberösterreich.
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Siebdruck auf Büttenpapier, Unikat
In den lichtdurchfluteten Werken von Peyman Rahimi entstehen Parallelwelten, in denen Erinnerung und Vergänglichkeit miteinander verflochten sind. Aufgewachsen im Iran, den er mit 22 Jahren verließ, verarbeitet Rahimi in seiner Kunst persönliche Erlebnisse und kulturelle Erfahrungen. Der großformatige Siebdruck von 2008 zeigt, wie zentral das Licht in seinem Werk ist: Aus schwarzen, grauen und weißen Flächen formt sich ein geheimnisvoller Raum, in dem Licht zugleich enthüllt und verbirgt. Reisen nach Rom und die Auseinandersetzung mit der barocken Kunst führten Rahimi zum Thema der Vergänglichkeit, das er in symbolischen Bildern verdichtet – etwa in der Darstellung eines Pferdes, das im Lauf abrupt die Richtung wechselt. Seine Arbeiten wirken wie Erinnerungen, die sich einer klaren zeitlichen oder räumlichen Einordnung entziehen. „Ich möchte das Flüchtige zeigen – Eindrücke, Gefühle, Momente, die verschwinden und wiederkehren“, sagt der Künstler.
Biografie
Peyman Rahimi, geboren 1977 in Teheran, studierte von 1999 bis 2005 an der Städelschule bei Christa Näher. Seine Werke wurden unter anderem 2008 in der Deutschen Bundesbank in Frankfurt, 2020 in der Overbeck-Gesellschaft Lübeck und 2023 im Oldenburger Kunstverein in Einzelausstellungen gezeigt. Er lebt und arbeitet in Frankfurt.
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Papier- und Farbcollagen
Anys Reimann beschäftigt sich mit Fragen der Identität. Als Künstlerin afro-europäischer Herkunft richtet sie ihren Blick besonders auf aktuelle Diskussionen über Herkunft, Geschlecht und die Definition von Körpern. Für ihre figurativen Collagen nutzt sie als Ausgangsmaterial Abbildungen von Gesichtern und Körpern, die sie in Modezeitschriften, kunsthistorischen Büchern oder Zeitungen findet. Die Bilder stammen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. In der Montage verbinden sie sich zu einem persönlichen Archiv der Künstlerin, das Erinnerung, Projektion und gesellschaftliche Bildwelten ineinander verschränkt.
So zeigen beispielsweise die drei Collagen aus der Serie LE NOIRE aus dem Jahr 2023 zusammengesetzte Porträts schwarzer Frauen, in denen verschiedene Fotoausschnitte mit gemalten Partien kombiniert sind. Anys Reimann spielt mit weiblich gelesenen Attributen wie geschminkten Augen und kunstvollen Frisuren und rückt zugleich Brüche und Unstimmigkeiten in den Vordergrund. Indem sie diese Verschiebungen sichtbar macht, legt sie offen, wie sehr unsere Vorstellungen von Weiblichkeit und Identität von überlieferten Bildern und Erwartungen bestimmt sind und lädt damit zu einem differenzierten Blick auf tradierte Zuschreibungen und Klischees ein.
Biografie
Anys Reimann wurde 1965 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium zur Diplom-Ingenieurin arbeitete sie zunächst als Produktdesignerin und studierte von 2012 bis 2019 Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, beispielsweise in der Kunstsammlung NRW, im Kunstmuseum Bonn und im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
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Papier- und Farbcollagen
Anys Reimann beschäftigt sich mit Fragen der Identität. Als Künstlerin afro-europäischer Herkunft richtet sie ihren Blick besonders auf aktuelle Diskussionen über Herkunft, Geschlecht und die Definition von Körpern. Für ihre figurativen Collagen nutzt sie als Ausgangsmaterial Abbildungen von Gesichtern und Körpern, die sie in Modezeitschriften, kunsthistorischen Büchern oder Zeitungen findet. Die Bilder stammen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. In der Montage verbinden sie sich zu einem persönlichen Archiv der Künstlerin, das Erinnerung, Projektion und gesellschaftliche Bildwelten ineinander verschränkt.
