April-Ergebnisse der Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland Kreditrichtlinien für Unternehmen weiter gestrafft
Die im Rahmen des Bank Lending Survey (BLS) befragten deutschen Banken haben ihre Vergaberichtlinien für Kredite an Unternehmen im ersten Quartal 2026 im geplanten Umfang weiter gestrafft. Die Auswirkungen des im Februar einsetzenden Kriegs im Nahen Osten veranlassten die Banken bislang nicht zu zusätzlichen Straffungen. Auch die Richtlinien für Konsumenten- und sonstige Kredite an private Haushalte wurden gestrafft, während sie für private Wohnungsbaukredite nahezu unverändert blieben.
Die Kreditbedingungen gestalteten die befragten Banken in allen Kreditsegmenten restriktiver.
Die Kreditnachfrage im Firmenkundengeschäft stieg marginal an. Im Geschäft mit privaten Haushalten kam es erstmals seit 2023 zu einem Rückgang der Nachfrage, der bei Konsumenten- und sonstigen Krediten deutlicher ausfiel.
Die Quote notleidender Kredite und andere Indikatoren der Kreditqualität wirkten sich im Firmenkundengeschäft restriktiv auf die Kreditvergaberichtlinien der Banken aus.
Die bereits getroffenen und die für die Zukunft erwarteten Leitzinsentscheidungen des EZB-Rats trugen im Winterhalbjahr 2025/26 geringfügig zu einer Verbesserung der Ertragslage der Banken bei. Auch für das Sommerhalbjahr 2026 rechnen die Banken mit einem positiven Effekt der Leitzinsentscheidungen auf ihre Ertragslage.
Die Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) erfasst drei Kreditsegmente: Unternehmenskredite, Wohnungsbaukredite an private Haushalte sowie Konsumenten- und sonstige Kredite an private Haushalte. Die befragten Banken strafften per saldo die Richtlinien (d. h. die internen Richtlinien oder Kriterien einer Bank für die Gewährung von Krediten) für Kredite an Unternehmen und private Haushalte. Der Nettoanteil von Banken, die ihre Anforderungen restriktiver gestalteten, lag für Unternehmenskredite bei + 16 % (nach + 16 % im Vorquartal), bei privaten Wohnungsbaukrediten bei + 4 % (nach + 11 % im Vorquartal) und bei Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte bei + 11 % (nach + 11 % im Vorquartal). Die Straffung der Richtlinien im Unternehmensgeschäft entsprach den Planungen der Banken aus dem Vorquartal. Sie betraf große sowie kleinere und mittlere Unternehmen in einem ähnlichen Ausmaß.
Die Banken begründeten die Straffungen der Richtlinien für Unternehmenskredite und für private Konsumenten- und sonstige Kredite vor allem mit einem gestiegenen Kreditrisiko und ihrer gesunkenen Risikotoleranz. Im Firmenkundengeschäft führten die Banken diese Einschätzung primär auf branchen- und firmenspezifische Faktoren zurück. Dabei beeinflussten die geopolitischen und energiebezogenen Entwicklungen vor dem Hintergrund des Kriegs im Nahen Osten die Kreditrichtlinien laut den Angaben der Banken nur in einem geringen Umfang. Im Geschäft mit Konsumenten- und sonstigen Krediten kam erneut eine gesunkene Kreditwürdigkeit der privaten Haushalte zum Tragen. In beiden Kreditsegmenten trugen daneben wie in den Vorquartalen die gedämpfte allgemeine Wirtschaftslage und die Konjunkturaussichten zur Straffung der Richtlinien bei. Für das zweite Quartal 2026 planen die Banken, die Richtlinien im Unternehmenskreditgeschäft in einem ähnlichen Umfang wie im ersten Quartal zu straffen. Angesichts der Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Kriegs im Nahen Osten schließen die Banken aber weitergehende Anpassungen nicht aus. Im Geschäft mit den privaten Haushalten planen die Banken restriktive Anpassungen bei Wohnungsbaukrediten und weitgehend unveränderte Richtlinien bei Konsumenten- und sonstigen Krediten.
Die Kreditbedingungen (d. h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten) strafften die Banken im Unternehmensgeschäft per saldo. Die restriktiven Anpassungen waren laut Angaben der Banken das Ergebnis deutlich gestiegener Kreditzinssätze und bonitätsunabhängig leicht ausgeweiteter Margen. Zudem legten sie strengere Anforderungen an die Sicherheiten an. Restriktiv wirkten sich vor allem branchen- und firmenspezifische Faktoren sowie die gedämpfte Wirtschaftslage und die Konjunkturaussichten aus. Zudem trugen gestiegene Refinanzierungskosten zu der Straffung bei. Auch die Bedingungen für private Haushalte gestalteten die Banken per saldo restriktiver. In beiden Kreditsegmenten erhöhten die Banken den Kreditzinssatz und verringerten die Höhe der ausgereichten Kredite. Bei den Konsumenten- und sonstigen Krediten weiteten sie zudem ihre Margen unabhängig von der Risikoklasse der Kredite aus und strafften die Sicherheitenerfordernisse. Bei den Wohnungsbaukrediten verengten die Banken dagegen die Margen für durchschnittlich riskante Kredite. Die Banken begründeten die restriktiven Anpassungen mit ihrer gesunkenen Risikotoleranz und gestiegenen Refinanzierungskosten. Bei den Konsumenten- und sonstigen Krediten wirkte zudem das laut Einschätzung der Banken gestiegene Kreditrisiko restriktiv.
