Die deutsche Zahlungsbilanz im Dezember 2019

12.02.2020 | Deutsche Bundesbank

Leistungsbilanzüberschuss gestiegen

Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im Dezember 2019 einen Überschuss von 29,4 Mrd . Das Ergebnis lag um 5,3 Mrd  über dem Niveau des Vormonats. Zwar ging der Aktivsaldo im Warenhandel zurück, aber deutlich stärker erhöhte sich der Aktivsaldo im Bereich der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen, die Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen umfassen. 

Der Überschuss im Warenhandel sank im Berichtsmonat gegenüber dem Vormonat um 1,9 Mrd  auf 16,1 Mrd . Dabei gaben die Warenausfuhren stärker als die Wareneinfuhren nach. 

Der Aktivsaldo der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen weitete sich im Dezember um 7,2 Mrd  auf 13,3 Mrd  aus. Maßgeblich dafür waren höhere Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen, die zusammen mit dem größeren Überschuss in der Dienstleistungsbilanz die leichte Ausweitung des Defizits bei den Sekundäreinkommen deutlich überwogen. Die Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen stiegen um 6,0 Mrd € auf 15,3 Mrd €. Die wesentliche Rolle spielten dabei höhere Einkünfte aus Agrarsubventionen, die in der Regel gegen Jahresende aus dem EU-Haushalt gezahlt werden. Zudem nahmen insbesondere die Einkünfte aus Vermögenseinkommen zu, vor allem wegen gestiegener Dividendenzahlungen an Gebietsansässige. Der Überschuss in der Dienstleistungsbilanz vergrößerte sich um 1,9 Mrd  auf 2,2 Mrd . Dabei expandierten zwar die Ausgaben, im Wesentlichen aufgrund höherer Aufwendungen im Bereich der sonstigen unternehmensbezogenen Dienste und der EDV-Dienstleistungen. Noch kräftiger wuchsen aber die Einnahmen, da neben größeren Einkünften in den entsprechenden Positionen insbesondere die Einnahmen aus den Gebühren für die Nutzung von geistigem Eigentum stiegen. Das Defizit bei den Sekundäreinkommen nahm um 0,6 Mrd € auf 4,2 Mrd € zu. Die Einnahmen stiegen zwar, maßgeblich aufgrund höherer Einkünfte des Staates aus laufenden Steuern auf Einkommen und Vermögen. Stärker nahmen jedoch die Ausgaben zu, wohinter vor allem staatliche Zahlungen, insbesondere laufende Übertragungen im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit, standen. 

Mittelabflüsse im Wertpapierverkehr

Im Dezember 2019 war die Stimmung an den Finanzmärkten durch Optimismus geprägt; hierzu trug wesentlich eine erste Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China bei. Der grenzüberschreitende Wertpapierverkehr Deutschlands verzeichnete Netto-Kapitalexporte von 35,8 Mrd  (November: 0,9 Mrd ). Ausländische Investoren trennten sich per saldo von deutschen Wertpapieren (28,5 Mrd €). Dabei gaben sie Anleihen (18,6 Mrd €), Geldmarktpapiere (9,0 Mrd €) und Aktien (1,7 Mrd €) ab, wobei hohe Tilgungen inländischer Schuldverschreibungen eine wesentliche Rolle spielten; sie erwarben aber in geringem Umfang Investmentzertifikate (0,8 Mrd €). Inländische Anleger nahmen im Ergebnis Wertpapiere aus dem Ausland für 7,3 Mrd € in ihre Portfolios auf. Sie erwarben Investmentzertifikate (11,8 Mrd €) und Aktien (0,9 Mrd €), trennten sich jedoch von kurz- und langlaufenden Schuldverschreibungen (5,4 Mrd €).

Im Bereich der Direktinvestitionen kam es im Dezember zu Netto-Kapitalexporten von 1,4 Mrd  (nach 8,3 Mrd  im November). Ausländische Firmen zogen Mittel aus verbundenen Unternehmen in Deutschland ab (24,5 Mrd €). Maßgeblich war eine Verringerung der zuvor vergebenen Kredite um 22,9 Mrd €, worin sich insbesondere die Nettotilgungen von Finanzkrediten niederschlug. Zusätzlich verminderten ausländische Unternehmen aber auch ihr Beteiligungskapital in Deutschland um 1,6 Mrd €. In Deutschland ansässige Firmen reduzierten die zuvor grenzüberschreitend bereitgestellten Direktinvestitionsmittel ebenfalls (23,1 Mrd €). Insbesondere ergaben sich im konzerninternen Kreditverkehr per saldo Mittelrückflüsse nach Deutschland (15,1 Mrd €); diese stammten überwiegend aus Finanzkrediten. Darüber hinaus verringerten inländische Unternehmen auch ihr Beteiligungskapital im Ausland (um 8,0 Mrd €).

Im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen), Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, kam es im Dezember zu Netto-Kapitalimporten von 16,1 Mrd  (November: Netto-Kapitalexporte von 26,2 Mrd ). Verantwortlich für den Umschwung waren vornehmlich gesunkene Nettoforderungen der Bundesbank (58,0 Mrd €). Dabei stiegen die TARGET2-Forderungen gegenüber der EZB um 24,7 Mrd . Die Einlagen ausländischer Geschäftspartner legten jedoch noch deutlich stärker zu; maßgeblich hierfür waren deren Ultimodispositionen, die bereits in den letzten Jahren zu einem hohen Mittelaufkommen bei der Bundesbank zum Jahresende geführt hatten. Demgegenüber kam es über die Konten der Monetären Finanzinstitute (ohne Bundesbank) im Ergebnis zu Mittelabflüssen (49,6 Mrd ). Während sich aus den Dispositionen des Staates zum Jahresende ebenfalls Netto-Kapitalexporte ergaben (4,3 Mrd €), verzeichneten die Unternehmen und Privatpersonen Mittelzuflüsse aus dem Ausland (12,0 Mrd €).

Die Währungsreserven der Bundesbank sanken im Dezember – zu Transaktionswerten gerechnet – um 0,1 Mrd .

Vorläufiges Jahresergebnis der Zahlungsbilanz

Nach den bislang vorliegenden Angaben zur Zahlungsbilanz stieg der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands im Jahr 2019, und zwar auf 266,2 Mrd  (nach 246,0 Mrd  im Jahr davor). In der Kapitalbilanz kam es bei den Wertpapiertransaktionen (92,4 Mrd €), bei den Direktinvestitionen (58,8 Mrd €) und im übrigen Kapitalverkehr (20,0 Mrd €) zu Netto-Kapitalexporten.

Endgültige Jahresergebnisse zur Zahlungsbilanz werden im Monatsbericht März 2020 veröffentlicht und näher analysiert.