So zeigen beispielsweise die drei Collagen aus der Serie LE NOIRE aus dem Jahr 2023 zusammengesetzte Porträts schwarzer Frauen, in denen verschiedene Fotoausschnitte mit gemalten Partien kombiniert sind. Anys Reimann spielt mit weiblich gelesenen Attributen wie geschminkten Augen und kunstvollen Frisuren und rückt zugleich Brüche und Unstimmigkeiten in den Vordergrund. Indem sie diese Verschiebungen sichtbar macht, legt sie offen, wie sehr unsere Vorstellungen von Weiblichkeit und Identität von überlieferten Bildern und Erwartungen bestimmt sind und lädt damit zu einem differenzierten Blick auf tradierte Zuschreibungen und Klischees ein.
Biografie
Anys Reimann wurde 1965 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium zur Diplom-Ingenieurin arbeitete sie zunächst als Produktdesignerin und studierte von 2012 bis 2019 Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, beispielsweise in der Kunstsammlung NRW, im Kunstmuseum Bonn und im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
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Papier- und Farbcollagen
Anys Reimann beschäftigt sich mit Fragen der Identität. Als Künstlerin afro-europäischer Herkunft richtet sie ihren Blick besonders auf aktuelle Diskussionen über Herkunft, Geschlecht und die Definition von Körpern. Für ihre figurativen Collagen nutzt sie als Ausgangsmaterial Abbildungen von Gesichtern und Körpern, die sie in Modezeitschriften, kunsthistorischen Büchern oder Zeitungen findet. Die Bilder stammen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. In der Montage verbinden sie sich zu einem persönlichen Archiv der Künstlerin, das Erinnerung, Projektion und gesellschaftliche Bildwelten ineinander verschränkt.
So zeigen beispielsweise die drei Collagen aus der Serie LE NOIRE aus dem Jahr 2023 zusammengesetzte Porträts schwarzer Frauen, in denen verschiedene Fotoausschnitte mit gemalten Partien kombiniert sind. Anys Reimann spielt mit weiblich gelesenen Attributen wie geschminkten Augen und kunstvollen Frisuren und rückt zugleich Brüche und Unstimmigkeiten in den Vordergrund. Indem sie diese Verschiebungen sichtbar macht, legt sie offen, wie sehr unsere Vorstellungen von Weiblichkeit und Identität von überlieferten Bildern und Erwartungen bestimmt sind und lädt damit zu einem differenzierten Blick auf tradierte Zuschreibungen und Klischees ein.
Biografie
Anys Reimann wurde 1965 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium zur Diplom-Ingenieurin arbeitete sie zunächst als Produktdesignerin und studierte von 2012 bis 2019 Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, beispielsweise in der Kunstsammlung NRW, im Kunstmuseum Bonn und im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
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Linolschnitt auf Papier
Der großformatige Linolschnitt von Christoph Ruckhäberle fällt mit seinen kräftigen Farben und kontrastreichen Mustern sofort ins Auge. Das Werk ist typisch für Ruckhäberles intensive Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Druckgrafik. Der Künstler entwirft seine Arbeiten nicht nur, sondern druckt sie auch selbst. 2007 gründete er zudem den Lubok-Verlag. Seither kooperiert er mit namhaften Zeitgenossen und publiziert aufwendig gestaltete Künstlerbücher mit Originalgrafiken.
Sein Linolschnitt aus dem Jahr 2011 zeigt eine wundersam überlängte Figur. Im extremen Hochformat verschiebt Christoph Ruckhäberle spielerisch die menschlichen Proportionen. Die Formen erinnern an Holzpuppen und Marionetten. In Kombination mit dem teilweise bunt-karierten Hintergrund gewinnen die scharf aneinander gesetzten Farbfelder und die schnittmusterartigen Formen eigentümliche Spannung. Ruckhäberle nutzt die Besonderheiten des Linolschnitts so, dass die Komposition an eine Momentaufnahme aus einem Puppentheater oder Zeichentrickfilm erinnert. Das Motiv der stilisierten und verfremdeten Frau erhält durch die Gitternetzoptik des Hintergrunds eine flirrende Dynamik.
Biografie
Christoph Ruckhäberle wurde 1972 in Pfaffenhofen geboren. 1991/92 studierte er Zeichentrickfilm am California Institute of the Arts in Valencia und erhielt 1993 ein Stipendium des Walt Disney Character Animation Funds. Von 1997 bis 1999 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und wurde dort im Jahr 2000 Meisterschüler bei Arno Rink. 2001 erhielt er ein Stipendium des Freistaats Sachsen. Seine Werke werden regelmäßig in nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. Ruckhäberle lebt und arbeitet in Leipzig.
