Jahresabschluss 2025 Statement bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Geschäftsberichts 2025 der Deutschen Bundesbank
Es gilt das gesprochene Wort.
1 Einleitung
Sehr geehrte Damen und Herren,
auch von meiner Seite herzlich willkommen zu unserer heutigen Bilanzpressekonferenz!
Bevor ich auf die Details des Jahresabschlusses 2025 schaue, möchte ich drei wichtige Botschaften platzieren:
- Das Nettoeigenkapital ist auf 363 Milliarden Euro gestiegen.
- Für Gold gibt es eine Neubewertungsreserve von 387 Milliarden Euro.
- Der Jahresfehlbetrag hat sich mehr als halbiert und dürfte in den Folgejahren weiter zurückgehen.
Das bedeutet: Die Bundesbank ist finanziell solide aufgestellt und kann auch mit einem Bilanzverlust ihre Aufgaben vollumfänglich erfüllen!
Schauen wir uns nun die Entwicklungen im Jahresabschluss 2025 genauer an.
Auch im Jahr 2025 haben sich die finanziellen Belastungen aus den geldpolitischen Maßnahmen der vergangenen Jahre bemerkbar gemacht.
Im Ergebnis weist die Bundesbank 2025 einen Jahresfehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro aus. Im Vorjahresvergleich hat sich der Jahresfehlbetrag, wie eingangs erläutert, damit mehr als halbiert.
Der Jahresfehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro erhöht den Bilanzverlust auf 27,8 Milliarden Euro.
Aber wie bereits gesagt: Die finanzielle Basis der Bundesbank ist sehr stark.
2 Bilanz
Zunächst ein Blick auf die Aktivseite unserer Bilanz:
Die Bilanzsumme ist nur leicht um rund 24 Milliarden Euro zurückgegangen. Zwar gingen die geldpolitischen Anleihebestände zurück, die Goldposition ist allerdings auf einen historischen Höchstwert gestiegen.
Die Aktivseite der Bilanz wird durch drei wesentliche Aspekte geprägt:
- Die Wertpapierbestände aus den geldpolitischen Ankaufprogrammen – APP und PEPP – reduzieren sich aufgrund von Fälligkeiten sukzessive. Im Jahr 2025 sanken die geldpolitischen Wertpapierbestände um 122 Milliarden Euro.
- Die TARGET-Forderung gegenüber der EZB hat sich aufgrund von Liquiditätsabflüssen um 23 Milliarden Euro leicht verringert.
- Die Goldposition ist bewertungsbedingt gegenüber dem Vorjahresende um 125 Milliarden Euro gestiegen und damit auf einen neuen historischen Höchstwert von 395 Milliarden Euro. Der geldpolitisch bedingte Rückgang der Bilanzsumme wird dadurch nahezu ausgeglichen.
Für die Passivseite der Bilanz möchte ich ebenfalls drei Punkte hervorheben:
Aufgrund der rückläufigen geldpolitischen Wertpapierbestände auf der Aktivseite kam es auf der Passivseite zu einem weiteren Rückgang der Einlagen: Die Verbindlichkeiten aus geldpolitischen Operationen sanken gegenüber dem Vorjahr um 137 Milliarden Euro.
Zudem haben sich die sonstigen Euro-Guthaben gegenüber dem Vorjahr –insbesondere aufgrund niedrigerer Bestände von Zentralbanken außerhalb des Euro-Währungsgebiets – um 23 Milliarden Euro reduziert.Der Banknotenumlauf ist ein weiterer wesentlicher Posten auf der Passivseite: Mit dem Ende der Negativzinsphase im Jahr 2022 war das Wachstum des Banknotenumlaufs im Eurosystem faktisch zum Erliegen gekommen. Seit Mitte 2024 hat der Banknotenumlauf bei einigen nationalen Zentralbanken, insbesondere bei der Bundesbank, wieder an Dynamik gewonnen.
Das Volumen der von der Bundesbank begebenen Banknoten steigt auf 990 Milliarden Euro. Der Anteil der Bundesbank an den vom Eurosystem insgesamt ausgegebenen Euro‑Banknoten beträgt entsprechend des Verteilungsschlüssels aber lediglich 397 Milliarden Euro. Der Differenzbetrag von 593 Milliarden Euro schlägt sich in der Passiva 9.2 „Verbindlichkeiten aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs innerhalb des Eurosystems“ nieder.Der dritte Aspekt, auf den ich eingehen möchte, ist der Ausgleichsposten aus Neubewertung: Dieser hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 121 Milliarden Euro auf 388 Milliarden Euro erhöht.
Wie sich die Neubewertungen im Detail auf Gold, Fremdwährungen und Wertpapiere aufschlüsseln, sehen Sie auf der aktuellen Folie.
Die darin enthaltene Neubewertungsreserve für Gold ist bedingt durch die Bewertung zum Marktpreis am Stichtag um 125 Milliarden Euro auf 387 Milliarden Euro gestiegen.