Nach Einschätzung der befragten Banken stieg die Nachfrage nach Bankkrediten in Deutschland im ersten Quartal 2026 im Firmenkundengeschäft marginal an, während private Haushalte zum ersten Mal seit 2023 weniger Bankkredite nachfragten als im Vorquartal. Bei den Unternehmenskrediten setzte sich damit zwar die Belebung der Nachfrage fort, die in der ersten Jahreshälfte 2024 begonnen hatte. Die Dynamik der Nachfrageentwicklung schwächte sich aber weiter ab. Außerdem blieb der Nachfrageanstieg im ersten Quartal hinter den Erwartungen der Banken aus dem Vorquartal zurück. Die marginal gestiegene Nachfrage nach Unternehmenskrediten ging allein auf große Unternehmen zurück. Kleine und mittlere Unternehmen fragten etwas weniger Kredite nach. Die Zunahme des Mittelbedarfs betraf zudem nur kurzfristige Kredite. Die marginal gestiegene Nachfrage nach Unternehmenskrediten begründeten die Banken in erster Linie mit dem gestiegenen Finanzierungsbedarf für Fusionen, Übernahmen und Unternehmensumstrukturierungen. Darüber hinaus fragten die Unternehmen mehr Bankkredite für Lagerhaltung und Betriebsmittel nach. Der Mittelbedarf für die Finanzierung von Anlageinvestitionen hingegen war angesichts der herrschenden Unsicherheit rückläufig.
Die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnungsbaukrediten sowie nach Konsumenten- und sonstigen Krediten ging zum ersten Mal seit 2023 zurück. Bei den Wohnungsbaukrediten fiel der Rückgang gering aus, bei Konsumenten- und sonstigen Krediten dagegen deutlicher. In beiden Segmenten blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen der Banken aus dem Vorquartal zurück. Die Kreditablehnungsquote stieg bei Unternehmenskrediten erneut an. Auch bei den Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte nahm die Ablehnungsquote zu, während sie bei Wohnungsbaukrediten praktisch unverändert blieb. Für das zweite Quartal 2026 gehen die Banken von einem nahezu gleichbleibenden Mittelbedarf in allen Kreditsegmenten aus.
Die April-Umfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Refinanzierungsbedingungen der Banken sowie zu den Auswirkungen notleidender Kredite (Non-performing Loans, NPLs) und anderer Indikatoren der Kreditqualität auf die Kreditvergabepolitik der Institute. Zudem wurde eine Frage zu den Auswirkungen der Leitzinsentscheidungen auf die Ertragslage der Banken sowie eine Frage zu den Verbriefungen und deren Auswirkungen auf die Bankkreditvergabe gestellt.
Die deutschen Banken berichteten vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten von einer etwas verschlechterten Refinanzierungssituation. Dies betraf vor allem die Refinanzierung über kurzfristige Schuldverschreibungen. Die bereits getroffenen und für die Zukunft erwarteten Leitzinsentscheidungen des EZB-Rats verbesserten laut Bankangaben die Ertragslage der Banken im Winterhalbjahr 2025/26 marginal. Für das Sommerhalbjahr 2026 rechnen die Banken mit einem positiven Einfluss der Leitzinsentscheidungen auf ihr Zinsergebnis und auf ihre Ertragslage.
Die NPL-Quote (prozentualer Anteil des Brutto-NPL-Bestands am Bruttobuchwert der Kredite) und andere Indikatoren der Kreditqualität wirkten sich im ersten Quartal 2026 aufgrund ihrer Höhe restriktiv auf die Kreditrichtlinien gegenüber Unternehmen aus. Auch für das zweite Quartal 2026 rechnen die Banken damit, dass sich die Kreditqualität im Unternehmensgeschäft restriktiv in den Kreditrichtlinien niederschlagen wird.
Mit Blick auf ihr Verbriefungsgeschäft gaben die Banken an, Verbriefungen vor allem zur Steuerung ihrer Kreditrisiken und zum Freisetzen von Kapital für die Vergabe neuer Kredite zu verwenden. Als wichtigste Anleger nennen die Banken Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds/-kassen, private Investmentfonds sowie andere Banken. Die Verbriefungstätigkeit der Banken erhöhte in den vergangenen zwölf Monaten ihr Kreditvolumen im Unternehmenskreditgeschäft für sich genommen etwas. Für die kommenden zwölf Monate erwarten die Banken deutlich stärkere positive Effekte für ihr Kreditvolumen.
Die viermal im Jahr durchgeführte Befragung zum Kreditgeschäft fand in der Zeit vom 19. März bis zum 7. April 2026 statt. An der Umfrage nahmen in Deutschland 33 Banken teil. Die Rücklaufquote lag bei 100 Prozent.