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Offsetdruck Duplex und Siebdruck
Der Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz gehört zu den bedeutenden Kunstschaffenden seiner Generation. Seine Werke zeichnen sich durch eine charakteristische Bildsprache aus, die sich zwischen den beiden großen Polen der jüngeren Kunstgeschichte, Abstraktion und Figuration, bewegt. Dabei verschränkt er Architekturzitate, Landschaftsdetails, Werbemotive und Comics mit Dingen aus der Alltagskultur.
In der Serie „Set 1 bis 5“ lassen sich viele dieser Elemente wiederfinden. Zu erkennen ist etwa ein schlichtes Wohngebäude, dessen geometrische Grundformen in Schwarz auf weißem Grund durch Farbflächen und Linien in Grün und Rot akzentuiert werden. Ein anderes Blatt zeigt einen Gartenzaun, bei dem Thomas Scheibitz mit den formalen Kontrasten zwischen hell und dunkel spielt. Auf einem weiteren Druck erscheint eine vereinfacht dargestellte Blume, deren runde Form im nächsten Blatt aufgegriffen wird und sich dort in den comicartigen Kopf einer Maus verwandelt.
Thomas Scheibitz verbindet abstrakte Formen mit Versatzstücken vertrauter Motive wie Häusern oder Gesichtern. In diesen Verschiebungen verlieren die Bilder ihre Eindeutigkeit und laden dazu ein, Bezüge zwischen Form, Erinnerung und Lebenswelt neu zu sehen.
Biografie
Thomas Scheibitz wurde 1968 in Radeberg geboren. Nach einer Ausbildung zum Werkzeugmacher studierte er von 1991 bis 1996 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. 2001 zeigte das Stedelijk Museum in Amsterdam seine Werke und 2005 repräsentierte er Deutschland im Pavillon der Biennale in Venedig. 2013 folgte eine Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Seit 2018 ist Thomas Scheibitz Professor für Malerei und Skulptur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Er lebt und arbeitet in Berlin.
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Öl auf Holz
Für Emil Schumacher war Malen weit mehr als das bloße Auftragen von Farbe auf eine Fläche. Der handwerkliche Prozess war eine überaus sinnliche Angelegenheit, bei der nichts bedeutungslos oder unwichtig war. Weder die Zusammensetzung der Farbe, die Auswahl zusätzlicher Materialien wie Sand oder Papier, noch der Akt des Auftragens auf den Bildträger waren für ihn nebensächlich. Industriell hergestellte Farben kamen für ihn nicht in Frage. Statt Leinwand bevorzugte er häufig das in vielerlei Hinsicht schwierig zu bearbeitende Holz.
Die Entstehung seiner Bilder, wie des großformatigen Werks „Arpha“, erforderte Zeit und großen Körpereinsatz. In dicken Schichten trug Schumacher die Farben auf, riss sie in Überarbeitungsphasen wieder auf, entfernte sie stellenweise und spachtelte neue Substanz hinzu. So entstand ein spröder, aber bewegter Untergrund in Erdfarben, vor dem sich ein schwarzes Liniengeflecht kontrastreich abhebt. Der assoziative Blick der Betrachtenden erkennt darin vielleicht die zeichnerische Kurzform eines Hauses. Solche inhaltlichen Zuweisungen standen jedoch weniger in Schumachers Interesse. Seine Bilder wollen nichts erzählen, sie entstehen vielmehr in einem natürlichen Wachstumsprozess aus der Materialität der Farbe und der Motorik des Künstlers. Mit dieser Herangehensweise wurde Schumacher zu einem wichtigen Vertreter der sogenannten informellen Malerei in Deutschland, die sich seit den 1950er Jahren in Europa durchgesetzt hat.
Biografie
Emil Schumacher wurde 1912 in Hagen geboren und studierte von 1932 bis 1935 an der Kunstgewerbeschule in Dortmund. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Guggenheim Award in New York City im Jahr 1958. Er war Professor an den Kunsthochschulen in Hamburg und Karlsruhe und hatte internationale Gastprofessuren inne. Als Mitglied bedeutender Akademien, darunter die Akademie der Künste in Berlin und die Sächsische Akademie der Künste in Dresden, prägte er das kulturelle Leben maßgeblich. Schumacher starb im Jahr 1999 auf Ibiza.