Besonders in der langfristigen Betrachtung ist die Neubewertungsreserve für Gold stark angewachsen. Im Vergleich zum Stand bei Beginn der Währungsunion, Anfang 1999, ist diese Bewertungsreserve derzeit fast 19-mal so hoch.
Die Neubewertungsreserve für Fremdwährungen hat sich um 4 Milliarden Euro deutlich verringert. Ursächlich dafür ist insbesondere der zum Euro schwächere US-Dollar.
Die Neubewertungen von Gold und Fremdwährungen haben Auswirkungen auf das Nettoeigenkapital der Bundesbank.
Lassen Sie uns anschauen, was das Nettoeigenkapital umfasst:
- das Grundkapital und die Rücklagen,
- die Rückstellung für allgemeine Wagnisse,
- den Ausgleichsposten aus Neubewertung sowie
- seit dem Jahresabschluss 2024 den Bilanzverlust.
Wie Sie auf der Grafik sehen, entwickelte sich das Nettoeigenkapital in der mehrjährigen Betrachtung positiv.
Wenn wir auf die letzten Jahre zurückblicken, stieg das Nettoeigenkapital – trotz des Bilanzverlustes. Grund dafür war jeweils der Anstieg der Neubewertung für das Gold.
Gleiches gilt für das Jahr 2025: Das Nettoeigenkapital erhöht sich um 112 Milliarden Euro auf 363 Milliarden Euro, auch wenn der Bilanzverlust dieses Jahr um 8,6 Milliarden Euro auf 27,8 Milliarden Euro steigt. Die Erhöhung des Nettoeigenkapitals ist, wie im Vorjahr, auf einen neuen Höchstwert der Bewertungsreserven für Gold zurückzuführen.
Das Nettoeigenkapital von 363 Milliarden Euro zeigt: Die Bundesbank kann die bestehenden und zu erwartenden Verluste verkraften! Sie kann ihr Mandat vollumfänglich erfüllen. Die Bilanz ist sehr solide!
3 Gewinn- und Verlustrechnung
Schauen wir nun auf die Gewinn- und Verlustrechnung.
Die Ertragslage der Bundesbank hat sich im Vorjahresvergleich erheblich verbessert: Gleichwohl wirken sich die Leitzinserhöhungen der Jahre 2022 und 2023 weiterhin spürbar auf das Jahresergebnis aus.
Auf der Aktivseite halten wir langfristige geldpolitische Wertpapiere mit vergleichsweise niedriger Verzinsung, während auf der Passivseite kurzfristige Einlagen der Banken stehen, die höher verzinst werden.
Nun zu den wesentlichen Positionen unserer aktuellen Gewinn- und Verlustrechnung:
Die wichtigste Komponente der Gewinn- und Verlustrechnung ist der Nettozinsertrag. Lag dieser 2024 noch bei minus 13,1 Milliarden Euro, liegt er 2025 bei minus 4,2 Milliarden Euro. Der Nettozinsertrag entwickelt sich also in die richtige Richtung.
Wie kommt es zu dieser Entwicklung?
Wie bereits erläutert, sind aus den geldpolitischen Wertpapierankäufen längerfristige festverzinsliche Positionen mit niedriger Verzinsung entstanden. Diesen stehen auf der Passivseite der Bilanz – als Gegenposten – vor allem kurzfristige, höher verzinsliche Einlagen der Geschäftsbanken gegenüber.
Aus dem Auseinanderklaffen der Fristigkeiten ergibt sich in der Bilanz eine offene Euro-Zinsposition. Durch den signifikanten Anstieg des Einlagesatzes in den Jahren 2022 und 2023 hat sich das in der offenen Euro-Zinsposition enthaltene Zinsänderungsrisiko materialisiert und den Nettozinsertrag belastet.
Konkret heißt das für das Jahr 2025: Die Verzinsung der geldpolitischen Wertpapiere lag im Berichtsjahr bei durchschnittlich 0,58 Prozent, während aus den geldpolitischen Einlagen der Kreditinstitute eine Zinsbelastung von durchschnittlich 2,31 Prozent resultierte.
Daraus errechnet sich eine negative Zinsmarge von 1,73 Prozent. Sie ist aufgrund der Leitzinsentwicklung deutlich gegenüber dem Vorjahreswert von 3,28 Prozent gesunken. Zudem hat sich infolge von Fälligkeiten bei den geldpolitischen Wertpapieren die offene Euro-Zinsposition im Jahresdurchschnitt 2025 um rund 24 Prozent verringert.
Im Ergebnis führt dies zu einer spürbar geringeren Belastung des Nettozinsertrags.
Kommen wir nun zum 2. Balken, dem Nettoergebnis aus Finanzoperationen und Abschreibungen bei Devisen und Wertpapieren. Dieses liegt per saldo bei minus 226 Millionen Euro und damit um 1,1 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert. Dies ist vor allem auf Wechselkursverluste zurückzuführen.
