Die deutsche Zahlungsbilanz im Mai 2026
Leistungsbilanzüberschuss stark zurückgegangen
Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im Mai 2026 einen Überschuss von 10,4 Mrd €. Das Ergebnis lag um 6,2 Mrd € unter dem Niveau des Vormonats. Dahinter stand ein kräftiger Umschwung ins Minus im Bereich der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen, die neben Dienstleistungen auch Primär- und Sekundäreinkommen umfassen. Der Aktivsaldo im Warenhandel weitete sich nur geringfügig aus.
Im Warenhandel erhöhte sich der positive Saldo im Berichtsmonat um 0,5 Mrd € auf 15,4 Mrd €, da die Aufwendungen etwas stärker nachgaben als die Einkünfte. Bei den „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen kehrte sich der Überschuss von 1,7 Mrd € im Vormonat in ein Defizit von 5,0 Mrd €. Dabei spielte auch der um 1,7 Mrd € auf 7,2 Mrd € gestiegene Passivsaldo bei den Dienstleistungen eine Rolle. Hier sanken die Nettoausgaben zwar bei den sonstigen unternehmensbezogenen Diensten, die Zunahme im Reiseverkehr und der Rückgang bei den Nettoeinnahmen aus Gebühren für die Nutzung von geistigem Eigentum waren allerdings stärker. Den Ausschlag gaben jedoch um 6,3 Mrd € auf 5,7 Mrd € geschrumpfte Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen. Dazu trugen maßgeblich die, wie im Mai üblich, gestiegenen Dividendenzahlungen an Gebietsfremde für deren Wertpapierengagements bei. Dividendenzahlungen erhöhten auch die Steuereinkünfte des Staates von Gebietsfremden und waren wesentlich für die Verminderung des Defizits bei den Sekundäreinkommen um 1,2 Mrd € auf 3,5 Mrd €.
Netto-Kapitalexporte
Im Mai kam es zu deutschen Netto-Kapitalexporten von 13,8 Mrd € (nach 3,2 Mrd € im April).
Bei den Direktinvestitionen ergaben sich im Mai Netto-Kapitalimporte von 9,9 Mrd € (nach Netto-Kapitalexporten von 13,9 Mrd € im April). Ausländische Unternehmen führten per saldo ihren Niederlassungen in Deutschland Direktinvestitionsmittel zu (11,8 Mrd €). Sie erhöhten ihre konzerninternen Kredite (8,4 Mrd €) wie auch ihr Beteiligungskapital (3,4 Mrd €). Hiesige Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionen im Ausland um 1,9 Mrd €. Dabei stockten sie ihr Beteiligungskapital im Ausland um 10,0 Mrd € auf. Allerdings zogen sie über den konzerninternen Kreditverkehr Mittel aus dem Ausland ab (8,1 Mrd €).
Im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Deutschlands ergaben sich im Mai Netto-Kapitalexporte von 1,6 Mrd € (nach 3,8 Mrd € im April). Inländische Investoren erwarben per saldo ausländische Wertpapiere für 39,2 Mrd €. Dabei kauften sie Anleihen (25,6 Mrd €), Investmentzertifikate (11,3 Mrd €), Aktien (2,0 Mrd €) und Geldmarktpapiere (0,3 Mrd €). Ausländische Anleger nahmen im Ergebnis inländische Wertpapiere für 37,6 Mrd € in ihre Portfolios auf. Auch sie kauften Anleihen (35,8 Mrd €), sowie Investmentzertifikate (2,1 Mrd €) und Geldmarktpapiere (1,6 Mrd €). Hingegen trennten sie sich von Aktien (1,8 Mrd €).
Die Transaktionen mit Finanzderivaten führten im Mai per saldo zu Mittelabflüssen von 5,7 Mrd € (nach 5,9 Mrd € im April).
Der übrige Kapitalverkehr umfasst Finanz- und Handelskredite, soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen, Bankguthaben und sonstige Anlagen. In diesem Bereich ergaben sich im Mai Netto-Kapitalexporte von 15,5 Mrd € (nach Netto-Kapitalimporten von 19,7 Mrd € im April). Die Monetären Finanzinstitute ohne Bundesbank (27,7 Mrd €) sowie der Staat (6,5 Mrd €) verzeichneten Mittelabflüsse. Bei Unternehmen und Privatpersonen (11,2 Mrd €) kamen Mittel auf. Bei der Bundesbank stiegen zwar die TARGET‑Forderungen gegenüber der EZB (6,2 Mrd €). Die Einlagen von Anlegern außerhalb und innerhalb des Euroraums nahmen aber noch stärker zu, so dass die Bundesbank im übrigen Kapitalverkehr per saldo Kapitalimporte verzeichnete.
Die Währungsreserven der Bundesbank stiegen im Mai – zu Transaktionswerten gerechnet – um 0,8 Mrd €.