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Acryl auf gebleichtem NesselSteht man vor Anja Schwörers großformatigem Werk „Ohne Titel (AP_0709)“, hat man das Gefühl, in einen unendlichen Raum zu blicken. Im Vordergrund ziehen sich weiße Linien sternförmig über die Leinwand. Sie scheinen vor einem Hintergrund zu schweben, der durch ein Muster aus ineinander liegenden Rauten gegliedert ist. Während die weißen Linien hell aufleuchten, formen unregelmäßig verlaufende Streifen die Rautenstruktur. So entsteht eine faszinierende Tiefenwirkung, die an Science-Fiction-Szenen im Weltraum erinnert.
Die unterschiedlichen Qualitäten der Bildelemente sind das Ergebnis eines besonderen Herstellungsprozesses. Obwohl diese Arbeit wie ein Gemälde auf Keilrahmen präsentiert wird, entsteht sie nicht allein durch das Auftragen von Farbe, sondern ebenso durch den gezielten Entzug. Statt einer klassischen Leinwand dient ihr Stoff als Bildträger, den sie mithilfe traditioneller Textiltechniken bearbeitet. Schwörer greift auf asiatische Faltmethoden zurück, um schwarze Stoffe gezielt zu bleichen und zu entfärben. Die so entstehenden Strukturen sind das Ergebnis eines präzisen Umgangs mit dem Material.
Anja Schwörer verbindet in ihrer Arbeit verschiedene Bildsprachen. Einerseits steht sie in der Tradition der konkreten Kunst, die sich durch rationale Prinzipien und klare geometrische Formen auszeichnet. Andererseits bringt sie mit den kunsthandwerklichen Techniken eine spielerische Komponente ins Werk. Zufall und Materialeigenschaften werden Teil des künstlerischen Prozesses. Beim Entfärben schwarzer Stoffe entstehen keine gleichmäßigen weißen Flächen oder geraden Linien, sondern lebendige Muster in überraschenden Farbnuancen. Damit vereint Schwörers Kunst scheinbare Gegensätze: Strenge Geometrie trifft auf materielle Unvorhersehbarkeit und klassische Kunstgeschichte auf traditionelles Kunsthandwerk.
Biografie
Anja Schwörer wurde 1971 in Kandel geboren. Sie studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Eine wichtige Station war 2005 die Einzelausstellung in der Galerie Jacky Strenz in Frankfurt. International wurde sie spätestens bei Nicelle Beauchenne in New York wahrnehmbar. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
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Mischtechnik auf Leinwand
Henning Strassburgers Ölbild „Randy“, entstanden im Jahr nach seinem Abschluss an der Düsseldorfer Akademie, setzt am Anfang klar an: Links eine schmale, vertikal angelegte blaue Bahn, dann ein weißer Streifen, daneben die große rosa Partie, als könnte die Malerei, mit einem Anflug von Selbstironie, an geläufige Zuschreibungen von Blau und Rosa an Männliches und Weibliches erinnern, ohne sie zu bestätigen.
Doch Strassburger belässt es nicht bei dieser möglichen Andeutung. Über den farbigen Grund legt er breite Pinselschwünge in Grüngelb und Grau, gelegentlich von Weiß akzentuiert, die sich wie tastende Bewegungen über die Fläche ziehen, ohne sie je festzuschreiben. Darüber winden sich schwarze und graue Schlingen, die das Bild durchziehen.
Inmitten dieser malerischen Unruhe klebt oben links ein Zeitungsausschnitt: der Hinterkopf eines Mannes, dazu die Anleitung für die Frisur eines modernen Dandys. Ein Fragment der Medienwelt, das sich wie ein Störsignal in das malerische Gefüge schiebt. Orangefarbene Spritzer treffen den Ausschnitt, als wolle die Malerei das Vorgefundene zurückholen, es in den eigenen Kosmos integrieren und zugleich ironisch brechen.
Der Titel „Randy“, ein umgangssprachlicher Ausdruck für „lüstern“, verschiebt die Lesart des Bildes. Im Zusammenspiel von Farben, Männerkopf und Styling-Anleitung könnte aus gepflegtem Stil und kontrollierter Pose ein Hinweis auf Begehren werden und auf die Rolle, die solche Codes dabei spielen. So entsteht eine ironische Spannung zwischen „Dandy“, Inbegriff von Eleganz und Habitus, und „Randy“, Synonym für Trieb und Begierde. Strassburger spielt mit diesen Zeichen, zeigt ihre Künstlichkeit und lässt sie doch in der Schwebe.
Biografie
Henning Strassburger wurde 1983 in Meißen geboren. Er studierte bei Daniel Richter und Albert Oehlen an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Arbeiten umfassen Malerei, Video und Installation und werden in zahlreichen Gruppen- wie auch Einzelausstellungen präsentiert. Er lebt und arbeitet in Berlin.