Kommen wir zu den Monetären Einkünften.
Diese entsprechen den Zinserträgen aus geldpolitisch bedingten Aktiva, abzüglich der Zinsaufwendungen aus den diesen gegenüberstehenden Passivpositionen. Die daraus resultierenden Netto-Zinserträge werden im Eurosystem gemäß Kapitalschlüssel geteilt.
In Balken 3 sehen wir die Belastung aus dem Nettoergebnis aus Monetären Einkünften. Diese liegt im Jahr 2025 mit 1,7 Milliarden Euro deutlich niedriger als im Vorjahr.
Der Rückgang um 3,8 Milliarden Euro ist insbesondere auf die Zinssenkungen und die Änderung des Referenzzinssatzes zurückzuführen. Seit Anfang des Jahres 2025 wird dafür nicht mehr der Hauptrefinanzierungssatz, sondern der niedrigere Einlagesatz herangezogen. Dies führt dazu, dass sich die negative Zinsmarge zwischen der tatsächlichen Verzinsung und dem Referenzzins verringert. Das ist vor allem bei den geldpolitischen Supra-Wertpapieren relevant.
Dabei handelt es sich um von supranationalen Institutionen ausgegebene Wertpapiere, die von anderen nationalen Zentralbanken im Rahmen der Ankaufprogramme PSPP und PEPP erworben wurden. Die Bundesbank selbst hat keine Bestände. Die Umverteilungseffekte bei den monetären Einkünften resultieren fast ausschließlich aus diesen geldpolitischen Supra-Wertpapieren. Der Bestand des Eurosystems beläuft sich im Jahresdurchschnitt auf 368 Milliarden Euro. Die daraus resultierenden Einkünfte und Risiken werden im Eurosystem geteilt.
Die Supra-Wertpapierbestände haben nur eine geringe Verzinsung. Als Differenz zum Einlagesatz ergibt sich im Jahresdurchschnitt 2025 eine negative Zinsmarge von etwa 1,6 Prozent. Im Vorjahr betrug diese gegenüber dem Hauptrefinanzierungssatz noch 3,6 Prozent. Die daraus resultierenden Mindererträge bei den betroffenen nationalen Zentralbanken werden im Rahmen der monetären Einkünfte zwischen den nationalen Zentralbanken des Eurosystems ausgeglichen. Auf die Bundesbank entfällt gemäß ihrem Kapitalanteil von 26,6 Prozent eine Belastung von etwa 1,6 Milliarden Euro, im Vergleich zu einer Belastung von 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2024.
Der 4. Balken zeigt den Personalaufwand, der im Jahr 2025 um 322 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen ist. Dies ist auf höhere Zuweisungen zu den Personalrückstellungen zurückzuführen, die infolge der allgemeinen Tarif- und Besoldungserhöhungen notwendig wurden.
Für das Jahr 2025 ergibt sich insgesamt ein Jahresfehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 hatte der Jahresfehlbetrag 19,8 Milliarden Euro betragen, zum teilweisen Verlustausgleich konnten jedoch noch Rücklagen in Höhe von insgesamt 0,7 Milliarden Euro genutzt werden.
Zusammen mit dem aus 2024 bestehenden Verlustvortrag in Höhe von 19,2 Milliarden Euro beträgt der Bilanzverlust 2025 damit 27,8 Milliarden Euro und wird in das Jahr 2026 vorgetragen.
4 Schluss
Lassen Sie mich die wichtigsten Punkte zusammenfassen:
Die positive Nachricht ist, die Vermögenswerte der Bundesbank sind erheblich größer als ihre Verpflichtungen. Das Nettoeigenkapital beträgt 363 Milliarden Euro und ist damit um 44,7 Prozent gestiegen!
Der Jahresfehlbetrag 2025 hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert, ist aber mit 8,6 Milliarden Euro weiterhin erheblich. Wir gehen davon aus, dass die Belastungen im Jahr 2026 weiter zurückgehen. Dennoch werden diese spürbar bleiben.
Die offene Euro-Zinsposition wird sich weiter vermindern, denn die geldpolitischen Wertpapierbestände werden aufgrund der Fälligkeiten weiter zurückgehen.
Insgesamt rechnen wir damit, dass wir für eine längere Zeit Bilanzverluste ausweisen werden und deshalb keine Gewinne ausschütten können.
Abschließend möchte ich nochmals betonen: die Bundesbank kann sowohl die aktuellen als auch die zu erwartenden finanziellen Belastungen tragen. Wir können unsere Aufgaben vollumfänglich erfüllen! Die Bilanz der Bundesbank bleibt solide.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und stehe Ihnen gemeinsam mit Präsident Nagel für Ihre Fragen zur Verfügung.
Vielen Dank.