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Ohne Titel, 2010
Buntstift auf TonpapierMit filigranen geometrischen Zeichen bearbeitet und verändert Claudia Wieser alte Buchseiten mit Landschaftsmotiven, Interieur- oder Architekturansichten. Die historischen Schwarz-Weiß-Abbildungen sind für die Künstlerin nicht nur Zeugnisse einer vergangenen Zeit, sondern dienen auch als Projektionsfläche und Bezugsfeld für vielschichtige Bildinszenierungen. Auch die Fotografie der finnischen Seenlandschaft bei Sotkamo überspannt Wieser mit einer feinen, goldenen Lineatur zweier übereinanderliegender Rauten, die gleich einem kunstvollen Koordinatensystem den Blick auf sich ziehen. Die Linien korrespondieren mit dem rechteckigen Bildformat, indem sie dessen Ränder jeweils mittig berühren, und nehmen gleichzeitig die Schrägen der abgebildeten Kanus auf.
In immer wieder neuen Kombinationen und Serien bezieht sich Claudia Wieser auf unterschiedliche Zeiträume und stellt mit den Perspektivwechseln vielfältige Bezüge und Interpretationsmöglichkeiten her. Dabei arbeitet die Künstlerin nicht nur mit kleinen Formaten, sondern entwickelt auch Keramiken, Spiegelobjekte und wandfüllende Installationen.
Mit ihrer geometrisierenden Bildsprache greift Wieser insbesondere auf ein konstruktivistisches Formenrepertoire zurück und somit auch auf ein utopisches Moment, das jene Künstler zu Anfang des 20. Jahrhunderts geistig umtrieb: die Kluft zwischen Kunst und Alltag zu überwinden und im Sinne einer umfassenden Lebensgestaltung zu revolutionieren.
Biografie
Claudia Wieser wurde 1973 in Freilassing geboren. Von 1993 bis 1997 absolvierte sie eine Lehre als Kunstschmiedin. Anschließend studierte sie von 1997 bis 2003 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Markus Oehlen. Wiesers Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem 2010 im The Drawing Center in New York und 2023 im Yves Saint-Laurent-Museum in Paris. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
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Ohne Titel, 2010
Buntstift und Blattgold auf TonpapierMit filigranen geometrischen Zeichen bearbeitet und verändert Claudia Wieser alte Buchseiten mit Landschaftsmotiven, Interieur- oder Architekturansichten. Die historischen Schwarz-Weiß-Abbildungen sind für die Künstlerin nicht nur Zeugnisse einer vergangenen Zeit, sondern dienen auch als Projektionsfläche und Bezugsfeld für vielschichtige Bildinszenierungen. Auch die Fotografie der finnischen Seenlandschaft bei Sotkamo überspannt Wieser mit einer feinen, goldenen Lineatur zweier übereinanderliegender Rauten, die gleich einem kunstvollen Koordinatensystem den Blick auf sich ziehen. Die Linien korrespondieren mit dem rechteckigen Bildformat, indem sie dessen Ränder jeweils mittig berühren, und nehmen gleichzeitig die Schrägen der abgebildeten Kanus auf.
In immer wieder neuen Kombinationen und Serien bezieht sich Claudia Wieser auf unterschiedliche Zeiträume und stellt mit den Perspektivwechseln vielfältige Bezüge und Interpretationsmöglichkeiten her. Dabei arbeitet die Künstlerin nicht nur mit kleinen Formaten, sondern entwickelt auch Keramiken, Spiegelobjekte und wandfüllende Installationen.
Mit ihrer geometrisierenden Bildsprache greift Wieser insbesondere auf ein konstruktivistisches Formenrepertoire zurück und somit auch auf ein utopisches Moment, das jene Künstler zu Anfang des 20. Jahrhunderts geistig umtrieb: die Kluft zwischen Kunst und Alltag zu überwinden und im Sinne einer umfassenden Lebensgestaltung zu revolutionieren.
Biografie
Claudia Wieser wurde 1973 in Freilassing geboren. Von 1993 bis 1997 absolvierte sie eine Lehre als Kunstschmiedin. Anschließend studierte sie von 1997 bis 2003 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Markus Oehlen. Wiesers Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem 2010 im The Drawing Center in New York und 2023 im Yves Saint-Laurent-Museum in Paris. Sie lebt und arbeitet in Berlin.